Der Zwetschgenbaum überfüllt mit Wespen, daneben im Gartenhaus deren übergroßes Nest: Der Weg zur Haustüre wird zur täglichen Mutprobe. Was tun? Das Nest entfernen? „Dazu braucht es einen zwingenden Grund“, sagt Ursula Sondermann-Dülp, Wespen- und Hornissenbeauftragte am Landratsamt Forchheim.
Wespen stehen unter Naturschutz
Die Wespen stehen unter Naturschutz. Hornissen stehen sogar unter besonderem Schutz, da sie sehr bedroht sind und auf der roten Liste stehen. Einfach entfernen kann man die Nester beider Wespenarten nicht. Darauf steht eine Strafe bis zu 50.000 Euro.
So muss etwa für die Entfernung oder Umsiedelung der Hornissen eine schriftliche Ausnahmegenehmigung vorliegen. Für die Entfernung oder Umsiedlung der Wespen verlangt das Landratsamt einen Nachweis über eine Beratung durch Ursula Sondermann-Dülp aus Etlaswind oder Bernhard Betz, dem zweiten Wespenbeauftragten.
Viele Anrufe bei der Wespenbeauftragten
Gut 70 Anrufe hat Sondermann-Dülp seit Juli erhalten. Vieles ließ sich telefonisch klären. Denn zunächst geht es darum, um welche Wespen es sich handelt. „Meist ist es die gemeine Wespe“, sagt die Expertin. Diese Wespenart kommt am häufigsten vor.
Feldwespen sind freundlicher
Die Feldwespen hingegen, die ihre langen Beinchen baumeln lassen, sind die freundlicheren. Sie stechen nicht. Und das ist schon ein Unterschied, der zum besonderen Grund werden kann, um die Wespennester doch zu entfernen.
Sofern Gefahr in Verzug ist. „Bei baulichen Schäden oder wenn das Nest im Rollokasten beim Kinderzimmer mit einem Neugeborenen ist“, zählt die Wespenbeauftragte einige der Gründe auf, weshalb ein Nest entfernt wird.
Große Gefahr für Allergiker
Auch für Allergiker kann der Wespenstich gefährlich werden. Doch eine Allergie zu haben, heißt nicht, gleich auf Wespenstiche allergisch zu reagieren.
„Wer noch nie von einer Wespe gestochen wurde, kann nicht allergisch reagieren. Die Allergie gegen Wespengift baut sich erst auf“, erklärt Sondermann-Dülp. Doch einfach von Allergien reden, um das Nest entfernen zu dürfen, geht nicht.
Nachweis für Allergien wird verlangt
„Das Landratsamt verlangt einen Nachweis für Allergien“, sagt Sondermann-Dülp.
Steht nach der ausführlichen Beratung fest, das Nest müsse entfernt werden, sollte das ein Fachmann, ein Kammerjäger, übernehmen, rät die Wespenbeauftragte.
Sie empfiehlt ganz klar einen seriösen Dienstleister in der Nähe, nicht nur einen, der per Handynummer erreichbar ist. Zwar gebe es Gift zu kaufen, doch das selbst anzuwenden sei wenig ratsam.
Hilfe vom Kammerjäger
Die Kosten würden sich je nach Umfang und Aufwand zwischen 100 und 250 Euro belaufen, erklärt Sondermann-Dülp. 100 Euro und Fahrt verlangt Halil Vereget, staatlich geprüfter Kammerjäger. „Wir haben eine Schutzausrüstung und sind ausgebildet“, erklärt Vereget von der Firma VerEx.
Er arbeitet oft im Raum Forchheim und Bamberg. Ein Laie würde von den Wespen überrannt werden. In allen anderen Fällen lernt man mit dem Nest und den sehr nützlichen Wespen – sie fressen Stechmücken − zu leben.
Wespen merken sich bekannte Gesichter
Nach einer Beratung durch Ursula Sondermann-Dülp ändert sich für den einen oder anderen die Sicht auf Wespen oder Hornissen. Auch in ihrem Garten leben beide Insekten mit ihren Völkern.
Steht die Wespenbeauftragte zwanzig Zentimeter vor dem Hornissennest, kommen sie heraus und schauen Sondermann-Dülp an.
„Sie erkennen ihre Leute, auch Wespen können ihre Leute erkennen“, erklärt Sondermann-Dülp. Die Wespen lernen, von diesen Menschen gehe keine Gefahr aus. Die Tiere bleiben also friedlich und stechen nicht.
Im Herbst sterben die Insekten
Zwischen September, Oktober und November sterben die Insekten. „In das alte Nest gehen sie nicht mehr hinein“, sagt Sondermann-Dülp. Auch andere Wespen nicht. Allerdings könnten sie in der Nähe im Frühjahr in der Nähe ein neues Nest bauen, wenn es ein guter Platz war.
Tipps, um Insekten abzuwehren
Die Expertin hat einige Tipps, um die Insekten abzuwehren, die sich nun nicht mehr um die Brut kümmern müssen, sondern die letzten Lebenswochen genießen: Etwa eine Ablenkfütterung anbieten. Das können ein paar Weintrauben an einem anderen Ort sein.
Das allerdings könne auch andere Wespen anlocken, denn es spreche sich auch unter den Wespen herum, wo es gutes Essen gibt, meint Friedrich Oehme vom Bund Naturschutz.
Sehr effektiv sei es, eine Sprühflache mit Wasser füllen und die Insekten damit ansprühen, raten Oehme und Sondermann-Dülp. „Auch der Sprühnebel spricht sich herum“, erklärt Oehme. Die Wespen glauben dadurch, es regne und lassen sich so schonend vertreiben.
Lesen Sie dazu auch:












