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Nach dem Feuer
Coburger Hotel wird zur Großbaustelle
Hotel „Goldener Anker“ in Coburg
Dieses Bild aus dem Januar 2023 zeigt Jörg Platsch im Frühstücksraum seines Hotels „Goldener Anker“ in Coburg. Damals war er noch zuversichtlich, das gesamte Hotel renovieren zu können. // Oliver Schmidt
Coburg – Vor zwei Monaten brannte es im Hotel Goldener Anker. Der Schaden ist gewaltig. Doch Inhaber Jörg Platsch möchte sich nicht unterkriegen lassen. Einen Wunsch-Termin für die Wiedereröffnung hat er bereits.

Es ist kurz nach 9 Uhr im Hotel Goldener Anker. Inhaber Jörg Platsch steht im Frühstücksraum, und normalerweise würde hier die Kaffeemaschine brummen, die Orangenpresse surren und natürlich ein Stimmgewirr der zahlreichen Gäste herrschen. Doch stattdessen: Ruhe. Und: Leere. Alles wurde herausgeräumt – und größtenteils entsorgt. Aktuell steht in der Mitte des Raums lediglich ein Hochdruckreiniger. „Möglicherweise bekommen wir den Boden wieder sauber“, sagt Jörg Platsch. Falls nicht, muss eben auch der Boden komplett erneuert werden. Das wäre zwar ärgerlich. Aber angesichts der riesigen Generalsanierung, die im Hotel jetzt ohnehin notwendig ist, würde es darauf wahrscheinlich auch nicht mehr ankommen…

Coburger Feuerwehr verhinderte Schlimmeres

Rückblende: In der Nacht zum Sonntag, 13. November 2022, hatte es im Hotel in der Rosengasse gebrannt.

Feuer in Coburg: In der Nacht zum 13. November 2022 brannte es im Hotel Goldener Anker in der Rosengasse in Coburg.
Feuer in Coburg: In der Nacht zum 13. November 2022 brannte es im Hotel Goldener Anker in der Rosengasse in Coburg. // Michael Stelzner

Die Coburger Feuerwehr war schnell zur Stelle und konnte das im Frühstücksraum ausgebrochene Feuer löschen. Auf den ersten Blick sah es damals so aus, als ob sich der Schaden sehr in Grenzen hält. In einer ersten Schätzung der Polizei war von „rund 10.000 Euro“ die Rede. Doch schon bald stellte sich heraus, dass durch das Feuer das komplette Erdgeschoss in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Sehr hoher Schaden

„Es ist Ruß in jeder Ritze, in jeder Steckdose, in jedem Kabelkanal“, beschreibt Jörg Platsch das Dilemma. Deshalb ist das Hotel jetzt zu einer Großbaustelle geworden. „Hier unten muss alles raus“, bringt es Jörg Platsch auf den Punkt. „Alle Wandverkleidungen, alle abgehängten Decken, alle Leitungen und Kabel, die gesamte Bar, die komplette Rezeption.“

Nach dem Feuer in Coburg: Hier befand sich die Hotelbar vom „Goldenen Anker“. Nachdem sie komplett herausgerissen wurde, lehnt nun ein Schild des hoteleigenen Steakhauses an der Wand.
Nach dem Feuer in Coburg: Hier befand sich die Hotelbar vom „Goldenen Anker“. Nachdem sie komplett herausgerissen wurde, lehnt nun ein Schild des hoteleigenen Steakhauses an der Wand. // Oliver Schmidt

Die genaue Höhe des Schadens lässt sich noch immer nicht beziffern, doch sie bewegt sich bereits jetzt im Bereich von 750.000 Euro, wie Jörg Platsch sagt. Rechne man dann auch noch die Ausfälle hinzu, weil das Hotel ja seit nunmehr zwei Monaten geschlossen ist, kann ohne Übertreibung von einem Millionenschaden gesprochen werden.

Familienbetrieb in vierter Generation

Doch Jörg Platsch möchte sich nicht unterkriegen lassen. „Wir beißen uns da durch“, gibt er als Devise vor, und zwar gleich aus mehreren Gründen. So sieht er sich zum einen in der Verantwortung für die insgesamt 14 Angestellten, denen er möglichst bald wieder eine sichere Beschäftigung bieten will.

Nach dem Feuer in Coburg: An dieser Wand im Frühstücksraum des Hotels hing mal ein Bild – deshalb wurde zumindest diese Stelle nicht komplett von Ruß bedeckt.
Nach dem Feuer in Coburg: An dieser Wand im Frühstücksraum des Hotels hing mal ein Bild – deshalb wurde zumindest diese Stelle nicht komplett von Ruß bedeckt. // Oliver Schmidt

Zum anderen verweist Platsch aber auch auf die Tradition des Hotels, das er als Familienbetrieb in der inzwischen vierten Generation führt. Wobei man sagen muss, dass die Ära des Jörg Platsch als Hotel-Chef bislang wohl kaum hätte schwieriger sein können. „Zum 1. Januar 2020 habe ich die Geschäftsführung von meinem Vater übernommen“, erzählt er, „keine zehn Wochen später begann das Corona-Drama.“ Es folgten: der Ukraine-Krieg, die Energie-Krise, die Inflation – und dann die Nacht zum 13. November. „Bis jetzt war ich eigentlich immer nur Krisenmanager“, sagt Jörg Platsch und findet: „So langsam ist es aber auch mal gut mit Krisen und Katastrophen…“

Brandursache wurde geklärt

Nein, Aufgeben sei für ihn nie in Frage gekommen, betont der Hotel-Chef. Weder in Corona-Zeiten, noch jetzt nach dem Brand. Weil als Brandursache ein technischer Defekt an einem Gerät im Frühstücksraum ermittelt werden konnte, wird aller Voraussicht nach die Versicherung einen Großteil der Sanierungskosten übernehmen. Noch unklar ist jedoch, ob eine Grundsanierung tatsächlich „nur“ im Erdgeschoss erforderlich ist. „Es gibt die Hoffnung, dass in den einzelnen Zimmern in den oberen Etagen eine gründliche Reinigung ausreichend ist“, sagt Jörg Platsch. So wirklich wissen werde man das aber erst, wenn dort alle Verkleidungen mal entfernt werden, um einen Blick dahinter werfen zu können.

Das Hotel „Goldener Anker“ in der Rosengasse in Coburg kann bereits auf eine lange Geschichte zurückblicken.
Das Hotel „Goldener Anker“ in der Rosengasse in Coburg kann bereits auf eine lange Geschichte zurückblicken. // Oliver Schmidt

Insgesamt verfügt der Goldene Anker über 44 Zimmer mit knapp hundert Betten. Ausgebucht ist das Hotel erfahrungsgemäß vor allem an Pfingsten, wenn der Coburger Convent seinen Kongress veranstaltet, am Samba-Wochenende sowie bei den Schlossplatz-Open-Airs. Grundsätzlich hat Jörg Platsch die Hoffnung, dass auch die vielen Stammgäste „dem Anker“ die Treue halten. Schließlich ist der Hotel-Markt in Coburg inzwischen hart umkämpft. „Wer erst einmal weg ist und sich auch woanders wohlgefühlt hat, ist nur schwer wieder zurückzugewinnen.“ Deshalb hat er ein ehrgeiziges Ziel: „Pfingsten würden wir gerne wieder aufmachen!“

HINTERGRUND: Das Hotel mit dem Schwimmbad in der vierten Etage

In der Rosengasse 14 befand sich angeblich bereits im 17. Jahrhundert ein Gasthaus. 1824 taucht erstmals der Name „Goldener Anker“ auf. Johann Platsch, der in Untersiemau bereits eine Gastwirtschaft besaß, kaufte 1905 das Hotel. Geführt wurde es fortan von seinem Sohn Max Platsch. Aus der Ehe von Max Platsch und dessen Frau Helga gingen die Kinder Gerta und Heinz hervor. Als Max Platsch 1929 verstarb, führte Helga Platsch das Hotel zunächst alleine weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Heinz Platsch das Hotel zusammen mit seiner Frau Erna übernehmen.

In den folgenden Jahren wurde das Hotel ständig erweitert und vergrößert.1968 wurde ein angrenzendes Anwesen in der Kleinen Rosengasse gekauft und abgebrochen. Im Neubau, der an dieser Stelle errichtet wurde, gab es als Besonderheit auch ein Schwimmbad in der vierten Etage – viele Coburger lernten hier das Schwimmen! In den 1970er Jahren folgten weitere Anbauten.

Als Heinz Platsch 1984 verstarb, führte Erna Platsch das Hotel zunächst alleine weiter, ehe sie es 1991 an ihren Sohn Horst Platsch übergab. Er unternahm ebenfalls etliche Umbauten und eröffnete 2015 auch ein Steakhaus. Sein Sohn Jörg Platsch arbeitet seit 2002 im Betrieb und übernahm zusammen mit seiner Frau Kerstin 2020 die Führung komplett. Übrigens: Das besagte Schwimmbad gibt es heute nicht mehr. – Viele weitere Hintergründe unter hotelgoldeneranker.com

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