Am Schaufenster des Zentrums für Alternative Kultur Coburg (ZAKC) in der Judengasse hängt ein Plakat. Geworben wird für ein üppiges Programm am Pfingstwochenende. Klar, der Verein „Alternative Kultur“, der hinter dem ZAKC steht, unterstützt wieder etliche Protestveranstaltungen gegen den Coburger Convent . Aber nicht nur: In der Alten Pakethalle am ehemaligen Güterbahnhof wird auch kräftig gefeiert (dazu Infobox am Ende des Textes). Stolz sind die vielen Menschen, die sich rund ums ZAKC engagieren, vor allem darauf, dass bei ihnen absolut sicher gefeiert werden kann. Denn unter anderem wird wieder das Awareness-Team im Einsatz sein, dass es seit knapp zwei Jahren in Coburg gibt.
Gegen übergriffiges Verhalten
Als Awareness-Teams werden Gruppen bezeichnet, die bei Veranstaltungen Unterstützung gegen jegliche Form von Diskriminierung, gegen übergriffiges Verhalten und auch gegen sexualisierte Gewalt anbietet. Diese Teams können das klassische Security-Personal nicht ersetzen, sie können aber eine gute Ergänzung sein. Einige Frauen, die sich in Coburg im Awareness-Team engagieren, umschreiben es im Gespräch mit dem Tageblatt auch so: „Wir können Teil eines Sicherheitskonzepts sein.“ Denn: „Wir wollen, dass sich jeder Mensch sicher fühlen und beim Feiern einfach nur Spaß haben kann.“
Im Einsatz bei Festivals
Bei großen Festivals oder auch bei Karnevalsveranstaltungen sind Awareness-Teams in Deutschland seit einigen Jahren etabliert. In und um Coburg falle es manchem Veranstalter mitunter noch etwas schwer, den Sinn zu erkennen. „Wir bekommen oft zu hören: Warum sollten wir so etwas brauchen? Bei uns passiert doch nichts…“ Doch die Erfahrung zeige leider, dass es überall und immer wieder zu verbalen Diskriminierungen oder gar körperlichen Übergriffen kommen kann.
„Wir glauben dem Opfer“
Die Mitglieder des Awareness-Teams wurden in Workshops geschult, um bei Bedarf helfen zu können. Wie genau die Hilfe oder die Unterstützung dann aussieht, hängt vom Einzelfall ab. Oberstes Gebot ist: „Wir glauben dem Opfer.“ Häufig würden Vorfälle nämlich heruntergespielt – nach dem Motto: „Hab’ Dich doch nicht so.“
Der Griff an die Brust
Ein weiterer wichtiger Grundsatz ist: „Wir respektieren die Wünsche des Opfers.“ Veranschaulichen lässt sich das an folgendem Beispiel: Ein Mann hat einer Frau an die Brust gefasst. Denkbar wäre, dass die Frau das Awareness-Team aufsucht und einfach nur über den Vorfall reden möchte. Möglich aber auch, dass sie sich wünscht, dass der Mann die Veranstaltung verlassen muss. Je nach Schwere des Vorfalls kann es natürlich auch sein, dass vom Awareness-Team die Polizei eingeschaltet wird. Aber immer nur dann, wenn das Opfer das möchte.
Auch Worte können verletzen
Doch es sind ja nicht nur sexuelle Übergriffe, die vom Awareness-Team als „gesellschaftliches Problem“ bezeichnet werden. Auch Worte können verletzen oder diskriminieren. Das fängt beim rassistischen Witz an und hört bei der direkten Beleidigung leider noch lange nicht auf.
Zu erkennen sind die Mitglieder des Awareness-Teams – egal, ob Frau, Mann oder divers – an lilafarbenen Westen. Sie können aber auch per Handy kontaktiert werden. Die entsprechenden Telefonnummern stehen meistens auf Plakaten genannt, die bei Veranstaltungen jeweils auf die Innenseite der Toilettentüren gehängt werden.
Eine Mitstreiterin im Coburger Awareness-Team ist sehr zufrieden mit den bisherigen Einsätzen.„Viele Menschen fühlen sich einfach sicherer, wenn sie wissen, dass ein Awareness-Team da ist.“
Mit gutem Beispiel voran
Beim ZAKC möchte man sozusagen mit gutem Beispiel vorangehen und setzt das Awareness-Team praktisch bei allen eigenen Veranstaltungen ein. Auf Wunsch kann das Awareness-Team aber auch von jedem anderen Veranstalter und von jeder anderen Veranstalterin angefragt werden. Kosten entstehen ihm oder ihr durch den Einsatz nicht, aber natürlich freuen sich die Ehrenamtlichen über eine Spende für ihr Team.
Was die Sicherheit beim Pfingstkongress des Coburger Convents betrifft, haben die Mitglieder des Awareness-Teams ebenfalls eine Meinung: „Jeder der Lust hat entspannt zu feiern, abseits des Coburger Convents, ist bei unseren Veranstaltungen herzlich eingeladen.“ Und wer Lust hat, sich selber im Awareness-Team zu engagieren, nimmt am Besten über Instagram Kontakt zum ZAKC auf (Suchbegriff: "Alternative Kultur e V")
HINTERGRUND: Programm an Pfingsten
Die Initiative „Studentische Verbindungen auflösen“ organisiert parallel zum Pfingstkongress des Coburger Convents (CC) mehrere Veranstaltungen.
Freitag, 26. Mai Demonstration; Start um 20.30 Uhr am Bahnhof
Samstag, 27. Mai „Kritische Stadtführung“; Start um 14 Uhr am CC-Ehrenmal im Hofgarten – Konzert mit Finna, Kitana und Eo Crew; ab 18 Uhr am ehemaligen Güterbahnhof (Alte Pakethalle), danach Aftershow-Party mit Intellighetta, Capitano und Schuma Christ
Sonntag, 28. Mai jeweils am ehemaligen Güterbahnhof: ganztags: Infostände und Barbetrieb; 15 Uhr: Vortrag „Burschenschaften – Eindrücke aus erster Hand“; 17 Uhr Workshop Antisemitismus; 20 Uhr: Filmvorführung „Frauen bilden Banden“; abends: Barbetrieb
Montag, 29. Mai ab 21 Uhr diverse Kundgebungen in der Innenstadt gegen den Fackelzug des CC
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