Die Liste der Schließungen in Forchheims Innenstadt geht weiter, vor allem rund um den Paradeplatz: Dorsch Lederwaren befindet sich für seinen Umzug in die Boschstraße wie längst angekündigt im Ausverkauf.
Andrea Friedrich hat ihr Modehaus bereits geschlossen und wird nur ab März 2023 noch einmal für die Frühjahrskollektion öffnen. Und auch die Weltbild-Filiale wird zum 15. Januar 2023 schließen.
Es sind nicht die ersten Weggänge – und wohl auch nicht die letzten. Gründe gibt es viele: Manche sind global und betreffen den stationären Handel insgesamt. Wie etwa die Konkurrenz durch den Online-Handel, die Kostensteigerungen, den Mangel an Verkaufspersonal. Andere sind ganz lokale Gründe, Forchheimer Probleme.
Sargnagel Paradeplatz-Baustelle?
Wer sich bei den Händlern rund um den Paradeplatz umhört, bekommt immer wieder einen Halbsatz zu hören, der sie nicht nur aufregt, sondern teils sogar aufgeben lässt: die Dauerbaustelle am Herzen der Innenstadt.
So schreibt die Sprecherin des Weltbild-Konzers auf Anfrage, dass Kunden durch die Sperrung des Paradeplatzes nur schwer zum Geschäft kämen. Dies helfe nicht dabei, die wirtschaftlich „nicht positive“ Entwicklung zu stoppen.
Neue Leerstände kündigen sich also an in der Innenstadt Forchheims. Dass die bei vielen Menschen längst nicht mehr den Ruf als Einkaufsstadt genießt, dürfte die neuesten Entwicklungen zusätzlich befeuern.
Aber wenngleich sich Stadt und Händler gleichermaßen zumindest versuchen, gegen das Ladensterben aufzulehnen, steht die Kreisstadt nicht alleine mit diesem Phänomen da.
Deutschlandstudie Innenstadt: Bedeutung des Handels nimmt stetig ab
„Die Bedeutung des Handels nimmt in deutschen Innenstädten ab“, erklärt Roland Wölfel, Studienleiter und Geschäftsführer der Cima Beratung + Management GmbH, die jüngst die „Deutschlandstudie Innenstadt 2022“ veröffentlichte.
Deren Haupterkenntnis: 20 Prozent der Menschen würden unter jetzigen Voraussetzungen nicht mehr in die Innenstädte zurückkehren. Dies betreffe vor allem ältere, kaufkräftigere Bürger. Und gelte dauerhaft.
Der Anspruch der Menschen an die Innenstadt sei im Wandel. Sie wünschten sich mehr Zonen zum Verweilen und fordern einen Mix aus Handel und anderen Frequenzpartnern, wie Wölfel sie nennt.
Gemeint sind öffentliche Behörden, Gesundheitszentren, Bildungseinrichtungen. „Der Mix macht’s.“ Die Städte, der Staat, aber auch die Unternehmen und Investoren stünden nun vor großen Herausforderungen, die vom wegbleibenden Handel hinterlassene Lücke wieder zu schließen, so Wölfel.
Gute Nachrichten für Forchheim
Die gute Nachricht: „Forchheim besitzt für diesen nötigen Wandel bereits gute Herausforderungen“, sagt der Studienleiter. Wichtige Behörden wie Landratsamt und Rathaus liegen bereits zentral, auch seien Schulen und Gesundheitsanbieter in der Innenstadt verortet.
Und die Stadt habe in den vergangenen Monaten und Jahren viel getan, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. Das Installieren von bequemen Sitzbänken zum Beispiel dürfe man nicht unterschätzen. Und ebenfalls entscheidend ist der Faktor „innenstadtnaher Wohnraum“, der sich zwar langsam, aber immerhin bessert.
„Forchheims Problem sind die vielen Baustellen, ein fehlendes Citymanagement und der ausbaufähige ÖPNV“, sagt Stadtmanagement-Experte Wölfel. Bei Letzterem gebe es viele offene Hausaufgaben. Es sei wichtig, erst die Infrastruktur auszubauen, um die Nachfrage nachhaltig zu erhöhen.
Dem entgegen seien die Baustellen wie der Paradeplatz und die Rathaussanierung sowie das fehlende Citymanagement Probleme, die zwar schon länger und noch lange dauern, aber immerhin in Arbeit sind. Und positiven Einfluss auf die Innenstadt versprechen.
„Die monofunktionale Ausrichtung von Innenstadtlagen auf den Handel ist kein probates Mittel mehr, um Besucher in die City zu locken“, schreibt Wölfel in seiner Studienzusammenfassung.
So gesehen könnte Forchheim bei aller Tragik für die Handelswelt sogar eine Chance in der großen Fluktuation rund um Paradeplatz und Hauptstraße erkennen.
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