Freudestrahlend wie immer schallt ein „Hallo“ aus dem Gewölbe des Blümleinskellers. Für das Interview mit David Hertl kann es wohl keinen geeigneteren Platz geben als den Kellerwald.
Nicht nur, weil sich hier die Sommerhitze besser ertragen lässt. Immerhin ist Forchheim nach Übernahme der Eichhorn-Brauerei auch eine der neuen Bierheimaten des umtriebigen 32-Jährigen.
Annafest Forchheim: Generalprobe auf den Kellern
Die Generalprobe scheint gelungen zu sein, das Eichhorn-Bier hat den Annafestgästen sowohl auf dem vom Sportverein Jahn bewirtschafteten Blümleinskeller als auch bei Bruno Alberti auf dem Eichhornkeller geschmeckt. Mindestens 10.000 Liter habe er am Annafest ausgeschenkt, sagt Hertl.
Dabei war dies bis kurz vor Beginn noch nicht sicher, gestritten wurde vorab über Schankrechte und die Nutzung von Kellergewölben.
Eichhornkeller: „Versorgung langfristig gesichert“
Aber man habe sich ausgesprochen. Und geeinigt. Und zwar langfristig. „Die nächsten Jahre sind sicher“, sagt Hertl. „Wir beliefern die Keller mit dem traditionellen Eichhorn-Bier nach Originalrezeptur.“
Nach den unruhigen und stressigen Wochen vor dem Fest werde nun also Ruhe einkehren, verspricht Hertl. „Unser aller Ziel ist es ja, das Eichhorn-Bier zu verkaufen.“
Nach Aus von Konrad Greif: David Hertl übernimmt
Nachdem Konrad Greif im Februar das Ende von Forchheims kleinster Brauerei verkündet hatte, folgte im April Entwarnung: David Hertl übernimmt.
Zusammen mit den Immobilienentwicklern Alexander Maier und Frank Päsler sowie dem Marketingexperten Stefan Willared. Braumeister Hertl wolle das Traditionelle auf jeden Fall bewahren. „Aber es hat Investitionsstaus gegeben.“
Über Braumanufaktur Hertl weltweit bekannt machen
Hertls Vision: „Wir wollen Forchheims Bier weit über die Grenzen Frankens hinaus bekannt machen. Über die Vertriebswege unserer Braumanufaktur Hertl bekommen wir das hin.“
Heißt im Klartext: Die Eichhorn-Biere sollen einmal nicht nur in hiesigen Getränkemärkten stehen. „Berlin, Japan – die ganze Welt steht uns offen“, sagt Hertl in seiner bekannt überschwänglichen Art.
Gebraut in Schnaid und bei Rittmayer in Hallerndorf
Wegen eben jener sei er zu Beginn zwar mitunter argwöhnisch beäugt worden im eher zurückhaltenden Forchheim. „Aber wir lokalen Brauer sind und sollten keine Konkurrenz zueinander sein“, sagt er.
Gebraut wird das Eichhorn Hell in Hertls Braustätte in Schnaid sowie bei Georg Rittmayer in Hallerndorf. Zwei Sude im Monat, knapp 7600 Liter Bier.
Bald wieder Flaschenbier, aber teurer
In den ersten Monaten wollte sich der 32-Jährige erst einmal auf Fassbier und Annafest konzentrieren. Sowohl das Eichhorn Hell als auch das Annafestbier solle ab 17. Oktober aber endlich wieder als Flaschenbier erhältlich sein. Zu Beginn sollen gut 400 Kisten abgefüllt werden, ebenfalls bei Rittmayer.
„Allerdings wird ein Kasten wahrscheinlich nicht mehr für 14 Euro wie früher zu haben sein. Bei diesem Preis würde ich draufzahlen“, so Hertl.
Etikett „Eichhorn Hell“ soll klassisch bleiben
Immerhin, leere Flaschen hat er bereits besorgt, aktuell wird an den neuen Etiketten gearbeitet. „Aber keine Angst, wir wollen die klassische Optik beibehalten“, schiebt er schnell nach.
Brauereigaststätte Eichhorn bleibt bestehen
So weiterlaufen wie gehabt solle es in der von Andreas Ruck bewirtschafteten Brauereigaststätte in der Bamberger Straße. Die ehemalige Braustätte im Hinterhaus steht dagegen nach wie vor leer.
Neue Wohnungen im alten Brauhaus
Nur Konrad Greifs Gerätschaften sind dort noch eingelagert. Einmal sollen dort Wohnungen entstehen, überdies Parkmöglichkeiten. Das ist aber noch Zukunftsmusik.
Laut Hertls Kompagnon Alexander Maier wolle man Ende des Jahres in konkrete Planungen einsteigen. In den Jahren 2023 und 2024 könne man eventuell loslegen, sagt Maier.
Braumanufaktur, Bierothek, Brauseminare
David Hertl ist gut eingespannt mit seiner in Schlüsselfeld ansässigen Braumanufaktur, der Bierothek in Bamberg, den Brauseminaren. „Meine Wochenenden bis März sind verplant“, sagt der junge Vater.
Hertl: „Forchheim ist eine Bierstadt“
Mit dem Brauhaus in Schnaid und der Eichhorn-Brauerei legt er noch zwei Schippen drauf. „Forchheim ist eine Bierstadt, die Leuten lieben Bier und die Stadt ist ambitioniert, Bier als Kulturgut voranzubringen. Das macht es mir leicht“, sagt er.
Mehr Arbeit in einem fremden Terrain: Hertl bereut den Schritt dennoch nicht. Ganz im Gegenteil: „Die Brauerei Eichhorn ist nach wie vor ein Abenteuer. Und wir sind erst am Anfang.“
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