Das Rad neu erfinden muss niemand. Und doch wünschen sich Radler aus dem Landkreis Forchheim seit Jahren sicherere Wege. Dies zeigen einmal mehr die jüngsten Ergebnisse der Leserbefragungen für den FT-Heimatmonitor.
Insgesamt bewerten die etwas mehr als 1000 Teilnehmer ihr Sicherheitsgefühl beim Radfahren im Landkreis im Mittel mit 6,0 von möglichen zehn Punkten.
Aber erstens gibt es regional große Unterschiede und zweitens steckt der Teufel beim Thema Radverkehr im Detail. Das wird anhand von drei Beispielen aus dem Landkreis Forchheim schnell deutlich.
Dormitz und Hausen bilden Schlusslichter beim Thema Radsicherheit
Zuerst richtet sich der Fokus auf die beiden Schlusslichter der Befragung: 53 Hausener und 16 Dormitzer haben sich beim Heimat-Monitor beteiligt und ihren Wohnorten das landkreisweit schlechteste Zeugnis in puncto Fahrradsicherheit ausgestellt (3,96, und 1,31).
Auffällig: In beiden Kommunen leiden die Anwohner seit Jahren unter starkem Durchgangsverkehr. Besteht ein Zusammenhang? Gerhard Krahl vom Fahrradverband ADFC kann zwar nur mutmaßen, geht aber stark davon aus.
Hans Eberlein vom Landratsamt Forchheim: „Radwegenetz ist grundsätzlich gut“
570 Kilometer Radwege gibt es im Landkreis Forchheim, wie der Radverkehrsbeauftragte am Landratsamt Hans Eberlein auf Anfrage mitteilt. „Das bestehende Radwegenetz ist grundsätzlich gut ausgebaut und durchgängig beschildert“, sagt er.
Also alles gut? Nein, heißt es vonseiten des ADFC, denn das Hauptproblem seien nicht zwingend bestehende Radwege.
„Als Radfahrer fühle ich mich im Mischverkehr bedrängt und bedroht“, befindet Krahl. Auch und vor allem in ländlich geprägten Orten, in denen sich sämtlicher Hauptverkehr auf den Durchfahrtsstraßen abspielt.
Radweg von Neunkirchen am Brand endet abrupt
Wie zum Beispiel in Dormitz. Zwar habe man einen Radweg von Neunkirchen aus gebaut, aber in Dormitz einfach aufgehört. „Das ist gefährlich“, sagt er.
Wenngleich die Behörden manchen Missstand erkennen, scheitert selbst die Verwaltung an der Bürokratie. Denn: Verschiedene Stellen sind zuständig, je nachdem.
An Bundes- und Staatsstraßen ist es in der Regel das Staatliche Bauamt Bamberg, der Landkreis ist für Kreisstraßen zuständig und auf Gemeindestraßen sowie in Ortsdurchfahrten sind es zumeist die Kommunen. Abstimmungen sind da im Gewirr des Föderalismus manchmal unmöglich.
Fahrradklimatest: Situation in Forchheim weiter verschlechtert
Ein diffiziles Bild zeigt sich in der Kreisstadt Forchheim.
Zwar bewerten die 324 Heimatmonitor-Teilnehmer mit 5,94 und damit nur knapp unter dem Kreisdurchschnitt von 6,0. Aber viele Kreisstadtradler fühlen sich im Verkehrsalltag nach wie vor überrollt.
Diese Beobachtung untermauern zum einen viele offene Nennungen im Heimatmonitor, in dem die Forchheimer etwa „bessere Radwege“ und „mehr Sicherheit“ fordern.
Und: Beim am Montag vorgestellten und viel beachteten Fahrradklimatest des ADFC verschlechtert sich Forchheims Ergebnis im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal, auf eine Schulnote von 4,2.
Ampelschaltungen in Forchheim bremsen Radverkehr aus
Moniert werden in erster Linie die für Radfahrende unpraktischen Ampelschaltungen.
So werden Radler zum Beispiel regelmäßig auf Verkehrsinseln „gefangen“, was mit einem Kinderanhänger oder einem Lastenrad schnell gefährlich werden kann.
Auch gebe es laut Forchheims ADFC-Vorstand Frank Wessel zu viele Radwege, „die plötzlich im Nichts enden“. Und er könne auf Anhieb mehrere Orte nennen, an denen Radfahrer von Hindernissen und gefährlicher Verkehrsführung ausgebremst würden.
Zahl der Unfälle mit Fahrradbeteiligung steigt in Forchheim
Nicht nur das: Wie Thorsten Panzner, Verkehrs-Chef der Forchheimer Polizei, bestätigt, gab es im vergangenen mehr Unfälle mit Radbeteiligung als die Jahre zuvor (2022: 121, 2021: 105, 2019: 102).
„Kleinigkeiten könnten schon viel ändern“
Ideen zur Verbesserung gäbe es viele, so Wessel. Schon mit Kleinigkeiten ließe sich viel bewirken; etwa das Ausweisen von Schutzstreifen, bessere Beschilderung, barriereärmere Radwege.
Bis sich jedoch etwas tue, dauere das viel zu lange, sagt er. Fehlt es also einfach nur am Willen der Stadtverwaltung?
So reagiert Forchheims Bürgermeisterin Annette Prechtel
Anruf im Rathaus, Forchheims dritte Bürgermeisterin Annette Prechtel (Grüne) ist am Apparat, selbst passionierte Radfahrerin: „Unsere Straßen sind noch viel zu sehr für Autos ausgelegt, nicht für Fahrräder.“
Ihr seien die vielen Probleme bekannt, sie räumt ein: „Mir ist bewusst, dass in Forchheim viele Menschen auf dem Fahrrad ein Sicherheitsgefühl vermissen.“ Aber sie arbeite an Lösungen.
Stadt Forchheim will Stelle eines Radverkehrsbeauftragten ausschreiben
Nur sind für solche Entscheidungen demokratische Prozesse nötig, aber nicht für jede radfördernde Maßnahme gibt es Befürworter. Anderes wie Ampelschaltungen lassen sich überdies nur in großer Runde entscheiden.
Hinzu kommen Personalprobleme in der Verwaltung. Immerhin die hofft Prechtel, bald aus der Welt geschafft zu haben: In Kürze solle die Ausschreibung für einen Radverkehrsbeauftragten online gehen.
Schafft das integrierte Verkehrskonzept für Forchheim die Lösung?
Und dann gibt es da noch das integrierte Verkehrskonzept, an dem ein Expertenteam und die Stadt bereits seit 2019 arbeiten.
Noch ist der Masterplan für den Innenstadtverkehr reine Gedankenmasse, solle laut Prechtel aber das Potenzial haben, das Radfahren in Forchheim zu verbessern.
Mehr noch: Aktuell nutzen fast sechs von zehn Forchheimern das Auto innerhalb der Stadt, nur 20 Prozent das Rad. 2040 wurde als Zieljahr ausgerufen, bestenfalls könnte sich der Radanteil verdoppeln.
Dafür muss aber noch eine Menge für die Radsicherheit getan werden.
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