René Boldt, der ehemalige Vorsitzende des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt, hat die Partei verlassen. Seinen Austritt erklärte er jetzt bei der Hauptversammlung des CSU-Ortsverbands Coburg-Süd. Dort war Boldt seit 2015 Vorsitzender.
Der Rückzug hat natürlich eine längere Vorgeschichte. Wann genau die ihren Anfang nahm, ist für Außenstehende schwer zu beurteilen. Anders als beim großen „CSU-Knall“ von 2007 dürften die Gründe aber weniger bei Sachthemen liegen, sondern eher im zwischenmenschlichen Bereich.
Als sich die CSB von der CSU abspaltete
2007 hatte es innerhalb der Coburger CSU Streit um die Positionierung zum „neuen Innenstadtkonzept“ gegeben, das allen voran vom Unternehmer Michael Stoschek (Brose) präferiert worden war. Daraufhin verließen zahlreiche Mitglieder die Partei und gründeten die „Christlich-Sozialen Bürger“. Zu den Abtrünnigen gehörte damals auch Christian Müller, der zuvor sogar Kreisvorsitzender der Coburger CSU war. Doch weitere Parallelen zum jetzigen Rückzug von René Boldt finden sich nicht.
Büroleiter von Hans Michelbach
René Boldt hatte sich vor allem intern einen Namen gemacht in der CSU. Denn lange Jahre war er Büroleiter des Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach. Als René Boldt 2017 zum Vorsitzenden des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt gewählt wurde, schien sein Weg eigentlich vorgezeichnet: Er war der „Kronprinz“ und galt als potenzieller Nachfolger, sobald Michelbach nicht mehr für den Bundestag kandidiert.
Showdown: Jonas Geissler setzt sich durch
2021 kam es zum Showdown: René Boldt bewarb sich ganz offiziell um die Nachfolge von Hans Michelbach. Doch kurz vor der Nominierungsversammlung wurde es unruhig in der Coburger CSU. René Boldt sprach später von „Intrigen“, mit denen seine Bundestagskandidatur verhindert werden sollte.
Tatsächlich musste René Boldt im Mai 2021 eine schmerzhafte Niederlage einstecken: Obwohl die Kreisverbände Coburg-Stadt und Coburg-Land rechnerisch eine Mehrheit gehabt hätten, setzte sich bei der Nominierungsversammlung der Kronacher Jonas Geissler durch.
Rückzug vom Kreisvorsitz
Wenige Monate später zog René Boldt die Konsequenzen. Noch bevor es bei der Hauptversammlung des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt zu einer Kampfabstimmung mit Kurt Knoch gekommen wäre, erklärte er seinen Rückzug vom Vorsitz. Boldt beklagte damals – wie heute – „Intrigen“ und sprach wörtlich gar von „Heckenschützen“. Mit seinem Rückzug noch vor der Kampfabstimmung wolle er der Coburger CSU eine „Entscheidungsschlacht“ ersparen, die die Gräben nur noch weiter vertiefen würde.
Kurt Knoch warb für einen „Neuanfang“
Zum neuen Vorsitzenden wurde daraufhin Kurt Knoch gewählt. Er bekam 63 Ja- und 21 Nein-Stimmen. In seiner Bewerbungsrede hatte Kurt Knoch für einen „Neuanfang“ in der Coburger CSU geworben.
René Boldt: 2008 erstmals im Coburger Stadtrat
Im Stadtrat arbeitetet René Boldt aber vorerst weiter in der CSU/JC-Fraktion, wobei es auch hier spannende Vorgeschichten gibt.
Zum ersten Mal war René Boldt 2008 in den Stadtrat gewählt worden, und zwar über die Liste „Junge Coburger“ (JC). Die Jungen Coburger sind eigenständig, bestehen aber zu einem Großteil aus Mitgliedern der CSU-Nachwuchsorganisation Junge Union (JU).
2014 kandidierte Boldt auf der CSU-Liste und schaffte es nicht mehr in den Stadtrat. Aber 2020 gelang ihm die Rückkehr in den Stadtrat.
CSU: Zusammen mit JC die stärkste Kraft
Die CSU hat bei der Kommunalwahl 2020 acht Sitze im neuen Coburger Stadtrat errungen – damit war man nur etwas kleiner als die SPD, die neun Sitze holte.
Doch die CSU-Mitglieder Maximilian Forkel und Kurt Knoch, die über die Liste der „Jungen Coburger“ (JC) in den Stadtrat eingezogen waren, gingen eine Fraktionsgemeinschaft ein. Daraufhin war die neu gebildete CSU/JC-Fraktion mit zehn Sitzen die stärkste Kraft im Coburger Stadtrat.
Einen ersten Aderlass gab es im Herbst 2024: Andreas Engel, der als Parteiloser auf der CSU-Liste kandidiert hatte, erklärte einen Austritt aus der CSU/JC-Fraktion. Somit waren es nur noch neun.
Durch den Rückzug von René Boldt schrumpft die CSU/JC-Fraktion jetzt auf acht Mitglieder.
Kurios: Würde es nicht die Fraktionsgemeinschaft mit den Jungen Coburgern geben, wäre die CSU jetzt angelangt auf dem Niveau der Grünen (sechs Sitze).
Kommunalwahl 2026: Wer tritt bei der CSU wieder an?
Interessant wird auch, wen die CSU bei der Stadtratswahl im März 2026 wieder ins Rennen schickt – und zwar ausgehend von der jetzigen CSU/JC-Fraktion.
Birgit Weber, ehemalige Zweite Bürgermeisterin, hat bereits erklärt, nicht mehr zu kandidieren. Ein großes Fragezeichen steht aktuell auch noch hinter Christina Vatke.
Spekuliert wird, dass Antoinetta Bafas ebenfalls aufhören könnte – sie hatte bei der Kommunalwahl 2020 ebenso wie ihr Lebensgefährte Andreas Engel auf der CSU-Liste kandidiert, ohne aber CSU-Mitglied zu sein.
Fest gesetzt ist aber zumindest Hans-Herbert Hartan, der außerdem bereits als Oberbürgermeisterkandidat nominiert worden ist. Der weitere, „harte Kern“ besteht aus Barbara Kammerscheid und Roland Eibl – und eben aus Kurt Knoch und Maximilian Forkel.















