Die Touristikbranche in der Welterbestadt erholt sich weiter von der Coronakrise. Gut lachen hat zum Beispiel das Grandhotel Kaiserhof Victoria in Bad Kissingen. Direktor Matthias Heid spricht mit Blick auf 2022 von einem Rekordjahr, zumindest was den Unternehmensumsatz angeht. Der fiel 15 Prozent höher aus als 2019, dem letzten Jahr ohne pandemiebedingte Einschränkungen. „Die ersten vier Monate haben wir noch stark gemerkt. Da hatten wir nur die Hälfte der Belegungszahlen“, berichtet er.
In den Sommermonaten kamen dann wieder deutlich mehr Gäste, ab Herbst war das Hotel sogar besser ausgelastet, als vor Ausbruch der Pandemie. „Von den Buchungszahlen wird das so weitergehen. Die Aussichten sind positiv“, freut sich der Hoteldirektor.
Rekordjahr beim Kaiserhof Victoria in Bad Kissingen
Den hohen Umsatz erklärt er mit höheren Zimmerpreisen, den das Hotel infolge von Renovierungen verlangt und damit, dass es seine Restaurants inzwischen auch öffentlich zugänglich macht und nicht mehr ausschließlich Hotelgästen anbietet. „Das wird sehr gut angenommen. Wir richten vermehrt private Feiern von Bad Kissingern aus“, sagt Heid.
Personalchefin Sandy Berthold berichtet, dass die große Corona-Zukunftsangst inzwischen aus den Köpfen der rund 100 Mitarbeiter verschwunden ist.
Das Hotel habe seine Belegschaft stabil halten können, etwa indem der Betrieb im vergangenen Jahr komplett am Laufen gehalten wurde und man den Lohn aufgestockt hat, so dass Mitarbeiter in Kurzarbeit keine Einkommensverluste zu verschmerzen hatten. „Corona ist zwar noch nicht ganz weg aus den Köpfen, aber wir schauen positiv nach vorne und schaffen auch die Energiekrise“, fasst sie die Stimmung zusammen.
300.000 Übernachtungen mehr als 2021
Die gute Entwicklung bestätigt auch der Blick in die Gästestatistik, die die Staatsbad GmbH jetzt vorgelegt hat. Der Corona-Einbruch der Jahre 2020 und 2021 ist zwar noch nicht ganz wieder aufgeholt, aber im vergangenen Jahr sind wieder deutlich mehr Gäste nach Bad Kissingen gekommen: 217.614 Gästeanreisen haben Hotels, Kliniken, Ferienwohnungen, Pensionen, Sanatorien, Camping- und Wohnmobilstellplätze 2022 verzeichnet. Das sind fast 60 Prozent mehr als noch im schwer von Corona gebeutelten Jahr 2021.
Auch bei den Übernachtungen ist eine spürbare Erholung zu erkennen: Annähernd 1,3 Millionen Übernachtungen wurden der der Staatsbad GmbH gemeldet. Im Vergleich zu 2021 ist das ein Anstieg von nahezu 25 Prozent. Ein Gast ist im Durchschnitt 5,95 Tage geblieben.
Anstieg touristischer Gäste in Bad Kissingen
Nach Angaben der Staatsbad GmbH sind vor allem wieder deutlich mehr touristische Gäste nach Bad Kissingen gekommen. In den Kliniken war der Anstieg weniger stark. Auch bei den Tagungsgästen ist die Erholung weniger deutlich. „Aufgrund von noch geltenden gesetzlichen Bestimmungen war es einem Teil der Rehakliniken 2022 noch nicht möglich, die Betriebe voll auszulasten“, teilt Pressesprecherin Theresa Preisendörfer mit.
Zudem waren auch die touristischen Unterkünfte bis April von Einschränkungen betroffen, einige Hotels hatten geschlossen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Zahlen noch nicht das Niveau vor Corona erreichen. 2022 waren es immer noch 310.000 Übernachtungen weniger als 2019.
Oberbürgermeister Dirk Vogel: Mehr Investitionen in Unterkünfte
Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) ist zuversichtlich, dass sich die Situation in den Kliniken ändert und 2023 in Bezug auf die Gästezahlen an die Jahre vor der Pandemie anknüpft. „Trotzdem dürfen wir als touristischer Standort nicht stehen bleiben“, betont er. Er fordert die Übernachtungsbetriebe auf, in ihre Häuser zu investieren. „Moderne Häuser haben wesentlich höhere Auslastungsgrade“, sagt er. Moderne Unterkünfte holen mehr Gäste in die Stadt.
Kurdirektorin Sylvie Thormann sieht die Tourismusbranche durch Rahmenbedingungen wie Energiekrise und Ukrainekrieg weiter vor große Herausforderungen gestellt.
Staatsbad GmbH setzte auf Nachhaltigkeit bei Vermarktung
In der Vermarktung Bad Kissingens wolle man „aktuelle Trends hin zu Nachhaltigkeit, Authentizität sowie zur Regionalität“ aufgreifen. Und: „Auch die Bedürfnisse nach Resonanz und Resilienz werden immer größer. Hier möchten wir mit unseren Angeboten anknüpfen“, sagt sie. Das Jahreskulturprogramm mit Konzerten, Musicals, Theater bis hin zu Kabarett trage dazu bei, den Gästen eine besondere Auszeit in Bad Kissingen zu ermöglichen.
Gästestatistik 2022: Bad Kissingen mit 1,3 Millionen Übernachtungen
| 2022 |
| Ankünfte |
| Versicherungsgäste: 23.722 |
| Privatgäste: 193.588 |
| davon Tagungsgäste: 13.087 |
| Gesamt: 217.614 |
| Anstieg zu 2021: +59,4% |
| Übernachtungen |
| Versicherungsgäste: 609.702 |
| Privatgäste: 684.388 |
| davon Tagungsgäste: 39.474 |
| Gesamt: 1.295.879 |
| Anstieg zu 2021: +24,8% |
| 2021 |
| Ankünfte |
| Versicherungsgäste: 21.652 |
| Privatgäste: 114.883 |
| davon Tagungsgäste: 5371 |
| Gesamt: 136.535 |
| Verlust zu 2019: -47,3% |
| Übernachtungen |
| Versicherungsgäste: 573.138 |
| Privatgäste: 464.940 |
| davon Tagungsgäste: 18.289 |
| Gesamt: 1.038.078 |
| Verlust zu 2019: -35,5% |
| 2019 |
| Ankünfte |
| Versicherungsgäste: 30.357 |
| Privatgäste: 228.657 |
| davon Tagungsgäste: 26.101 |
| Gesamt: 259.014 |
| Übernachtungen |
| Versicherungsgäste: 803.269 |
| Privatgäste: 805.658 |
| davon Tagungsgäste: 65.757 |
| Gesamt: 1.608.927 |
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