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Umweltschutz
Neue Wehre für die Wässerwiesen im Wiesenttal
Umweltminister Thorsten Glauber und Landrat Hermann Ulm am neuen Stauwehr.Forchheim & Fränkische Schweiz
Umweltminister Thorsten Glauber und Landrat Hermann Ulm am neuen Stauwehr. // Karl-Heinz Wirth
Signet des Fränkischen Tags von Karl Heinz Wirth
Wiesenttal – Eine uralte Bewässerungstechnik schafft einen einzigartigen Lebensraum. Der Landkreis bekommt für ein Projekt, das diese Landschaft schützt, mehr als eine Million Euro Fördergeld.

„Die Wässerwiesen gehören zu den besterhaltenen Kulturlandschaften in Europa“, sagt Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). „Sie sind eine Rarität. Seit Jahrhunderten sorgt die traditionelle Wiesenbewässerung in unserer niederschlagsarmen Region für bessere Erträge und für mehr Artenvielfalt.“ Bereits in den vergangenen Jahren wurde der Schutz der außergewöhnlichen Landschaft vom Freistaat gefördert, jetzt bekommt der Landkreis Forchheim weiter 734.000 Euro als Träger des „Wässerwiesen Projekts 2.0“.

Das Projekt „Erhalt der traditionellen Bewässerung im Wiesenttal“ ist bereits 2017 gestartet, um die nachhaltige Bewirtschaftungsform zu schützen. Die traditionelle Bewässerungstechnik erforderte über Generationen spezifisches Wissen. Erst die Industrialisierung habe die traditionelle Bewässerungstechnik verdrängt, betont Glauber: „Das Kulturerbe, das uns unsere Vorfahren hinterlassen haben, gilt es wertzuschätzen und zu erhalten“, appelliert Glauber. Sein Dank richtete sich auch an alle Ehrenamtlichen, die mit Herzblut und in Partnerschaft dieses Ehrenamt ausübten.

Die „Reuther Zweng“-Wässerung erhält die Kulturlandschaft

Mit einem Spatenstich starteten jetzt alle Beteiligten die Baumaßnahmen zur Erneuerung der Stauanlagen der „Reuther Zweng“-Wässerung, wobei das Wort „Zweng“ auf „zu wenig Wasser“ zurückzuführen ist. Landrat Herrmann Ulm (CSU) machte in seiner Begrüßung noch einmal deutlich, dass ohne diese finanzielle Unterstützung der Landkreis die Sanierung und den Erhalt dieser Kulturlandschaft nicht stemmen könnte.

„Deshalb ist es heute ein guter Tag für den Landkreis Forchheim sowie den Erhalt des Kulturerbes unserer Vorfahren“, sagte Ulm. Danach ging es nach Ebermannstadt-Rothenbühl, wo Staatsminister Thorsten Glauber, Landrat Hermann Ulm und Ludwig Herbst die Wiederinbetriebnahme der reaktivierten Wässerung „Neuwiesen“ in Betrieb nahmen. „Dies ist für uns alle ein historischer Moment“, sagte Projektleiter Roland Lindacher, als Thorsten Glauber, Hermann Ulm und Ludwig Herbst das Stauwehr nach 50 Jahren erstmals wieder öffneten.

Die traditionelle Technik wird am Leben gehalten

„In diesem Graben bin ich im Sommer mit hochgekrempelten Hosen barfuß durch das fließende Wasser nach Hause gelaufen“, erzählte Ludwig Herbst aus seiner Jugendzeit. „Es war eine schöne Zeit und wir hatten viel Freude damit.“ Heute halten Wässergemeinschaften zusammen mit Ehrenamtlichen die traditionelle Bewässerung lebendig.

Im Verlängerungszeitraum bis Ende 2022 wurde es mit weiteren finanziellen Mitteln durch den Bayerischen Naturschutzfonds, die Oberfrankenstiftung, den Landkreis Forchheim und den beteiligten Gemeinden unterstützt. Dies findet nun seine Fortsetzung für weitere fünf Jahre.

Die Landwirtschaft steht wieder vor dem Problem der Wasserknappheit

Früher haben sich die Landwirte der Kraft von Pferden und Ochsen bedient. Später verstanden sie aus der Not heraus, auch die Kraft des Wassers zu nutzen. Wasserspeicher wurden angelegt, da man sich Zeiten ohne Wasser nicht leisten konnte. Heute steht die Landwirtschaft wieder vor dem Problem, dass Wasser knapp wird. Im Rahmen des Wässerwiesen-Projekts wurden seit 2017 bis 2022 rund 240 Hektar Wässerkulissen durch Instandsetzung sowie Erneuerungen für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

Damit wird auch ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der wechselfeuchten Wiesen und ihrer Begleitstrukturen erbracht, indem die ökologisch bedeutsamen Flächen als Lebensraum für den Weißstorch und wiesenbrütende Vogelarten wie Wachtelkönig, Braunkehlchen oder Grauammer erhalten werden können.

Ein wahres Paradies für Wiesenvögel

Ziel des bis 2027 laufenden Folgeprojekts sind der Erhalt und die Verbesserung des ökologischen Wertes des Gebietes. Neben der Instandsetzung und Sicherung der Wässerwiesen wird verstärkt der Fokus auf biodiversitätsfördernde, naturschutzgerechte Bewirtschaftung und nachhaltige Nutzung von Feuchtwiesen gelegt. Diese sind ein wahres Paradies für Wiesenvögel. Diese finden hier einen idealen Lebensraum mit niedriger Pflanzendecke und eiweißreicher Insektennahrung. Unzählige Arten von Libellenarten sind in den Wässerwiesen des unteren Wiesenttals nachgewiesen.

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