Ein Kind hat einen Infekt und liegt mit 40 Grad Fieber im Bett. Ein Elternteil saust in die Apotheke und will einen schmerzlindernden fiebersenkenden Saft. Doch Paracetamol oder Ibuprofen sind rar.
„Bei den Säften sind wir seit zwei Wochen leer. Auch bei den Zäpfchen wird es eng“, sagt Günther Hammer, der Inhaber der Regnitz-Apotheke in Forchheim. Doch das ist nur ein Beispiel der Medikamente, die knapp werden.
Viele Medikamente betroffen
Es betrifft viele Medikamente, angefangen von Antirheumatika über Elektrolytlösungen bis hin zu Krebstherapeutika. Trotzdem warnen die Apotheker im Landkreis Forchheim vor Angst und Panik.
Denn zum einen heiße ein Engpass nicht, dass ein Mittel nicht mehr lieferbar sei, zum anderen gebe es Alternativen und Möglichkeiten. Diese betreffen das eigentliche Wissen und Handwerk der Apotheker.
Paracetamolsäfte selbst herstellen
„Wir könnten Paracetamolsäfte mit den Inhaltsstoffen selbst herstellen oder Zäpfchen selbst gießen“, sagt Florian Hofmann, Inhaber der St.-Michaels-Apotheke in Neunkirchen am Brand.
Es ist das, was die Apotheker früher auch gemacht haben und wie bei der Salbenherstellung heute noch tun. Nicht nur weil Florian Hofmann wieder Paracetamol-Säfte und Zäpfchen im Schrank hat, sondern weil die Apotheker auch auf ihr Können und Wissen zurückgreifen, musste noch kein Kunde ohne Medikament oder Alternative nach Hause geschickt werden.
Zäpfchen halbieren
Auch Günther Hammer konnte bislang jedem Kunden helfen, indem Zäpfchen halbiert wurden, um die richtige Dosierung dem Alter des Kindes entsprechend zu haben, oder aus den Tabletten ein leicht einnehmbares Pulver zu machen.
Ähnlich ist das bei den Elektrolytlösungen gegen Durchfall. „Diese können wir aus den Einzelstoffen herstellen und in Tütchen packen“, erklärt Hofmann.
Oder man gibt alternative Ratschläge mit nach Hause. „Ein Glas Orangensaft mit Salz und Zucker nach einer bestimmten Mischung“, verrät Hammer. Die genaue Mischung bekommen seine Kunden genannt.
Alternative Medikamente
Doch bevor die Apotheker wieder selbst Hand anlegen, um diese alternativen Medikamente herzustellen, bemühen sie sich auf anderen Wegen, doch noch die Medikamente auf dem Markt zu erhalten.
Die Apotheker sind eigentlich verpflichtet, einen Vorrat für eine Woche zu haben. Dementsprechend decken sie sich ein.
Großhandel rationiert Medikamente
„Wir laufen selten auf Null“, erklärt Hofmann. Sind Engpässe in der Fachpresse angekündigt, würden die Medikamente vom Großhandel rationiert, um doch noch immer die Arznei liefern zu können.
Sollte der Großhändler nicht mehr liefern können, würden die Apotheken bei den Firmen direkt anfragen.
EU-weit nachfragen
Die nächste Stufe wäre, EU-weit nach den Medikamenten zu fragen. Sollte auch das keinen Erfolg bringen, dann würden die Medikamente in Nicht-EU- Ländern besorgt werden.
Dazu bräuchte es eine Sonderzulassung, da die Medikamentenaufschrift und Beipackzettel nicht auf Deutsch sind.
Auf andere Medikamente umstellen
Sollte auch das scheitern, würde die Therapie umgestellt werden: auf andere Medikamente beispielsweise oder eben auf das Apothekerkönnen und -wissen. Dass es immer wieder zu Engpässen kommt, hat auch mit dem Krieg und mit Corona zu tun.
Der Hauptgrund allerdings ist ein anderer: „Geiz ist geil führt zu der Situation“, meint Hammer mit Blick auf den Kostendruck durch die Krankenkassen auf die Pharmaindustrie, immer billig zu sein.
In Pakistan, Indien oder China produziert
Diese würden dann in Pakistan, Indien oder China produzieren lassen. Medikamente oder Rohstoffe könnten aufgrund geschlossener Häfen wie bei der Pandemie nicht geliefert werden.
Engpässe entstehen. „Es ist ein Versagen der Politik, die aus der Pandemie Lehren ziehen wollte, in Europa zu produzieren“, sagt Hofmann.
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