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Es war Totschlag
Weisendorf erlebte schon 2012 ein Familiendrama
In Erinnerung an die 14-jährige Tote sammeln sich zwei Wochen Kerzen und Blumen vor dem Haus der Familie.
In Erinnerung an die 14-jährige Tote sammeln sich zwei Wochen Kerzen und Blumen vor dem Haus der Familie. // Andreas Scheuerer
Weisendorf – Im Fall der Bluttat in Weisendorf sind neue Details zur Tatwaffe bekannt. Sie reihen sich ein in die Kette der Parallelen zu einer Familientragödie vor fast genau zehn Jahren.

Es sind gelbe Osterglocken, Tannenzweige, Kuscheltiere und dutzende Gedenkkerzen, die seit zwei Wochen vor einem Haus im Osten Weisendorfs Schnee und Regen trotzen. Regelmäßig stellen Bewohner der Gemeinde neue Kerzen in die lange Reihe. Sie erinnern an ein 14-jähriges Mädchen, das hier am Dreikönigstag ihr Leben verlor.

Seitdem hat die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth eine überschaubare Anzahl von Informationen zur Tat veröffentlicht, denn noch sind die Ermittlungen der Kriminalpolizei nicht abgeschlossen.

Fest steht laut der Obduktion, dass die 14-Jährige an Stichen in ihren Kopf und den Oberkörper gestorben ist.

Und fest steht, laut der Staatsanwaltschaft, dass ihr 17-jähriger Bruder dringend tatverdächtig ist, als Beschuldigter seit dem 7. Januar in Untersuchungshaft sitzt und zur Tat keine Aussage macht. Genau wie seine Eltern, die als Angehörige des Verdächtigen das Recht haben, zu schweigen.

Zwei Messer gefunden

Das Motiv und die Hintergründe der Tat müssen die Ermittler also auf anderen Wegen herausfinden. Nun hat die Staatsanwaltschaft neue Details zur möglichen Tatwaffe genannt.

Laut der Sprecherin Antje Gabriels-Gorsolke stellten Polizisten bereits kurz nach der Tat zwei Küchenmesser sicher. Es sei sehr wahrscheinlich, dass eines der Messer oder beide als Tatwaffe verwendet wurden.

Weitere Informationen, etwa zu den Ergebnissen der Spurenanalyse, werden wohl erst veröffentlicht, falls die Staatsanwaltschaft eine Anklage im Fall des Familiendramas erhebt.

Vor zehn Jahren war vieles ähnlich

Die Tragödie am Dreikönigstag weckt wohl bei vielen Weisendorfern Erinnerungen an den ersten Weihnachtsfeiertag im Jahr 2012. Vor fast genau zehn Jahren sorgte in der Gemeinde ein ähnliches Familiendrama deutschlandweit für Entsetzen.

Vor zehn Jahren wurde ein 15-Jähriger in Weisendorf erstochen. Auch damals nahm die Polizei einen Verwandten vor Ort unter dringendem Tatverdacht fest.
Vor zehn Jahren wurde ein 15-Jähriger in Weisendorf erstochen. Auch damals nahm die Polizei einen Verwandten vor Ort unter dringendem Tatverdacht fest. // News5 /Ott

Damals hatte ein 20-Jähriger seinen 15-jährigen Cousin erstochen. Während einer Weihnachtsfeier der Familie waren  die beiden in einem Raum und  kamen in einen Streit. Vor Gericht erklärte der Täter später, dass er sich von seinem Cousin provoziert gefühlt habe.

Schließlich griff er zu einem Klappmesser, das seine Eltern ihm zu Weihnachten geschenkt hatten, und  ging damit auf den 15-Jährigen los. Er verletzte ihn so schwer, dass das Opfer noch am Tatort starb. Die Obduktion ergab  später, dass ein Stich in die Brust die Todesursache war.

Kurze Zeit nach der Tat traf die Polizei am Tatort ein und nahm den 20-Jährigen fest. Wegen des Verdachts auf Totschlag erließ der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Erlangen einen Tag später Haftbefehl gegen ihn. Nach seiner Prüfung durch die Jugendhilfe empfahl diese ein Verfahren nach dem Jugendstrafrecht.

Ein Zeuge entkräftet die Aussage

Mit dem Jugendstrafrecht endet die Kette der Parallelen der beiden Fälle. Denn der 20-Jährige gestand die Tat und die beiden Cousins waren am Abend des 25. Dezembers 2012 nicht allein in dem Raum. Ein 17-jähriger Freund der Familie war ebenfalls vor Ort und sagte schließlich vor Gericht gegen den älteren Cousin aus.

Seine Aussage war maßgeblich für das Urteil, das die Jugendstrafkammer Nürnberg-Fürth im Juli 2013 fällte. Denn der Zeuge gab an, dass der 20-Jährige vor seinem Angriff „So, jetzt stirbst du“ gerufen habe. Damit widersprach er der Aussage des Täters, der den Tod seines Cousins als tragischen Unfall bezeichnete. Er habe mit dem Messer drohen wollen und das Opfer sei im Gerangel „hineingefallen“.

Das nahm ihm der Vorsitzende Richter nicht ab. Er verurteilte den 20-Jährigen zu sechs Jahren Jugendhaft wegen Totschlags und sagte in seiner Urteilsbegründung, der Täter habe den Tod seines Cousins in Kauf genommen. „Für eine Drohung hätte es auch genügt, das Messer nach oben zu halten“, sagte der Richter.

Die Stimmung im Dorf war ähnlich

Die Verurteilung des 20-Jährigen erlaubt keine Prognose auf den Ausgang im  Fall des Weisendorfer Dramas am vergangenen Dreikönigstag. Doch ein Vergleich lässt sich ziehen: beide Taten sorgten in Weisendorf für Entsetzen und Fassungslosigkeit. 

Der jetzige Landrat Alexander Tritthart war 2012 Bürgermeister von Weisendorf. Nach der Tat sagte er dem FT „Es ist furchtbar,  was da passiert ist“. Sein Mitgefühl gelte den Angehörigen beider Familien – der des Opfers und des Täters. „Unvorstellbar, was diese Leute jetzt durchmachen.“

Pfarrer sprachen über die Tragödie in ihren Gottesdiensten und die Weisendorfer zeigten ihre Anteilnahme. Wie sie es auch seit dem Dreikönigstag vor zwei Wochen tun.

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