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Baufirma feiert 125 Jahre
Vom Maurer zum Baumogul: Wie Walter Bau die Fränkische prägt
Juniorchef Sebastian und Seniorchef Ludwig Walter im Fuhrpark des Walter-Bauhofs in Burggailenreuth.
Juniorchef Sebastian und Seniorchef Ludwig Walter im Fuhrpark des Walter-Bauhofs in Burggailenreuth. // Foto: Thomas Weichert
Signet des Fränkischen Tags von Thomas Weichert
Burggailenreuth – Vom Maurer zu einem der wichtigsten Bauunternehmen der Fränkischen Schweiz. Das ist die Geschichte der Firma Walter Bau in Burggailenreuth. Wie sie vor 125 Jahren begann.

Die Firma „Walter Bau“, wie sie kurz genannt wird, ist noch eine der wenigen Baugeschäfte in der Region mit so langer Firmengeschichte.

Fränkische Schweiz: Walter Bau feiert 125 Jahre Bauhandwerk

Der heutige Firmenchef und Architekt Sebastian Walter und sein Vater und Mauermeister Ludwig Walter, der die Firma vergangenes Jahr an seinen Sohn übergeben hat, erzählen sie. Eine der größten Baustellen in der Neuzeit war vor zwei Jahren der Bau des Rathauses mit Gemeindezentrum in Hausen.

Auch das Gräfenberger Hallenbad wurde von Walter gebaut und aktuell auch gerade das Freibad in Gräfenberg. Der Bau des Sportplatzes in Moggast war ein richtiger Kraftakt, erinnert sich Ludwig Walter. Die Firma hat auch einst das Pfarrzentrum in Gößweinstein gebaut, die Grundschule in Bärnfels erweitert, den Kindergarten in Obertrubach errichtet, die Moggaster Kirche renoviert oder bereits 1935 das Gemeindehaus in Morschreuth gebaut. Aktuell hat die Firma 25 Mitarbeiter, darunter zwei Bauingenieure. Weil der neue Firmenchef Architekt ist, verknüpft das Familienunternehmen heute zwei wesentliche Bereiche des Bauens – von der Planung bis zur Ausführung.

Beim Bau des katholischen Pfarrzentrums in Gößweinstein
Beim Bau des katholischen Pfarrzentrums in Gößweinstein // Foto: Archiv Walter Bau

Ursprünge der Firma Walter Bau in Wolkenstein

Also alles aus einer Hand. „Diese Synergie soll Bauherren und den planenden Architekten helfen, die stets steigenden Anforderungen in Zukunft noch besser und effizienter umsetzen zu können“, sagt Sebastian Walter. Anfang der 1980er-Jahre gab es noch 20 Baufirmen im näheren Umkreis, übriggeblieben sind nur noch etwa drei, so der Seniorchef. Gründervater des Baubetriebs war Johann Walter, der am 3. Oktober 1900 ein Maurergeschäft anmeldete.

Die Ursprünge der Firma führen uns nach Wolkenstein, wo Johann geboren wurde und neben der Landwirtschaft seine Tätigkeit als Maurer erlernte. Erst 1905, mit der Heirat von Kunigunda Bauernschmitt aus Burggaillenreuth fand auch der Betrieb seinen heutigen Sitz. Aus der Ehe gingen 13 Kinder hervor. Das Maurergeschäft und eine kleine Landwirtschaft haben zur Versorgung der Großfamilie wesentlich beigetragen. So wurden auch schwierigste Zeiten, wie die zwei Weltkriege, überstanden und „es wurden immer alle satt“, so Kunigunda damals.

Firmengründer Johann Walter mit Enkelin Johanna um 1900.
Firmengründer Johann Walter mit Enkelin Johanna um 1900. // Thomas Weichert

Arbeiten an der Burg Gaillenreuth 

Die handwerkliche Arbeit beschränkte sich auf Stundenlohnleistungen mit geringem Materialaufwand bei den umliegenden Bauernhöfen. Immer wieder wurden Arbeiten an der Burg Gaillenreuth und dem Alten Forsthaus verrichtet.

Nach seiner Rückkehr aus französischer Kriegsgefangenschaft übernahm Georg Walter den Hof samt Betrieb von seinem Vater. Georg hatte den Beruf des Maurers nicht erlernt und konnte eine Ausbildung in der schweren Nachkriegszeit auch nie nachholen. Mit Lohndienstleistungen und Kleinaufträgen für die Renovierung von „Städeln“ erarbeitete er sich selbst das notwendige Wissen, um den Betrieb mit seinen sieben bis acht Mitarbeitern nach seinen Möglichkeiten zu führen.

Erst die Anschaffung eines Kompressors und ein Sprengmeisterkurs brachten neue Aufträge im Zuge der Flurbereinigungen. Das schaffte die ersten unternehmerischen Erfolge. Es folgten Aufträge für größere Anwesen und Aussiedlerhöfe. So entstanden auch die Wochenendhaussiedlungen in Kanndorf und „Bäreneck“ bei Trainmeusel in der Ära Georg Walter.

Betrieb durch Maurermeister „Luggi“ Walter geführt

Über ein halbes Jahrhundert wurde der Betrieb danach durch Maurermeister „Luggi“ Walter geführt und zur heutigen Betriebsgröße entwickelt. Bereits mit 25 Jahren übernahm er 1975 Haus und Hof, nachdem er erst wenige Jahre zuvor seine Meisterprüfung absolviert hatte. Nach und nach schafften Investitionen, wie eine eigene Paschal-Elementschalung, ein LKW und ein Kran, mehr Flexibilität und Möglichkeiten.

Mit seiner Frau Ulrike kam auch Entlastung in die immer aufwendigere Büroarbeit und nach intensiven Weiterbildungen auch Struktur und Ziele ins Unternehmen. 1998 wurde mit der Gründung der „WALTER bauen & wohnen GmbH“ die Sparte des schlüsselfertigen Wohnbaus eröffnet. Daraus entstanden die Reihenhäuser an der Sportplatzstraße und die Wohnanlage Weitblick in Ebermannstadt. Mit den Neubauten von Produktionshallen in Forchheim entwickelte sich ab 2010 das erfolgreiche Geschäftsfeld der Industriebauten. In Forchheim gegenüber des OBI-Baumarkts wurden ganz viele Gewerbehallen von der Firma Walter gebaut.

Walter Bau: Studium der Architektur in Nürnberg

„Mir wurde von meinem Vater die Aufgabe übertragen, die Baufirma Walter zu übernehmen, diese zu führen und sie zu einem soliden und leistungsfähigen Unternehmen im Bauhandwerk zu machen. Mir war es wichtig, den Bewohnern in unserem Einzugsgebiet einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten und die Tradition des Bauhandwerks in unserer Region aufrechtzuerhalten und zu stärken. Mein Motto: Der Tradition verbunden, dem Fortschritt zugewandt“, sagt Ludwig Walter. Nach seinem Architekturstudium in Nürnberg und Berufserfahrung in Franken und Berlin ist sei Sohn Sebastian 2020 im Familienbetrieb eingestiegen. 124 Jahre nach der Gründung des Betriebs wurde der Staffelstab schließlich an die vierte Generation übergeben.

Die Fußstapfen sind gefüllt mit handwerklichem Wissen, soliden Strukturen und einem guten Ansehen der Firma in der Region. Und doch war die erste Zeit im Unternehmen für Sebastian von einigen Hürden geprägt: Corona-Pandemie, Lieferengpässe durch den Ukrainekrieg, steigende Bauzinsen und Inflation. Auch der Fuhrpark ist ständig gewachsen. Heute sind es drei LKWs verschiedener Tonnagen, sowie vier Bagger und vier Radlager und viele Maschinen mehr.

Informationen zum Bauhoffest in Burggailenreuth

Am Sonntag, 21. September, feiert das heutige Bauunternehmen Walter GmbH von 11 bis 16 Uhr auf dem Firmengelände im Ebermannstädter Ortsteil Burggailenreuth 80 anlässlich seines 125-jährigen Betriebsjubiläums mit Festzeltbetrieb ein Bauhoffest, zu dem die gesamte Öffentlichkeit eingeladen ist. Das Bauhoffest beginnt mit einem Weißwurstfrühschoppen, die Blaskapelle Niedermirsberg wird für zünftige Unterhaltung sorgen, für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt und auch sonst gibt es Vieles zu erleben. Zum Beispiel Kutschfahrten, eine Kinderbaustelle oder die Bauhofausstellung.

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