Gerade rechtzeitig
Hohnhausen macht sich nun selbst warm
Unabhängiges Hohnhausen: Eine Biogasanlage versorgt das ganze Dorf mit Abwärme
Ein interessierter Bürger schaut sich zusammen mit Stephanie Fiehl von der Firma Enerpipe im Speicherraum der Heizanlage um.
Foto: Martin Schweiger
Thema: Energie
F-Signet von Martin Schweiger Fränkischer Tag
Hohnhausen – Unabhängig von der politischen Weltlage: Die Bürger des Burgpreppacher Gemeindeteils nutzen jetzt die Abwärme der Biogasanlage im Ort.

Wenn Russlands Präsident Putin den Gashahn zudreht und Ölpreise steigen, lässt das einen Großteil der Einwohner von Hohnhausen (Markt Burgpreppach) künftig kalt. Denn dass es ihnen im wahrsten Sinn des Wortes nicht kalt wird, dafür sorgt die Abwärme der Biogasanlage der Familie Gleichmann, die die meisten Haushalte des 200-Seelen-Dorfes mit Nahwärme versorgt. Am Samstag wurde die neue Heizung feierlich eingeweiht.

28 Haushalte sind angeschlossen

Weniger als die Hälfte im Vergleich zu einer Ölheizung müssen die angeschlossenen Haushalte künftig für Heizkosten berappen, meint Torsten Baumgärtner, der Vorsitzende der neu gegründeten Energiegenossenschaft Hohnhausen. 5000 Euro zahlten die Mitglieder der Genossenschaft als Einlage. Auf einer Länge von 2450 Metern wurden Rohre in 28 Haushalte verlegt, die der Genossenschaft angeschlossen sind.

Unabhängiges Hohnhausen: Eine Biogasanlage versorgt das ganze Dorf mit Abwärme
Die Feier anlässlich des eigenen Wärmenetzes fand in der Scheune statt, wo auch Speicher und Technik untergebracht sind.
Foto: Martin Schweiger

Der erste Haushalt wurde bereits im Februar 2020 an das Nahwärmenetz angeschlossen. Pandemiebedingt erfolgte die Einweihung erst jetzt. Neben den Genossenschaftsmitgliedern wurden bereits zuvor 15 Anwesen angeschlossen. Weitere Bürgerinnen und Bürger haben ihr Interesse bekundet, so dass wohl bald ganz Hohnhausen wärmeautark ist.

Bis das Nahwärmenetz in Hohnhausen stand, mussten einige Probleme überwunden werden

Bereits im Jahr 2017 gab es erste Überlegungen, die Abwärme der ortsansässigen Biogasanlage zu nutzen. Bei der Besichtigung anderer Nahwärmeanlagen fiel auf, dass es dort mindestens dreimal so viele Abnehmer gab. Über die Dorferneuerung und den Neubau der Kreisstraße, die den Ort durchquert, habe die Finanzierung und Umsetzung jedoch nicht funktioniert, sagte Baumgärtner. Die Annahme, die Straße wird „sowieso aufgerissen, da müssen wir die Leitungen nur reinlegen“, sei ein Trugschluss gewesen.

Die Kostenvoranschläge der Baufirmen, die auch für den Landkreis und die Kommune arbeiteten, seien „jenseits von gut und böse“ gewesen. Daher habe man die Umsetzung selbst in die Hand genommen – ohne die Unterstützung von Ämtern oder der Gemeinde, was einmalig sei, betonte Baumgärtner. Die Hilfe sei dann von der Firma Enerpipe, einem Spezialisten für Nahwärmesysteme aus dem mittelfränkischen Hilpoltstein, gekommen.

In einer Scheune befinden sich die Großpufferspeicher und die Technik der Nahwärmeanlage

Vorhandene Ressourcen wurden genutzt. In einer Scheune befinden sich die Großpufferspeicher und die Technik. Die von den Dorfbewohnern in Eigenregie beauftragten Baufirmen haben nicht nur die Rohre für die Heizanlage, sondern gleich Glasfaserkabel für schnelles Internet mit in den Boden gelegt, wobei möglichst wenige Straßen aufgerissen wurden. Zudem investierten freiwillige Helfer unzählige Arbeitsstunden.

Unabhängiges Hohnhausen: Eine Biogasanlage versorgt das ganze Dorf mit Abwärme
Sitzend von rechts: Abgeordneter Steffen Vogel, Biogasanlagenbetreiber Ralf Gleichmann, Landrat Wilhelm Schneider und Genossenschaftsvorsitzender Torsten Baumgärtner sowie Gemeinderätin Karina Hoffmann (links sitzend) feierten mit den Bürgerinnen und Bürgern Hohnhausens die Einweihung der Nahwärmeversorgung.
Foto: Martin Schweiger

Landrat Wilhelm Schneider lobte das Engagement der Hohnhäuser Bürgerinnen und Bürger. Die Nahwärmeversorgung des Ortes sei ein weiterer Schritt, um das Ziel, bis 2030 im Landkreis energieautark zu werden, zu erreichen. Ein Problem dabei sei nicht der Strom, sondern die Wärmeversorgung. Gemeinderätin Karina Hoffmann sagte im Namen der verhinderten Bürgermeister, durch die Nahwärmeversorgung entstehe eine positive Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, was eine „super Werbung für die Gemeinde“ sei. „Der Zusammenhalt und die Identifizierung mit dem Wohnort sind dadurch gestärkt worden.“

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