Geld für Forschung
Gegen die Spätfolgen des Virus
Dr. Bettina Hohberger im Gespräch mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der das Modellprojekt „disCOVer“ mit mehr als einer Million Euro fördert.
Dr. Bettina Hohberger im Gespräch mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der das Modellprojekt „disCOVer“ mit mehr als einer Million Euro fördert.
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Erlangen – Bayern treibt die Forschung über die Langzeitfolgen von Covid-19 weiter voran. Gesundheitsminister Holetschek besucht das Erlanger Uniklinikum.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) treibt die Forschung über die Spätfolgen von Corona-Erkrankungen voran. Anlässlich der Übergabe eines Förderbescheids an das Uni-Klinikum Erlangen sagte Holetschek am Freitag, wie aus einer Mitteilung des Ministeriums hervorgeht: „Etwa zehn Prozent aller an Covid-19 erkrankten Erwachsenen kämpfen mit den Spätfolgen. Zu den Symptomen gehören unter anderem Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Erschöpfung. Es fehlen bislang noch diagnostische Möglichkeiten, die Behandlung erfolgt anhand der Symptome. Hier setzt das vielversprechende Projekt des Uni-Klinikums Erlangen an, das Long-Covid diagnostizieren und erfolgreich therapieren will. Wir fördern es mit mehr als einer Million Euro.“

Diagnose und Therapie

Ziel des Modellprojekts „disCOVer“ (diagnosis Long-Covid Erlangen) ist es, mit Hilfe einer Anamnese und innovativer medizinischer Diagnostik drei Long-Covid-Subtypen zu diagnostizieren. Anschließend soll aus insgesamt drei Therapieformen jeweils diejenige ausgewählt werden, die für die Long-Covid-Patienten individuell am besten passt und den größtmöglichen Therapieerfolg verspricht.

Holetschek erläuterte: „Das Projekt kann als einzigartig in ganz Deutschland betrachtet werden, da zum ersten Mal eine objektive Diagnose von Long-Covid erfolgen soll. Wenn das Projekt erfolgreich ist, wird es einen Meilenstein in der Behandlung des Long-Covid- und Post-Covid-Syndroms darstellen. Zudem sollen die Patientinnen und Patienten spezifisch und – erstmalig in Deutschland – ausgehend von der Krankheitsursache behandelt werden, nicht mehr nur symptomorientiert.“

Dazu werden experimentelle und etablierte Ansätze kombiniert. Ebenso kommen modernste Gerätschaften zum Einsatz, etwa bei der Bestimmung physikalischer Eigenschaften von Blutzellen. Und beispielsweise bei der Identifikation von Mustern und systematischen Auffälligkeiten hilft Künstliche Intelligenz (KI).

Bei der Entwicklung innovativer Verfahren zur Diagnose von Long-Covid spielt die Abteilung Biologische Optomechanik des Erlanger Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts (MPL) innerhalb des disCOVer-Projekts eine Schlüsselrolle. Die Forschenden um Direktor Jochen Guck und Postdoc Martin Kräter haben eine Methode namens Echtzeit-Verformungszytometrie entwickelt, mit deren Hilfe sich die physikalischen Eigenschaften von bis zu tausend Blutzellen pro Sekunde messen lassen.

Anschließend erfolgt dann die Analyse der Messdaten durch Methoden des maschinellen Lernens. Diese KI-Algorithmen sollen es ermöglichen, die drei postulierten Long-Covid-Subtypen zu unterscheiden.

Guck erklärte: „Unsere ersten Studienergebnisse sind sehr vielversprechend. Die Zusammenarbeit mit den Versorgungszentren in ganz Bayern hilft uns, die Echtzeit-Verformungszytometrie zu einem Routineverfahren in der Diagnostik weiterzuentwickeln.“

Parallel arbeiten die Wissenschaftler zusammen mit Partnern daran, Mess- und Auswerteverfahren zu verkleinern. Das Ziel: ein Gerät, das eines Tages in jeder Arztpraxis stehen kann und erlaubt, die Diagnose von Long-Covid zuverlässig zu unterstützen.

Privatdozentin Dr. Dr. Bettina Hohberger aus dem Uni-Klinikum Erlangen sagte: „Wir sind sehr dankbar für diese großzügige Förderung, damit wir eine Modellversorgung zur Diagnose- und Therapie von Long-Covid-Patienten auf einer wissenschaftlichen Grundlage aufbauen können, die vielen Long-Covid-Patienten direkt zugute kommt.“

Die Diagnosestellung soll in Erlangen und bayernweit an fünf dezentralen Standorten erfolgen. Die Daten werden anschließend zentral am Universitätsklinikum Erlangen ausgewertet. Im dritten Schritt werden die Patienten einem von drei definierten Therapiewegen zugewiesen. Die Therapiewege sind erstens: Rehabilitation in einer von zwei spezialisierten Reha-Kliniken (Bad Wörishofen, Herzogenaurach). Zweitens: die Auffrischungsimpfung mit einem der aktuell verfügbaren mRNA-Impfstoffe. Drittens: Neutralisierung von Autoantikörpern durch zum Beispiel BC 007.

Minister Klaus Holetschek unterstrich: „Das Wissen aus dem Projekt soll den Grundstein für eine flächendeckende Versorgung der Patientinnen und Patienten legen.“

Am Projekt sind neben der Projektleitung durch das Universitätsklinikum Erlangen auch das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts, das Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin, das Helmholtz-Zentrum München, fünf weitere dezentrale Standorte in Bayern sowie Rehabilitationseinrichtungen beteiligt. Gefördert wird das Projekt im Rahmen der Initiative „Versorgungsforschung zum Post-Covid-Syndrom“, die die Staatsregierung im Juni 2021 mit einem Volumen von fünf Millionen Euro aufgelegt hat, um die Versorgung von Post-Covid-Patienten zu verbessern. red

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: