Die Solarbranche floriert in der Fränkischen Schweiz: Von Poxstall, Schnaid über Bräuningshof bis Obertrubach sind neue Solarparks geplant. Auch in Walkersbrunn soll die Freiflächen-Photovoltaik weiter wachsen.
Frei stehende Solaranlagen auf hiesigen Äckern scheinen lukrativ zu sein und treiben die Energiewende in der Region Forchheim voran. Gleichzeitig verändert der Photovoltaik-Boom die Landschaft des ländlichen Raums in der Fränkischen Schweiz.
Warum Solarparks auf Äckern immer mehr Investoren locken
Der Freistaat Bayern ist führend beim Ausbau von Photovoltaikanlagen. Dass immer mehr Solaranlagen auf Äckern entstehen, hat einen Grund: 2017 war Bayern das erste Bundesland, das Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen per Verordnung erlaubt hat. Davor entstanden frei stehende PV-Anlagen nur an Autobahnen und in Industriegebieten.
In den vergangenen Jahren stieg das Kontingent an erlaubten Solarparks auf Äckern im Freistaat Bayern, seit 2020 dürfen jährlich 200 solcher Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen entstehen. Die Kommunen sind dafür verantwortlich, die Photovoltaik-Freiflächen zu genehmigen.
Der PV-Ausbau im ländlichen Raum wächst außerdem, weil Solarparks für Investoren immer interessanter werden. Ein steigender Anteil an Freiflächen-Photovoltaik in Deutschland finde bereits abseits der Förderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) statt, sondern „marktgetrieben“, erklärte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm, die an der FAU Erlangen-Nürnberg Wirtschaftstheorie unterrichtet.
Solarinvestoren sind auch auf dem Neuseser Berg bei Poxstall fündig geworden und gaben den Anstoß für einen neuen Solarpark. Die Stadtwerke Ebermannstadt planen aktuell auf einer rund 20 Hektar großen Ackerfläche den bislang größten Solarpark der Fränkischen Schweiz.
„Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und zur Sicherung der Lebensgrundlage künftiger Generationen möchte die Stadt Ebermannstadt, so weit möglich, energieautark werden. Ziel ist es, den Strom für Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen ausschließlich aus regenerativen Quellen und in Anlagen der Region zu erzeugen“, erklärt Ebermannstadts Geschäftsstellenleiter Andreas Kirchner die Beweggründe vonseiten der Stadt.
Die derzeit vielversprechendste Möglichkeit stelle der Ausbau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen dar. Mit dem Solarpark Poxstall entsteht die größte Photovoltaikanlage der Region. Bereits 2010 haben die Stadtwerke 3,4 Mio. Euro in den Solarpark Eschlipp investiert.
Solarparks im Kreis Forchheim: Zusatzeinkommen für Landwirte
Für den Bau einer weiteren Photovoltaikanlage haben die Stadtwerke im vergangenen Jahr westlich von Poxstall, am Neuseser Berg, eine landwirtschaftliche Fläche von knapp 20 Hektar gepachtet. Ein Teil der Fläche gehört Landwirt Edmund Herbst, der gegenüber unserer Zeitung erklärte: „Für uns ist der Solarpark ein gutes Zusatzeinkommen und wir tun etwas für Klima und Umwelt.“
Die erwartete Stromerzeugung im geplanten Solarpark Poxstall entspricht 56 Prozent des Strombezugs aus dem öffentlichen Stromnetz in Ebermannstadt. Unter Berücksichtigung der bisher vorhandenen Stromerzeugung, erhöht sich die bilanzielle Eigenversorgungsquote auf 75 Prozent.
Voraussetzung für den Solarpark Poxstall sei aber die EEG-Förderzusage, erläutert Kirchner. Die Stadtverwaltung erwartet die Zusage in der zweiten Jahreshälfte. Zudem müssen bei Poxstall noch die baurechtlichen Voraussetzungen im Rahmen des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes geschaffen werden; seit Februar liegt die entsprechende Bauleitplanung öffentlich aus. Der Bau- und Umweltausschuss wird die Satzungsbeschlüsse für den Solarpark Poxstall voraussichtlich im März fassen.
Kritik an „störenden“ Solarparks
Immer wieder stößt Freiflächen-Photovoltaik auf dem Land auch auf Ablehnung: So wehren sich aktuell im Landkreis Hof beispielsweise mehrere Nachbargemeinden gegen den größten Solarpark im Frankenwald bei Issigau, weil sie die dort geplante 75 Hektar große PV-Anlage als „störend“ für die Landschaft empfinden.
Auch Bedenken wegen Flächenfraß, schwindenden Ackerflächen für die Landwirtschaft und der Naturverträglichkeit werden laut. Der FT hat bei lokalen Interessenvertretern aus Klima- und Naturschutz nachgefragt: Wie sinnvoll oder schädlich sind Solarparks in der Fränkischen Schweiz für unsere Landschaft?
Die Vorsitzende der Energie- und Klimaallianz, Barbara Cunningham, ist für mehr Solarparks:
„Freiflächen-Solaranlagen liefern emissionsfreien Strom, sind umzäumt, werden nicht bewirtschaftet und bieten so einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen, insbesondere auch gefährdeten, Schutz. Solaranlagen können problemlos wieder entfernt oder erneuert werden. Sie können in Bürgerhand, mit Bürgerbeteiligung, aber auch von Kommunen und Stadtwerken gebaut und betrieben werden. Sie machen unabhängig von Energieimporten und sichern die Versorgung. Es spricht nichts gegen – aber alles für derartige Anlagen.
Wir generieren nach wie vor den überwiegenden Teil unserer Energie für Strom, Wärme und Verkehr aus fossilen Energieträgern. Seit Beginn der Industrialisierung schädigen wir so massiv unser Klima, und beschleunigen dies durch immer stärkeres, weltweites Wirtschaftswachstum. Starkwetterereignisse nehmen auch im Landkreis Forchheim immer mehr zu: Dürre, Hitze, Stürme, Starkregen. Die Folgen sind rückgängige landwirtschaftliche Erträge, massiven Schäden im Wald, einem unserer wichtigen CO2-Speicher und Erholungsraum, aber auch an Gebäuden und Infrastruktur – und an unserer Gesundheit.
All dies ist völlig unnötig, denn wir können unsere Energie schon lange komplett aus erneuerbaren Energien gewinnen: Sonne und Wind. Im Idealfall sollte jede Kommune ein bis zwei Prozent ihrer Fläche für den beschleunigten Ausbau von erneuerbarer Energien zur Verfügung stellen; hierfür kommen in erster Linie anderweitig ungeeignete Flächen infrage. Mit gutem Beispiel vorangeht hier zum Beispiel die kleine Kommune Aufseß.“
Der Bund Naturschutz-Vorsitzende Friedrich Oehme betont, dass die Tierwelt unter PV-Anlagen nicht leiden darf:
„Wir müssen bei Solarparks genau hinschauen, wie bei der Umsetzung mit unseren schützenswerten Landschaftslebensräumen umgegangen wird. Und die große Frage wird sein: Wie viele Solarparks verträgt die Fränkische Schweiz? Und wann werden es zu viele? Aber grundsätzlich sind wir vom Bund Naturschutz erst einmal nicht gegen Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen.
Dächer sind nach wie vor das beste und das wichtigste für Photovoltaikanlagen. Aber wir werden unser CO2-Ziel nur allein mit den Dächern nicht erreichen. Deshalb haben wir als Naturschützer eine differenzierte Einstellung: Diese Wiesen sind nämlich auch Lebensräume, von kleineren Insekten und auch größeren Säugetieren. Denen darf durch große Freiflächen-Solarparks ihre Lebensräume nicht wegnehmen werden. Deshalb ist ein Kompromiss angesagt: Es gibt gute Beispiele, dass Solaranlagen so montiert werden, dass der Lebensraum erhalten bleibt. Ein Problem können die Einzäunungen sein, im niedrigeren Bereich sollten Säugetiere hindurchpassen.
Bislang sind unsere Solarparks im Landkreis Forchheim noch kein großes Thema unter den Naturschützern, aber wir müssen im Einzelfall immer wieder hinterfragen, was tun die Photovoltaikanlagen bezogen auf das einzelne Landschaftselement. Wenn Ausschlusskriterien bei der Standortwahl gelten, Anlagen in Vorrangflächen des Naturschutzes vermieden werden und gute naturschutzfachliche Gestaltung eingehalten werden, können PV-Freiflächenanlagen im besten Fall sogar einen zusätzlichen Gewinn für Biodiversität bedeuten.“
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