Gerichtsverhandlung
Beleidigung des Schwiegervaters kommt teuer
Vom plötzlichen Auftauchen des verhassten Schwiegervaters provoziert, ließ sich der Angeklagte zu Beleidigungen einschließlich Zeigens des Stinkefingers verleiten.
Vom plötzlichen Auftauchen des verhassten Schwiegervaters provoziert, ließ sich der Angeklagte zu Beleidigungen einschließlich Zeigens des Stinkefingers verleiten.
Foto: Symbolfoto: Kara/Adobe Stock
F-Signet von Martin Schweiger Fränkischer Tag
Haßfurt – Plötzlich stand der Mann, den er am meisten hasst, in der Einfahrt. Das war zu viel für einen 48-jährigen Arbeiter.

Der 10. Juli vergangenen Jahres begann für einen 48-jährigen Arbeiter aus dem Rhön-Grabfeld-Kreis wenig erfreulich. Als er um 10 Uhr morgens mit seiner Noch-Ehefrau das gemeinsame Anwesen im nördlichen Landkreis Haßberge ausräumte, stand plötzlich sein ungeliebter Schwiegervater aus Brandenburg in der Einfahrt des Hauses.

„Das Übelste der Gesellschaft“

Als der ihm verbieten wollte, sein eigenes Grundstück zu betreten, kam es zu einem Wortwechsel, der darin gipfelte, dass der 48-Jährige den Schwiegervater als „dreckigen Abschaum“ und „das Übelste der Gesellschaft“ betitelte und ihm gleichzeitig den ausgestreckten Mittelfinger, den sogenannten Stinkefinger, entgegenstreckte.

Der Beleidigte erstattete Anzeige, so dass der Noch-Schwiegersohn einen Strafbefehl erhielt. Gegen diesen legte er Einspruch ein, so dass es zur Verhandlung am Amtsgericht kam.

Dort gab der Angeklagte seinen Fehltritt offen zu. „Das habe ich so gesagt. Es tut mir leid“, gab er zu Protokoll. Den Kontakt zu seinem Schwiegervater habe er bereits im Jahr 2018 abgebrochen. Damals sei sein damals elfjähriger Sohn bei seinen Großeltern zu Besuch gewesen. Der Schwiegervater – der Stiefvater seiner Noch-Ehefrau – habe damals seinen Sohn angeschrien und habe ihn körperlich angegriffen. Daraufhin habe er dem Schwiegervater ein Hausverbot auf Lebenszeit erteilt. Das habe dieser jedoch nicht eingehalten. Er sei damals – im Juli vergangenen Jahres – plötzlich aufgetaucht und habe die Polizei gerufen. Die Situation habe sich hochgeschaukelt. Auch er sei von seinem Schwiegervater und seiner Noch-Ehefrau beleidigt worden. Anzeige habe er jedoch nicht erstattet.

Dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren nicht eingestellt hat, liegt daran, dass der Angeklagte einschlägig vorbestraft ist. Im Jahr 2009 wurde er vom Amtsgericht Nürnberg wegen Nachstellung, Bedrohung, Beleidigung und Sachbeschädigung zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. „Das war Bull-Shit. Ich hatte ein Alkoholproblem und war arbeitslos“, brachte der Angeklagte als Begründung vor.

Richter: Viel schmutzige Wäsche

Der Vorsitzende Richter Christoph Gillot legte dem Vertreter der Staatsanwaltschaft dennoch eine Einstellung des Verfahrens nahe. „Die Akte strotzt vor schmutziger Wäsche, die gewaschen wird“, sagte er als Begründung. Der Anklagevertreter stimmte nach kurzer Rücksprache mit seinem Vorgesetzten doch noch einer Einstellung zu. Als Auflage muss der Angeklagte 1000 Euro an den Jugendhilfefonds Haßberge zahlen. Der Vorsitzende riet dem 48-Jährigen, in Zukunft ruhig zu bleiben und „den Ball flach zu halten.“ Das versprach ihm der Angeklagte. „Die Kinder sind schon genug gebeutelt. Es reicht“, sagte er zur Begründung.

Umsonst 500 Kilometer nach Franken gefahren

Sein Noch-Schwiegervater, der 500 Kilometer aus Brandenburg angereist war, um als Zeuge auszusagen, musste die Heimreise antreten, ohne gehört zu werden. Eine Begrüßung zwischen den beiden Streithähnen gab es nicht.

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: