„Das war lecker, vielen Dank.“
Es sind Sätze wie diese, die Kathrin Grüners Herz höherschlagen lassen. Und diese Sätze fallen oft in Forchheims Apothekenstraße, Hausnummer 10. Dann zeigt sich für Grüner, die von Forchheim über Berlin bis zur Ostsee seit Kindheitstagen alle nur Lübbi nennen, dass sie genau dort Zuhause ist. Zwischen Theke, Küche und Chefinnensessel. In „ihrer Gastronomie“.
Kathrin Grüner alias Lübbi: ein Porträt
Gerade hat Kathrin Grüner wieder einmal noch etwas mehr zu tun als üblich. Mitte September hatte sie verkündet, das Restaurant im Aparthotel Arivo in der Bayreuther Straße zu übernehmen. „Gutlands by Lübbi“ soll es ab dem 1. November heißen, sie wolle dort mit „internationalen und mediterranen Köstlichkeiten, gemütlichem Ambiente und moderner Gastlichkeit begeistern“.
Damit startet Grüner ihre bereits dritte Unternehmung in Forchheims Gastrolandschaft. Den meisten ist sie seit 2018 als Lübbi in ihrem gleichnamigen Restaurant in der Apothekenstraße sowie von den vielen Festivitäten bekannt, die sie seither in Forchheims Innenstadt anstößt und begleitet. Darüber hinaus zeichnet sie seit 2022 für die Bewirtung auf dem Rappen Keller im Forchheimer Kellerwald verantwortlich. Viel zu tun, sei das alles, sagt sie. Und lacht. „Aber es ist mein Leben“, sagt sie.
Vor ihr auf dem Tisch liegt ihr Taschenkalender. Oldschool, analog, keine App. Ein visueller Mensch sei sie, sagt sie und blättert durch ihr Notizbuch. „Ich bin ein absoluter Fan von To-do-Listen.“ Schichtpläne fürs Lübbis, Treffen mit Lieferanten, Unterschriftstermin für neue Pachtverträge – Grüner notiert darin alles. Sie wolle auch künftig überall präsent sein, per E-Bike werde sie zwischen ihren Etablissements pendeln. „Forchheim ist zum Glück nicht Berlin, das ist schaffbar.“
Weder Corona noch Hirntumor können sie stoppen
Nicht nur, dass sie mittlerweile drei Gastronomiebetriebe managt, auch käme jeder einzelne Tag mit neuen Unwägbarkeiten daher, erzählt Grüner. Unwägbarkeiten wie die für die meisten Gastronomen traumatische Corona-Pandemie. Oder Unwägbarkeiten wie ihre schreckliche Diagnose Tumor, die sie vor fünf Jahren aus dem Leben zu reißen droht. Doch weder das Virus und noch der zum Glück gutartige Tumor sind stärker als sie, beides übersteht die kämpferische Frau und scheint sogar noch daran zu wachsen.
Neben ihren Rollen als Chefin des Lübbis sowie ab 1. November des Gutlands und des Rappen Kellers kümmert sich Grüner auch noch darum, dass Forchheimer Gastronomie nicht bei einer guten Küche und frisch Gezapftem endet.
Sie gehört zum Team, welches das beliebte „Kneipenfetzt“ wieder aus der Asche der Corona-Pandemie hervorsteigen ließ. Sie stößt immer wieder Events wie das Apothekenstraßenfest an, um der Stadt zumindest einen Hauch Nachtleben ermöglichen zu können. Sie ist mit Kulturschaffenden per Du, pflegt gute Kontakte in die Stadtpolitik, startet aktuell gar eigene politische Ambitionen und bringt Forchheims Genussmenschen zusammen.
Hotellerie bereits in familiäre Wiege gelegt
Restaurantchefin, Netzwerkerin, Tausendsassa: Dabei hätte es, wie meistens im Leben, ganz anders kommen können. Die gastronomische Leidenschaft ist Kathrin Grüner alias Lübbi in die Wiege gelegt worden. Viele Landkreisbürger erinnern sich noch gut an das Hotel Café Grüner, das ihre Eltern Philipp und Brigitte Grüner in Obertrubach betrieben hatten, bis es Stefan Schick 2015 kaufte und zur Asylbewerberunterkunft umwidmete. Dort hat sie schon früher ausgeholfen und geht ihre ersten Schritte als professionelle Gastgeberin.
Vollends der Hotellerie verfällt sie in Berlin, von wo sie als Schülerin keine Bilder des Brandenburger Tors von Klassenfahrt mit nach Hause bringt. „Ich habe mich in das Hotel Adlon verliebt“, erzählt Grüner. Nach dem Abitur macht sie Nägel mit Köpfen und zieht im Jahr 2000 für eine Ausbildung als Hotelfachfrau nach Berlin – und fängt in eben jenem berühmten Hotel Adlon als Azubine an. Dort habe sie schnell Aufgaben im Marketing übernommen, sagt sie. Nach Abschluss ihrer Lehre holt sie der Kempinski-Konzern, zu dem auch das Berliner Adlon Unter den Linden gehört, zu einer Hoteleröffnung nach Heiligendamm. „Leihweise“, wie sie sagt. Doch aus dem Aushelfen wird schnell ihre „neue Liebe Ostsee“.
Lübbis Zeit im Promi-Hotel Adlon in Berlin
Grüner bleibt und arbeitet fortan als Marketing-Chefin in Heiligendamm. Bis ihr Chef 2005 zurück Berlin beordert wird und Grüner kurz darauf nachholt. Zurück in „ihrem“ Adlon erlebt sie eine spannende Zeit mit Promis und Weltpolitikern wie Kylie Minogue, Michael Gorbatschow und der Deutschen Fußballnationalmannschaft während des „Sommermärchens“ 2006. „Die Tage damals waren lang, aber die Zeit war einfach intensiv und wunderbar“, sagt sie.
Zurück nach Franken, nach Hause
Und doch zieht es sie später wieder nach Franken. Eher zufällig. Grüners Jugendfreundin Anya Müller-Eckert und Chefin des Obertrubacher Touristikkonzerns Schmetterling International will 2007 eine Marketing-Abteilung unter ihrer Leitung aufbauen. Sie willigt ein und kehrt der Gastrobranche erstmals den Rücken. „Aber nie ganz“, sagt Grüner und lächelt. Nebenbei fängt sie wieder an zu kellnern, zuerst in der alten „Enoteca“ (heutiger Unverpackt-Laden), später in der neuen „Enno“ (wo heute das Lübbis steht).
Eröffnung des Lübbis als persönliche Zeitenwende
Das geht so bis 2014, bis Grüner die Leitung des Hotels Acantus in Weisendorf (Erlangen-Höchstadt) übernimmt. Vier Jahre arbeitet und wohnt sie fortan mit ihrem geretteten maltesischen Straßenhund Lennox in Weisendorf, verliert Forchheim aber nie ganz aus dem Blick. Nur ein paar Jahre später greift sie dann „ihre große Chance“ beim Schopf. Die Pächterin des heutigen Lübbis hört auf und Grüner wird sich im Januar 2018 schnell mit dem Hausbesitzer Lorenz Schneider einig: So heißt es ab August 2018 in der Apothekenstraße 10 „Lübbis Essen und Trinken“.
Eine „supertolle Zeit“ sei das gewesen. Bis zum Jahresanfang 2020. Bis sie die Tumor-OP überstehen musste. Und bis zum Beginn der Corona-Pandemie. Grüners doch enorme Anfangsinvestitionen hatte sie trotz eines gelungenen Konzepts und eines gut besuchten Ladens noch nicht wieder einfahren können. Nur dank ihres Einfallsreichtums und ihrer „grandiosen Stammgäste“ habe sie die Pandemie wirtschaftlich überstehen können. „Wir haben damals alles Mögliche to go verkauft. Und die Menschen haben zum Glück gekauft.“
Sie meistert den Tumor. Und Corona. Wer heute mit ihr spricht oder sie als Gastgeberin erlebt, merkt nichts davon, dass ihr bisheriger Weg einige Fallgruben parat gehalten hatte. Man merkt nur, dass sie nie hineingefallen ist. „Dieser Job hat mich Gelassenheit gelehrt“, sagt sie. Und genauso meistert sie ihre vollen Tage und ihr enormes Netzwerk von hier bis zur Ostsee auch. Gelassen. Und gemeinsam; mit ihren Freunden, ihrer Familie, ihrem Hund, ihren Gästen.
„Es ist immer schön mit euch, vielen Dank.“




















