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Schock in Forchheim
Traditionsbäckerei Wölker schließt
Theresia Wölker vor den leeren Regalen in ihrer Bäckerei.Forchheim & Fränkische Schweiz
Theresia Wölker vor den leeren Regalen in ihrer Bäckerei. // Barbara Herbst
Forchheim – Erst Nagel, jetzt Wölker: In Forchheim macht die nächste Bäckerei dicht. Die Inhaberin erklärt, warum sie nach 37 Jahren einen Schlussstrich zieht.

Die Regale sind leer, die Rollos geschlossen. Mit Tränen in den Augen steht Theresia Wölker in der Tür ihrer geschlossenen Bäckerei. „Das sind doch 37 Jahre meines Lebens“, sagt sie. So lang haben sie und ihr Mann die Traditionsbäckerei Wölker in Forchheim betrieben. Seit dem 22.02.2022 ist jetzt Schluss.

Ein Schild im Schaufenster hatte am Dienstag Stammkunden und Passanten darauf hingewiesen, dass die Bäckerei aufgrund eines defekten Ofens an diesem Tag geschlossen bleiben sollte. Doch nachdem erst im September die Traditionsbäckerei Nagel geschlossen hatte, ist nun klar: Auch für die Bäckerei Wölker ist es ein endgültiges Aus.

Der große Backofen, der weit über 30 Jahre zuverlässig gedient hatte, wollte am Dienstag plötzlich nicht mehr funktionieren. Eine Reparatur sei laut Wölker kaum möglich: „Unter 30.000 Euro gibt es keine Reparatur. Man könnte höchstens ein Teil reparieren und das würde vielleicht auch nur ein Jahr halten.“

Keine Neuanschaffung möglich

Auch ein neuer Ofen kommt gar nicht in Frage. 150.000 Euro würde so ein Gerät mit modernen Standards mindestens kosten, das kann das Ehepaar nicht mehr aufbringen. „Ab einem gewissen Alter bekommt man kein Geld mehr von der Bank. Da müssten wir 150 werden, um das noch abzubezahlen“, erklärt sie.

Die Bäckerei Wölker in Forchheim ist seit dem 22. Februar geschlossen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Bäckerei Wölker in Forchheim ist seit dem 22. Februar geschlossen. // Barbara Herbst

Kopfschüttelnd nehmen die Stammkunden Getrud Freund und Andreas Ploch die Neuigkeiten auf. „Wir hatten schon wie immer das Geld abgezählt“, sagt Ploch und hält die Hand auf, um die Münzen zu zeigen. „Das ist schon emotional“, fügt Gertrud Freund hinzu. „Das war gute Ware zum guten Preis.“

Keine Zukunft für die Bäckerei

„Wir wollten weitermachen, solang es geht“, erzählt Wölker. Doch auf lange Sicht hätte für die Bäckerei ohnehin keine Zukunft mehr bestanden. Die potenziellen Nachfolger hätten an der Bäckerei kein Interesse gehabt. Schon im November erklärte Wölker, dass ihre Tochter Altenpflegerin und sehr glücklich in ihrem Beruf sei. Auch die Enkel hätten die Bäckerei nicht übernehmen wollen.

Auch die äußeren Umstände hätten es für das kleine Unternehmen immer schwerer gemacht. „Mit den Energiepreisen weiß ich nicht, ob wir noch überlebt hätten“, sagt Wölker. Man hätte die steigenden Kosten schließlich nicht auf die Kunden weitergeben wollen: „Ich habe immer versucht, die Preise nur um das Nötigste zu erhöhen.“

Ein Schild weist die Kunden auf die Schließung hin.Forchheim & Fränkische Schweiz
Ein Schild weist die Kunden auf die Schließung hin. // Barbara Herbst

Auch Mehl und andere Zutaten wären immer teurer geworden. Außerdem wären die Geräte alle veraltet gewesen. Bei einer Übernahme durch einen Nachfolger hätte der also erst einmal ordentlich investieren müssen.

Verkauf der Einrichtung

Nun stehen die Geräte still und die Verkaufsregale sind leer. Nur das Telefon hinter dem kleinen Verkaufsraum kommt nicht zur Ruhe. Erstaunte und besorgte Kunden wollen wissen, was passiert ist. Doch auch Fragen nach Bäckereibedarf gibt es.

„Wir versuchen, noch so viel wie möglich zu verkaufen“, erklärt Wölker und deutet auf die Dosen voller verschiedener Zutaten, die noch in der Küche gestapelt sind. Das wollen die Wölkers schließlich nicht wegwerfen.

Theresia Wölker vor dem defekten Ofen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Theresia Wölker vor dem defekten Ofen. // Barbara Herbst

Auch die Geräte und die Einrichtung könne man vielleicht noch zu Geld machen. Sogar die Plexiglasscheiben, die auf dem leeren Tresen stehen sollen verkauft werden. „Vielleicht kann die ja noch einer brauchen in Zeiten von Corona“, hofft sie.

Auf Wohnungssuche

Doch nicht nur die Einrichtung und die Geräte müssen weg. Das Haus, in dem die Wölkers derzeit auch privat wohnen, muss ebenfalls verkauft werden. „Da könnten mehrere Parteien drin wohnen, aber das Haus müsste grundsaniert werden“, sagt Wölker.

Am besten wäre es also, wenn jemand das ganze Haus inklusive Bäckerei und Wohnung kaufen würde. Während die Wölkers also noch den Verlust ihres Lebenswerkes betrauern, suchen sie derzeit schon eine neue Wohnung in Forchheim.

 

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