Der Kreisverband Forchheim des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG) hat in den vergangenen zwei Jahren etwa 25 Mitgliedsbetriebe verloren und ist von 150 auf 125 Mitglieder geschrumpft. Dies wurde während der Jahresversammlung im Gasthof Richter in Leutzdorf bekannt.
Die wenigsten der Betriebe haben wegen den Corona-Lockdowns zugemacht. Corona sei aber für viele der Anlass gewesen, ihre Gastwirtschaften für immer zu schließen, weil sie keinen Geschäftsnachfolger in Aussicht hatten. „Die Kollegen, die kurz vor dem Ruhestand waren, haben deshalb schon früher aufgehört“, sagte Kreisvorsitzender Georg Hötzelein. Viele seien aber nach Corona auch wieder zurückgekommen. Dem Verband habe es geholfen, dass er gut organisiert sei. Man habe einen direkten Draht in die Ministerien gehabt, was ein Vorteil in der Coronazeit gewesen sei.
Gastgewerbe ist systemrelevant
Hötzelein bezeichnete das Gastgewerbe in Bayern und vor allem auch im Landkreis Forchheim als systemrelevant. 500.000 Erwerbstätige in Bayern arbeiten in der Gastronomie die 19 Milliarden Euro im Jahr in ihren über 40.000 Betrieben umsetzt. Neben den Preissteigerungen in allen Bereichen hat die Gastronomie mit einem eklatanten Fachkräftemangel zu kämpfen. Gastronomen suchen händeringend Personal. Viele Gaststätten hätten deshalb nur noch eingeschränkte Öffnungszeiten.
Machen Sie mit bei der großen FT-Umfrage:
Wie Hötzelein betonte, müsse die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern steigen. „Wir müssen ihnen so viel Geld bezahlen, damit sie ein gutes Auskommen haben und ihre Familie damit ernähren können“, mahnte der Forchheimer Wirtechef. „Das lieb gewonnene ins Wirtshaus gehen wird teurer werden“, prognostizierte Hötzelein.
Höhere Mehrwertsteuer wäre fatal
Während der Corona-Pandemie für die Mehrwertsteuer in Gasthäusern auf sieben Prozent gesenkt. 2024 soll die wieder auf 19 Prozent angehoben werden. Für Hötzelein ein Unding: „Wir können nicht am 1. Januar 2024 auf einmal zwölf Prozent mehr für das Essen verlangen. Dann fallen die Leute ja tot um“, so Hötzelein wörtlich.
Er legt großen Wert darauf, dass dies keine Gastro- sondern eine Verbrauchssteuer ist, die die Wirte an den Staat weiterreichen müssen. Kritik bei diesem Thema richtete Hötzelein vor allem gegen die Grünen.
Verbandsgeschäftsführerin Andrea Kramer aus der Oberpfalz kündigte einen Wahlcheck ihres Verbands vor der Landtagswahl an. Alle Parteien werden gefragt werden, ob sie weiterhin für sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen sind. „Parteien, die dies nicht durchführen wollen, sind für uns dann nicht wählbar“, sagte Kramer.
Sie informierte auch, dass die fränkischen Bezirke des Hotel- und Gaststättenverbands neu aufgestellt werden. Bezirke werden zusammengelegt und in Nürnberg werde ein Kompetenzzentrum für alle Bezirke angesiedelt. Momentan befinde man sich noch in einer Übergangslösung.
Auch flexiblere Wochenarbeitszeiten im Gastronomiebereich waren Thema bei der Veranstaltung. Es müsse in Stoßzeiten erlaubt sein, zwölf Stunden am Tag zu arbeiten, dafür aber an anderen Tagen weniger. Hötzelein betonte, dass es nicht darum gehe, die Arbeitszeiten für die Mitarbeiter zu erhöhen, sondern die Zeiten an das reale Leben anzupassen.
Das Schlimme daran sei, dass die EU diese Wochenarbeitszeit bereits vorgegeben habe, unsere Regierung dies aber nicht umsetzte, so Hötzelein. „Wenn einer am Wochenende seine Freizeit opfert, wird er noch bestraft dafür“, rief Dieter Heid dazwischen und ergänzte: „Junge Leute laufen uns davon, weil wir ihnen die Perspektive so nicht mehr bieten können.“ Hötzelein kündigte auch eine neue Imagekampagne an. Man müsse für alle Gastwirte in der Fränkischen Schweiz etwas tun und die Wirte müssten enger zusammenarbeiten.
Auch die künftige Zusammenarbeit mit der Tourismuszentrale soll etwas anders gestaltet werden. „Wir sind viel zu gehorsam geworden“, so Hötzelein. Es brauche intelligente Konzepte.
Für Vizelandrätin Rosi Kraus gibt es in Sachen Zusammenarbeit gute Ansatzpunkte. „Man muss es aber miteinander machen“, so Kraus. Wo es keine Gastwirtschaft mehr gebe, sei der Ort tot, sagte Kraus und nannte Wichsenstein als Beispiel.
Wirte sollen Leidenschaft behalten
Aus Sicht von Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW) hat in den vergangenen Jahren ein Wertewandel stattgefunden: „Wir haben ein Gesellschaftsproblem.“ Den Wirten riet er, ihre Leidenschaft nicht zu verlieren. Sie müssten aber natürlich auch wirtschaftlich denken. „Ich glaube schon, dass Sie sich trauen dürfen, in die Veränderungsprozesse hineinzugehen“, rief Zimmermann den Gastronomen zu.
Die frühere Bezirksvorsitzende Andrea Luger fand, dass die Wirte es angesichts des demografischen Wandels versäumt hätten, Nachwuchs heranzuziehen. „Das schlägt jetzt zu 100 Prozent zu“, sagte Luger.
Lesen Sie auch:











