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Handwerk
Metzger im Landkreis drohen auszusterben
Auch nach der Schließung seines Verkaufsraums will Ralph Bauer künftig weiterhin Wurst und Schinken produzieren.Forchheim & Fränkische Schweiz
Auch nach der Schließung seines Verkaufsraums will Ralph Bauer künftig weiterhin Wurst und Schinken produzieren. // Privat
Forchheim – Seit 2005 hat der Landkreis Forchheim 13 Metzger verloren. Der Grund hierfür ist fehlender Nachwuchs in der Branche. Lösungen fehlen aber.

Bratwurst, Knacker und Leberkäs gehören in Franken für viele fest zur Lebensweise.

Diese Kultur ist nun jedoch in Gefahr. Auch im Landkreis Forchheim machen nämlich immer mehr Metzger ihre Geschäfte dicht. Gab es im Jahr 2005 laut der Handwerkskammer Oberfranken zum Jahresende noch 71 Fleischerbetriebe, waren es 2022 nur noch 58. Die Gründe hierfür sind vielfältig und keineswegs neu. Eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht.

„Dass die Zahl der Metzgereien immer mehr abnimmt, ist ein steter Prozess, den wir schon seit Jahren beobachten“, erklärt Hans Derbfuß Innungsobermeister der Forchheimer Fleischer. In jüngster Zeit kämme es jedoch verstärkt zu Schließungen.

Personalprobleme mnacht Branche zu schaffen

Gründe hierfür seien derzeit einerseits steigende Strom und Materialkosten sowie gesetzliche Auflagen wegen denen Betriebsräume modernisiert werden müssten. „Bei den Metzgereien, die in den vergangenen Wochen ihr Geschäft aufgegeben haben, hat sich häufig ein Mix dieser Probleme gezeigt“, bestätigt auch die Handwerkskammer auf Anfrage. Laut dem Innungsobermeister seien es jedoch vor allem Personalprobleme, die der die Branche zu schaffen machten. „Viele Betriebe sind vom Personal her stark überaltert“, berichtet Derbfuß. Und der Nachwuchs für die Branche bleibe seit Jahrzehnten aus.

„Auch wir haben früher sehr aktiv ausgebildet“, berichtet Ralph Bauer, Juniorchef der Metzgerei Bauer aus Hallerndorf. Seit geraumer Zeit gebe es jedoch kaum geeignete Bewerber in der Branche. Deshalb habe sein Familienbetrieb seit etwa 15 Jahren keinen Lehrling mehr ausgebildet.

Jugendliche ohne Bezug zum Handwerk

„Es hat in den vergangenen Jahren zwar immer wieder Werbekampagnen gegeben“, erzählt Hans Derbfuß. Deren Erfolg sei oftmals jedoch schnell verpufft. Betroffen davon seien jedoch nicht nur Metzger, sondern auch andere Handwerke. „Das ist ein gesellschaftliches Problem“, betont Derbfuß. Jugendliche hätten heute einfach keinen Bezug mehr zum Handwerk – das sei jedoch kein Vorwurf. Früher wären viele durch die Arbeit ihrer Eltern an praktische Tätigkeiten herangeführt worden und hätten ab und an ausgeholfen. Das sei in einer Zeit, in der große Teile der Gesellschaft im Büro arbeiten würden, kaum noch möglich. Auch habe gerade auf dem Land jeder zweite Jugendliche eine Mofa besessen, an der er in seiner Freizeit herumgeschraubt habe. Inzwischen gebe es dieses Hobby kaum noch.

Tatsächlich würden viele Betriebe sich inzwischen sehr um Bewerber bemühen. Und auch der Verdienst von Berufsanfängern sei deutlich gestiegen. „Im ersten Lehrjahr verdient ein Metzger heute inzwischen etwa 1000 Euro“, erklärt er. Auch das überzeuge Jugendliche heute aber kaum. Außerdem helfe es in der gegenwärtigen Lage nur bedingt, schließlich fehle inzwischen auch das fertig ausgebildete Personal. Folglich bleibe vielen alten Meistern nichts übrig, als ihr Geschäft aufzugeben, wenn sie sich in den Ruhestand verabschieden wollten.

Metzgerei Bauer schließt Verkaufsraum

Aus diesem Grund schließt bald auch die Metzgerei Bauer ihren Verkaufsraum. Am 29. April öffnet er ein letztes Mal. Da er selbst hauptberuflich als Berater in der Lebensmittelindustrie arbeite, könne er das Geschäft leider nicht so weiterbetreibenfortführen, wie manch ein Stammkunde es sich vielleicht von ihm wünsche. Für seine Eltern sei es aber an der Zeit, kürzerzutreten. Schließlich sei sein Vater inzwischen bereits 78 Jahre alt.

Kein Hobby, sondern Berufung

Dem Metzgerhandwerk den Rücken zukehren will Ralph Bauer jedoch keinesfalls. Stattdessen arbeite er nach seinem Hauptberuf abends weiterhin jeden Tag ein bis zwei Stunden in der Wurstküche der Familie, um Spezialitäten für Geschäftskunden wie Bierkeller in der Region oder Vereine zu fertigen. „Für mich ist das Handwerk kein Hobby, sondern eine Berufung“, betont er. Auch die alten Stammkunden möchte er künftig übrigens nicht im Stich lassen. Aus diesem Grunde plane er, seine Waren künftig online anzubieten. Zudem arbeite er daran, einen Wurstautomaten aufzustellen. An dem könnten die Hallerndorfer dann jederzeit Wurst und Schinken kaufen.

„Solche Automaten sind zwar eine nette Idee, aber der Heilsbringer für die Branche sind sie auch leider nicht“, erklärt Obermeister Derbfuß. Schließlich seien sie nicht in der Lage, eine neue Generation an Metzgern auszubilden.

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