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„Darf nichts mehr schiefgehen"
Doch später und teurer? Neue Sorgen um Forchheims Rathaus
So sieht das Forchheimer Rathaus aktuell aus. Ende 2026 sollen die millionenschweren Arbeiten fertig sein. Ist der Zeitplan noch haltbar?
So sieht das Forchheimer Rathaus aktuell aus. Ende 2026 sollen die millionenschweren Arbeiten fertig sein. Ist der Zeitplan noch haltbar? // Foto: Martin Regner
Forchheim – Forchheims Mammutbaustelle: Zum Jahreswechsel 2026/27 soll das generalsanierte „Haus der Begegnung" fertiggestellt sein. Ein aktueller Blick in die Baustelle lässt neue Sorgenfalten auftreten.

Allmählich avanciert das historische Rathaus zur Augenweide. Wieder zur Augenweide. Zum Teil sogar schon von außen, denn in Teilen ist die frisch restaurierte Fassade des beliebten Forchheimer Postkartenmotivs wieder zu sehen. Schritt für Schritt auch von innen. Kurzum: Forchheims Mammutbaustelle, die Generalsanierung und der Umbau des Rathauses zum „Haus der Begegnung“ biegen auf die Zielgerade ein. Oder?

Rathaussanierungsausschuss behält Generalsanierung im Blick

Für ein Bauprojekt dieses Ausmaßes gönnt sich die Stadt Forchheim ein eigenes politisches Gremium, in dem Weichenstellungen, Fortschritte und Probleme erörtert werden. Der sogenannte Rathaussanierungsausschuss tagt regelmäßig ein paar Mal im Jahr, um die Stadtpolitik und die Öffentlichkeit auf den neuesten Stand zu bringen. Jüngst in dieser Woche geschehen.

Architekt Stephan Fabi gibt aktuellen Stand zum Bau

Wie immer spricht Chefarchitekt Stephan Fabi darüber, was derzeit und seit dem letzten Ausschuss auf der Baustelle passiert ist. Etwa, dass der Bau bereits seit 59 Monaten läuft (ja, das sind fast sechs Jahre). Und dass derzeit ein reges Treiben dort herrscht, 24 Gewerke mit etwa 75 Beschäftigten seien im Moment auf der Rathausbaustelle zugange. Zimmerer, Rohbauer, Trockenbauer, Restauratoren, Schlosser, Elektriker und viele mehr. Und dass bislang insgesamt 70 Tonnen Bauschutt entsorgt sowie 60 Tonnen Bewehrungsstahl und Hunderte Kubikmeter Holz eingebaut worden sind.

Es tut sich was im Rathausinneren: Hier ein Blick in die Markthalle.
Es tut sich was im Rathausinneren: Hier ein Blick in die Markthalle. // Foto: Stephan Fabi

Fabis Fazit klingt überwiegend positiv: Einzig bei den Zimmerern klingeln derzeit wieder die Alarmglocken. Wieder seien massivere Schäden gefunden worden als angenommen. Wieder wirkt sich das auf Kosten- und Zeitplan aus. So werden sie wohl nicht wie vorgesehen bereits Anfang 2026 fertig, sondern erst im Frühsommer 2026. „Aber“, schießt Fabi den verdutzten Stadträtinnen und -räten hinterher, „wir gehen noch von einer Fertigstellung zum Jahreswechsel 2026/27 aus“.

Projektsteuerer: Kosten- und Zeitplanampel springt auf Gelb

„Nicht wie vorgesehen“, „gehen aus“ – beruhigende Sicherheit für die leidgeplagten Forchheimer sieht anders aus. Konkreter wird Hansjörg Tschan, der Projektsteuerer Martin Sandl vertritt. Für die Präsentation hatte der sich ein Ampelsystem überlegt, um den aktuellen Stand griffig darzustellen. Oft schon schnellte diese Ampel auf Rot, in jüngster Zeit war oft grün. Doch aktuell springt sie wieder auf Gelb.

„Die Ampel ist nicht auf Rot. Aber wir kommen an die Grenze“, sagt der und meint damit gleich beide entscheidenden Faktoren: Zeitrahmen und Kosten. Stand jetzt gehe auch der Projektsteuerer von einer Nutzung ab 2027 aus. Aber „weitere Verzögerungen würden zu einer Verschiebung der Übergabe führen“. Als Hauptfaktor zur Gefährdung der Bauzeit identifiziere er wieder einmal die Zimmererarbeiten. „Wir versuchen, Optimierungen vorzunehmen“, sagt er. Versprechen könne er aber nichts.

Reichen die 44,6 Millionen Euro bis zum Ende der Bauzeit?

Ebenfalls auf Gelb springt die Kostenampel. Schon wieder. So melden die Zimmerer erneute Nachträge an, aktuell sogar voraussichtlich etwa 1,5 Millionen Euro. Die gute Nachricht: Die können von den mittlerweile auf die horrende Summe von 44,6 Millionen Euro angewachsenen Gesamtkosten noch gedeckt werden. „Derzeit werden abrechnungsbezogene Maßnahmen durchgeführt, um eine Kostenstabilisierung herbeizuführen. Eine konkrete Prognose ist jedoch zu diesem Zeitpunkt der Prüfung noch nicht möglich“, sagt Projektsteuerer Tschan. Betonung liegt in beiden Fällen auf dem Wort „noch“.

Weil bis Ende 2026 noch einige Restarbeiten ausstehen und weitere Rechnungen eingereicht werden (nach Stand Juli wurden bislang fast 26 Millionen Euro an die Firmen überwiesen), sind weitere kostspielige Unwägbarkeiten denkbar. Den bisherigen Verlauf der sorgengeplagten Riesenbaustelle im Auge behaltend, sind sie sogar erwartbar.

Debatte im Ausschuss zeigt: Thema polarisiert

Kostenthemen werden in Forchheim aktuell äußerst emotional geführt, zudem steht ein Kommunalwahlkampf ins Haus. Daher dürften die Debatten bald wieder schärfer werden. Den Anfang für dieses Thema macht zum wiederholten Male FDP-Stadtrat Sebastian Körber, selbst Architekt, der Stadt aus seiner Sicht ein Missmanagement zu attestieren. Er könne einfach nicht verstehen, wie man zulassen konnte, dass die Kosten trotz umfangreicher Vorüberlegungen vor allem im Zimmerergewerk derart gestiegen sind in den vergangenen Jahren (anfangs waren 3,6 Millionen Euro angedacht, mittlerweile stehen 9,7 Millionen Euro zu Buche). „Die Ampel steht auf Gelb? Sie muss auf Dunkelrot stehen!“

Zur Seite springt ihm einzig Erwin Held von den Freien Wählern, selbst Handwerksmeister. Die vorgetragene Kritik behandelt noch einmal die gesamte Kostenexplosion von einmal knapp zehn Millionen Euro zu nun 45 Millionen Euro, sie thematisiert gemachte Fehler, Verantwortlichkeiten und Angst vor noch größeren Haushaltslöchern. Auffällig: Vor allem aus den Reihen von CSU und SPD bleibt es still; was daran liegen könnte, dass das Projekt Rathaus nicht nur Kirschsteins OB-Ära maßgeblich prägt, sondern seinen Anfang bereits bei dessen Vorgänger Franz Stumpf von der CSU genommen hatte.

In den nächsten Monaten dürfte das Streitpotenzial noch zunehmen, das den historischen Gemäuern und ihrer kostspieligen Sanierung innewohnt. Wegen der Kommunalwahlen. Und weil die Forchheimerinnen und Forchheimer keine weiteren Hiobsbotschaften zum „Haus der Begegnung“ mehr hören wollen.

 

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