Das Riesenrad Orion II steht schon so lange auf dem gleichen Platz am Annafest, dass beinahe der Gedanke entstehen könnte, es sprieße zum Festbeginn einfach aus dem Boden.
Doch die Realität sieht anders aus: Bereits zehn Tage vor dem Annafest reist Michael Drliczek mit seinem Schwertransport an. Zuerst müssen Lkw und Sattelzug in die richtige Position gebracht werden und die ersten Stützen und Plattformen gebaut werden.
Aufbau in einem Stück
Sieben Tage vor Festbetrieb wird es dann ernst, denn das Riesenrad wird hochgezogen. Am Donnerstag (14. Juli) um sieben Uhr haben Michael Drliczek, sein Neffe Kai Drliczek und drei Mitarbeiter mit dem Aufbau begonnen.
Das Orion II hat nur einen Mast. Das verleiht ihm zum einen sein unverwechselbares Aussehen, zum anderen macht es den Aufbau deutlich einfacher, sagt Drliczek. „Wir müssen keine Masten aufstellen, brauchen keinen Kran, um die einzelnen Speichen nacheinander anzubringen und niemand muss in gefährlicher Höhe arbeiten.“
Riesenrad mit mehr als 4000 Lämpchen
Das Orion II wird nämlich im Liegen zusammengebaut und dann in einem Stück in die Vertikale gebracht. Wie ein umgekipptes Hamsterrad liegt das Riesenrad also sieben Tage vor dem Annafest auf dem Oberen Festplatz.
Das Team der Schaustellerfamilie Drliczek prüft dann, ob alle 4000 Lämpchen leuchten und tauscht kaputte aus. „Vier Leute brauche ich standardmäßig für den Aufbau“, sagt der Schausteller. „Drei gehen auch, wenn sich alle auskennen.“ In diesem Jahr sei es zu fünft schon „komfortabel“.
Onkel und Neffe sind ein Team
„In diesem Jahr machen wir alles zusammen“, sagt Drliczek und deutet auf seinen Neffen Kai Drliczek. Der betreibt nämlich den Wellenflug „Volare“, der ab Montag auf dem Parkplatz am Kellerwald aufgebaut werden darf. Die beiden arbeiten im Team, weil die Mitarbeiter in diesem Jahr nicht ausreichen.
„Wir waren zusammen auf der Sommerkirchweih in Herzogenaurach, sind dann am Montag nach Forchheim gefahren und machen jetzt hier zusammen den Aufbau“, sagt Michael Drliczek. „Wir“, das ist neben Onkel und Neffe auch Drliczeks Tochter Anna, die für die „Creperie“ der Familie Drliczek zuständig ist. Die Schaustellerfamilie blickt auf eine traditionsreiche Familiengeschichte zurück: Seit mehr als 180 Jahren ist sie im Schaustellergewerbe tätig. Bereits der Urgroßvater von Michael Drliczek, der 1878 geboren wurde, reiste mit mehreren Vergnügungsgeschäften durch das Kaiserreich Österreich-Ungarn.
In den frühen Sechzigern kam die Familie von Tschechien nach Deutschland. Das erste Riesenrad der Familie brachte Wenzel Drliczek, Michael Drliczeks Vater, im Jahr 1972 auf den Markt: Das Orion I, das mit seinen sechs (statt acht) Masten damals als sehr modern galt. Seit 36 Jahren im Kellerwald
Das einmalige Riesenrad Orion II folgte 1985 und stand schon ein Jahr später zum ersten Mal auf dem Forchheimer Annafest.
Der Ausfall der letzten beiden Feste betraf auch Drliczek: „Im ersten Jahr stand das Riesenrad in der Fürther Innenstadt und im zweiten Jahr am großen Brombachsee“, sagt der Schausteller. „Das war ganz anderes Arbeiten als auf dem Fest, aber die Leute haben sich gefreut.“
Trotz der längeren Annafest-Pause sei der Aufbau bisher problemlos verlaufen: „Du musst dich zwar erst wieder dran gewöhnen, aber die Dynamik nimmt dich mit, du hast ja dein Leben lang nichts anderes gemacht.“
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