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Elf-Millionen-Investition
Große Pläne für Grand Hotel Kaiserhof Victoria
Blick an der Fassade entlang der Kurhausstraße. Im Vordergrund rechts das Haupthaus von Karl von Hess, in der Mitte das frühere Hotel Kaiser, links am Ende das Haus Hemmerich mit der weißen Fassade.
Blick an der Fassade entlang der Kurhausstraße. Im Vordergrund rechts das Haupthaus von Karl von Hess, in der Mitte das frühere Hotel Kaiser, links am Ende das Haus Hemmerich mit der weißen Fassade. // Benedikt Borst
Das Grand Hotel Kaiserhof Victoria benötigt mehr Gästezimmer und einen größeren Wellnessbereich. Deshalb wird es in den nächsten zweieinhalb Jahren für elf Millionen Euro erweitert. Dazu hat das Hotel zwei benachbarte Anwesen gekauft.
Das Grand Hotel Kaiserhof Victoria benötigt mehr Gästezimmer und einen größeren Wellnessbereich. Deshalb wird es in den nächsten zweieinhalb Jahren für elf Millionen Euro erweitert. Dazu hat das Hotel zwei benachbarte Anwesen gekauft. // Benedikt Borst
Signet des Fränkischen Tags von Benedikt Borst
Bad Kissingen – Das Bad Kissinger Nobelhotel Kaiserhof Victoria expandiert im großen Stil. Zwei benachbarte Gebäude wurden gekauft. Das ist geplant.

Das Grand Hotel Kaiserhof Victoria in der Kurhausstraße hat seinen Namen nicht von ungefähr. In seiner 190-jährigen Geschichte hat es schon viele bekannte Namen beherbergt, etwa Kaiserin Sisi und Kaiser Franz Joseph sowie weitere gekrönte Häupter. Nach dem Zweiten Weltkrieg nächtigten hier unter anderem der erste Mann auf dem Mond, Neil Armstrong, und König Bhumibol mit Königin Sirikit von Thailand.

Eigentümerin Anna Faustova, Geschäftsfrau aus St. Petersburg (Russische Föderation), und Hoteldirektor Matthias Heid fügen dieser Geschichte ein neues Kapitel hinzu: Das Grand Hotel wird enorm erweitert. Die Hotel Kaiserhof Victoria GmbH hat die beiden benachbarten Anwesen Martin-Luther-Straße 7 und 9 von der Hypovereinsbank erworben, will sie kernsanieren und zur Hotelnutzung umbauen sowie in den Betrieb integrieren. Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich laut Faustova auf elf Millionen Euro. Für den Tourismusstandort Bad Kissingen sind die Pläne ein echter Paukenschlag.

Welche Immobilien wurden gekauft?

Bei dem Anwesen Martin-Luther-Straße 9 handelt es sich ebenfalls um einen historischen Hotelbau. Das Gebäude ist besser bekannt unter dem Namen Haus Hemmerich. Es gehörte von 1900 bis 1936 bereits einmal zum Kaiserhof Victoria. „Nach zweieinhalb Jahren Gesprächen haben wir es geschafft, es zurückzuholen. Es wächst zusammen, was zusammengehört“, freut sich Hoteldirektor Heid.

Das Haus Hemmerich. Hier entstehen 38 neue Hotelzimmer für den Kaiserhof Victoria.
Das Haus Hemmerich. Hier entstehen 38 neue Hotelzimmer für den Kaiserhof Victoria. // Benedikt Borst

Das Anwesen Martin-Luther-Straße 7 ist ein Banken- und Wohngebäude aus den 1970er-Jahren. Die Hypovereinsbank verkauft die Immobilien zwar, die Filiale bleibt aber bestehen. Der Großteil der Wohnungen in beiden Immobilien stand leer, weshalb sich der Kaiserhof laut Heid um den Kauf bemühte.

In der Martin-Luther-Straße 7 bleibt die Bankfiliale, in den Obergeschossen kommen Ferienwohnungen unter.
In der Martin-Luther-Straße 7 bleibt die Bankfiliale, in den Obergeschossen kommen Ferienwohnungen unter. // Benedikt Borst

Warum erweitert das Grand Hotel?

Der Kaiserhof Victoria erreiche das ganze Jahr über eine Auslastung seiner Zimmer von mehr als 80 Prozent, rechnet Heid vor. 80.000 Übernachtungen in 165 Zimmern sind das im Jahr. In vielen Monaten liege die Auslastung bei über 90 Prozent. „Dann müssen wir Gästen absagen. Für uns ist es extrem wichtig, dass wir erweitern“, erklärt Heid. Doch nicht nur die Gästezimmer stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Laut Heid ist der Spa- und Schwimmbad in den Wintermonaten bereits zu klein und muss dringend erweitert werden.

Was ist geplant?

Der Kaiserhof Victoria gehört mit derzeit rund 15.000 Quadratmetern zu den größten Hotels in der Stadt. Durch den Kauf kommen 5500 Quadratmeter dazu, das Hotel vergrößert sich damit um mehr als 30 Prozent. Im Haus Hemmerich sind bis zu 38 Zimmer geplant, sodass das Hotel nach dem Umbau 200 Zimmer haben wird. In dem zweiten Gebäude werden acht bis zehn Ferienwohnungen entstehen. 22.000 zusätzliche Übernachtungen pro Jahr und bis zu 100.000 Euro Mehreinnahmen an Kurtaxe macht die Erweiterung aus. „Wir müssen beide Gebäude komplett entkernen und ertüchtigen“, sagt Heid. Anfang 2028 sollen dort die ersten Gäste schlafen.

Hoteldirektor Matthias Heid und Eigentümerin Anna Faustova haben große Pläne für das Nobelhotel.
Hoteldirektor Matthias Heid und Eigentümerin Anna Faustova haben große Pläne für das Nobelhotel. // Benedikt Borst

Zu den neu erworbenen Immobilien gehört ein Innenhof, der bislang als Parkplatz genutzt wurde. „Mit dem Hof wollen wir unseren Wellnessbereich vergrößern“, berichtet der Direktor. Es ist ein auch im Winter nutzbares Außenbecken geplant, eine Sauna sowie mehr Liegefläche innen und außen. Der Wellnessbereich soll im Frühjahr 2027 fertig sein. „Wir lassen alle drei Maßnahmen parallel laufen“, sagt er.

Für Faustova ist die Investition in Höhe von elf Millionen Euro ein klares Bekenntnis zur Welterbestadt. „Ich liebe Bad Kissingen“, sagt die Unternehmerin. Die Stadt sei ein verlässlicher Partner, sei ruhig und sauber und biete im Verhältnis zur Einwohnerzahl ein hervorragendes Freizeit- und Kulturprogramm. „Wir sehen, dass von privatwirtschaftlicher Seite viel Vertrauen da ist. Die Stadt hat großes Potenzial. Wir sind mit unseren Zahlen zufrieden und sehen, dass sich touristisch viel entwickelt“, betont sie. Seit 2017 gehört ihr das Hotel.

Was bedeutet die Erweiterung für Bad Kissingen?

Dass es direkt am Kurgarten eine Nachverdichtung im Hotelbereich gibt und dass Parkplätze in eine Wellnesslandschaft verwandelt werden, sei für Bad Kissingen eine tolle Nachricht. „Es wird de facto ein Leerstand beseitigt. Wir sind froh, dass wir einen verlässlichen Partner haben, der in der Lage ist, das Areal touristisch zu nutzen“, sagt Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD).

Oberbürgermeister Dirk Vogel (links) mit Anna Faustova und Matthias Heid vor dem Haus Hemmerich.
Oberbürgermeister Dirk Vogel (links) mit Anna Faustova und Matthias Heid vor dem Haus Hemmerich. // Benedikt Borst

Er verweist auf die gute Entwicklung im ganzen Umfeld: Auf dem früheren Steigenberger Areal entsteht ein neues Vier-Sterne-Superior-Hotel, Kurhausbad und Neumannflügel wurden vom Freistaat saniert und mit dem Landesamt für Gesundheit (LGL) wieder belebt, das neue Hotel Rhönkitz hat am Theater für frische Impulse gesorgt und das Café Schweizerhaus steht ebenfalls vor einer Wiederbelebung. „Was wir hier für einen Aufschwung haben, ist phänomenal“, sagt er. Die einzelnen Betriebe stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern stärken den Standort. Vogel meint: „Sie beflügeln sich gegenseitig. Wir können so im deutschlandweiten Wettbewerb mithalten.“

Die Geschichte des Grand Hotels

Die Anfänge liegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: 1835 ließ Karl von Hess das heutige Haupthaus an der Ecke Kurhausstraße und Schlossstraße errichten. Seit 1872 heißt das Hotel „Victoria“.

1839/40 entstand auf dem Nachbargrundstück das Hotel Kaiser, das 1881 in Kaiserhof umbenannt wurde. Ab 1884 hatten das Victoria und der Kaiserhof dieselben Eigentümer: Die Gebrüder Todt. 1889 ließen sie beide Häuser baulich miteinander verbinden.

Das dritte historische Gebäude des Hotelkomplexes ist das Haus Hemmerich, das direkt an das Hotel Kaiser anschließt. Es entstand 1835 als Kurhotel und Postamt. Um 1900 wurde das Hotel Hemmerich vom Kaiserhof übernommen. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde es 1936 an die Bayerische Vereinsbank (heute Hypovereinsbank) verkauft, 89 Jahre später kehrt es zurück.

1951 wurde das Hotel als Kur- und Erholungsheim verpachtet, und 1963 verkauft. 1993 folgte der nächste Verkauf und die Umnutzung zur Rheuma-Fachklinik. Der Tiefpunkt kam 1996 mit der vorübergehenden Schließung infolge der Kurkrise. 2008 wurde es nach einem weiteren Verkauf als Luxushotel unter heutigem Namen wiedereröffnet.

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