Übung
Damit der Tunnel nicht zur Falle wird
Die Freiwilligen Feuerwehren aus Eltmann, Ebelsbach, Knetzgau und Sand sind für den Tunnel Schwarzer Berg zuständig und üben regelmäßig den Ernstfall vor Ort.
Die Freiwilligen Feuerwehren aus Eltmann, Ebelsbach, Knetzgau und Sand sind für den Tunnel Schwarzer Berg zuständig und üben regelmäßig den Ernstfall vor Ort.
Foto: Christian Licha
F-Signet von Christian Licha Fränkischer Tag
Eltmann – Auf der A 70 im Schwarzen Berg probt die Feuerwehr den Ernstfall. Neben dem üblichen Löschgerät kommen auch Blindenstöcke zum Einsatz.

„Feuer im Tunnel Schwarzer Berg auf der Maintalautobahn A 70. Schwarzer Rauch dringt aus den Tunnelröhren, die Sicht ist gleich null.“ Solch ein Schreckensszenario ist glücklicherweise so noch nie passiert und wird hoffentlich auch keine Wirklichkeit. Um aber für den Ernstfall gewappnet zu sein, haben die vier Freiwilligen Feuerwehren, in deren Zuständigkeitsbereich der Tunnel mit seinen zwei Fahrbahn-Röhren liegt, eine Rettungsstrategie. 64 ausgebildete Atemschutzgeräteträger von den Feuerwehren aus Eltmann, Ebelsbach, Knetzgau und Sand trainierten dieser Tage den Alarmfall.

Während der wechselseitigen Sperrung der Röhren für die üblichen Wartungsarbeiten bot sich die autofreie Tunnelstrecke förmlich dazu an. Vorausgegangen ist dieser Übung Ende vergangenen Jahres eine einwöchige Fortbildungsveranstaltung für die Tunnelfeuerwehren aus dem Landkreis Haßberge bei der International Fire Academy (IFA) in der Schweiz. Die IFA gilt als europaweit führendes Kompetenzzentrum für die Bewältigung von Brandereignissen in Tunneln und hat in Kooperation mit Feuerwehren aus der Schweiz und Europa eine international anerkannte Tunnel-Einsatzlehre entwickelt und publiziert.

Menschenrettung vor Brandbekämpfung

Unter der Führung der Kreisbrandmeister Bernhard Finger und David Amling wurden 16 weiteren Einsatzkräften von den IFA-Ausbildern in der Übungstunnelanlage in Balsthal im Kanton Solothurn spezielle Lösch- und Rettungstechniken vermittelt.

„Der Rauch bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von zehn Metern in der Sekunde im Tunnel“, verdeutlichte Altmannsberger während der theoretischen Schulung vor Ort. Grundsätzlich ist die Wind-/Zugrichtung in den Tunnelröhren die jeweilige Fahrtrichtung, Beim Erliegen des Fahrzeugverkehrs könnte sich die Wind-/Zugrichtung ändern, jedoch greift hier die Lüftungsanlage des Tunnels ein und verhindert dies.

Das taktische Vorgehen wird erläutert

Bei einem eventuellen Ausfall der Lüftungsanlagen tritt nach etwa 20 bis 30 Minuten die natürliche Windrichtung, von Westen nach Osten ein, so Altmannsberger. Weiterhin wurde das genaue taktische Vorgehen der Feuerwehren erläutert, wobei es hier, genauso wie bei anderen Einsätzen heißt: Menschenrettung geht vor Brandbekämpfung.

Aber auch die Kühlung der Tunneldecke und -wände ist von großer Bedeutung, damit das verbaute Material nicht porös wird. Im Abstand von 100 Metern gibt es dafür sieben Wandhydranten in jedem Tunnel, damit die Wasserversorgung für die sogenannte Strukturkühlung gewährleistet ist.

Im Extremfall haben die Einsatzkräfte im verrauchten Tunnel so gut wie keine Sicht. Um dennoch sicher voranzukommen und Verletzte retten zu können, bedienen sich die ehrenamtlichen Brandbekämpfer ab sofort eines besonderen Hilfsmittels: Fabian Hümmer vermittelte das in der Schweiz erlangte Wissen rund um die Blindenstöcke, mit denen sich die Feuerwehrler sicher vorantasten können.

Blindenstöcke kommen zum Einsatz

Zwei Mann gehen nebeneinander, wobei sich der mit den beiden Blindenstöcken abgetastete Radius überschneidet. Auf diese Art kann man Fahrzeuge, andere Gegenstände oder Menschen im dunklen Tunnel ausmachen. Wenn der Vorrat an Atemluft zu Ende geht und ein anderer Trupp in die Röhre geschickt wird, können die frischen Einsatzkräfte den bisher abgesuchten Raum an gelben Blinkleuchten erkennen.

Mit Blindenstöcken wird der Tunnel nach Verletzten abgesucht. Hier beim Training wurde die Dunkelheit mit einer Maske vor den Augen simuliert.
Mit Blindenstöcken wird der Tunnel nach Verletzten abgesucht. Hier beim Training wurde die Dunkelheit mit einer Maske vor den Augen simuliert.
Foto: Christian Licha

Diese Leuchten, die hinter dem zuletzt abgesuchten Fahrzeug positioniert werden, sind zukünftig ebenso in der Ausstattung der Tunnelfeuerwehren zu finden wie spezielle Doppelflaschengeräte. Mit zwei 6,8-Liter CFK-Atemschutzflaschen auf dem Rücken wird die Einsatzzeit je Person auf bis zu 60 Minuten verlängert.

Eine schlagkräftige Truppe

Neu angeschaffte Schleifkorbtragen mit Rollen erleichtern dem schnelleren und einfacheren Transport von Verletzten. „Ich bin sehr stolz darauf, so eine schlagkräftige Mannschaft hinter mir stehen zu haben“, sagte Kreisbrandinspektor Thomas Neeb, der die groß angelegte Übung beobachtete. Kreisbrandmeister Bernhard Finger ergänzte: „Natürlich werden wir mit weiteren Schulungsmaßnahmen auf dem jetzt Erlernten aufbauen.“

Im Tunnel Schwarzer Berg mit einer Länge von 738 Meter (Nordröhre) beziehungsweise 722 Meter (Südröhre) gibt es drei Querverschläge, in denen Rettungsräume untergebracht sind und die den Übergang zur jeweils anderen Röhre ermöglichen.

37 Meldergruppen in den Tunnelröhren sorgen dafür, dass ein eventuelles Feuer oder eine Rauchentwicklung schnell erkannt werden.

Was im Ernstfall zu tun ist

Wenn das eigene Fahrzeug raucht, sollte man sofort den Warnblinker anschalten und möglichst noch aus dem Tunnel herausfahren, rät der ADAC. „Ist das nicht mehr möglich, stellen Sie das Fahrzeug in einer Pannenbucht oder so nah wie möglich am rechten Fahrbahnrand ab, schalten den Motor aus und lassen den Zündschlüssel stecken. Lösen Sie an der Notrufstation Feueralarm aus“, heißt es auf der Homepage des Automobilclubs.

In jedem Fall soll man das Fahrzeug so schnell wie möglich verlassen und sich in Sicherheit bringen. Grün beleuchtete Hinweistafeln im Tunnel zeigen, wie weit der Tunnelausgang beziehungsweise der nächste Querverschlag entfernt ist.

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