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Test
Macht die neue VGN-App Bus und Bahn günstiger?
Die App Egon erkennt alle Haltestellen des VGN selbst. In diesem Fall die Paul-Gossen-Straße in Erlangen. Nach dem „Check-In“ des Nutzers werden Umstiege und Endziel automatisch aufgezeichnet.
Die App Egon erkennt alle Haltestellen des VGN selbst. In diesem Fall die Paul-Gossen-Straße in Erlangen. Nach dem „Check-In“ des Nutzers werden Umstiege und Endziel automatisch aufgezeichnet. // Andrea Beck
LKR Erlangen-Höchstadt – Der VGN bietet seit November den neuen Tarif "Egon" an. Er verspricht seinen Nutzern Rabatt und Komfort. FT-Reporterin Andrea Beck macht den Test.

VGN-App „Egon“ einschalten. In den Zug steigen und losfahren, ohne kurz vor Abfahrt zum Fahrkartenautomaten zu rennen oder beim Online-Buchen die richtige Preisstufe zu suchen. Egon erkennt die Route, das Umsteigen und wann das Ziel erreicht wurde. Und schon nach wenigen Fahrten gibt es Rabatt. Wenn alles so funktioniert, wie es soll.

Die neue App für den ebenso neuen E-Tarif, die die Deutsche Bahn-Tochter DB Vertrieb programmiert und an den Verkehrsbund Großraum Nürnberg (VGN) verkauft hat, klingt für eine tägliche Nutzerin des öffentlichen Nahverkehrs wie mich sympathisch.

Also bin ich dem Aufruf des Anbieters gefolgt: der VGN sucht für Egons kürzlich gestartete Pilotphase bis zu 20.000 Test-Nutzer in den kommenden zwei Jahren. Sie können über Textfelder Rückmeldung geben und der VGN will Umfragen dazu durchführen, wie gut die neue Art des Tickets ankommt. Und welche Mängel noch zu beheben sind.

Der Download schmerzt

Egon ist ein sogenanntes Check-In/Be-Out-System. Während ich der App beim Einsteigen Bescheid gebe, muss ich beim Aussteigen nichts machen. Sondern erhalte im Idealfall nach zehn bis 20 Minuten die Nachricht, dass und wo ich ausgestiegen bin. Plus Eintrag in meiner App-„Historie“, in der die Fahrt und der angefallene Preis nun festgehalten sind.

Dann mal los. Das Herunterladen auf mein Smartphone geht anfangs leicht von der Hand. Download und die Funktionen von Egon – der Name setzt sich aus E wie „Elektronisch“ und dem englischen Verb „go“ zusammen – werden übersichtlich erklärt.

Doch mit der Zeit steigt Skepsis in mir auf und das „Weiter“-Klicken fällt schwerer. Denn Egon will alles wissen. Damit ich die App starten kann, braucht es meine Daten, inklusive Geburtstag, meine Adresse, Handynummer, die Vernetzung mit dem Schrittzähler meines Handys, die dauerhafte Standortverfolgung und meine Bankverbindung. Letztere läuft entweder über PayPal oder Kreditkarte.

Falls Egon eine Umsteige-Haltestelle zum Endziel machen will, kann der Nutzer das manuell anpassen.
Falls Egon eine Umsteige-Haltestelle zum Endziel machen will, kann der Nutzer das manuell anpassen. // VGN

Die „gläserne“ Pendlerin

Es leuchtet einigermaßen ein, dass Egon meine Schrittgeschwindigkeit benötigt, um zu wissen, ob ich gerade umsteige oder fahre. Und auch, dass mein Standort immer abrufbar sein muss, weil die App nicht nur läuft, wenn sie geöffnet ist – sondern während der Fahrt meist im Hintergrund. Doch das Installieren der App macht mir wieder einmal schmerzlich bewusst, wie „gläsern“ ich durch mein Smartphone bin.

Und obwohl Egon uns Nutzern versichert, dass die Standorte nicht gespeichert und die Daten nur anonymisiert an ein Marktforschungsunternehmen weitergegeben werden, bleibt die ungute Gewissheit: keine Daten sind unantastbar.

Der VGN will seine Kunden beruhigen. Der Bund halte alle gesetzlichen Vorschriften ein und habe Egon von mehreren Datenschutzbeauftragten prüfen lassen. „Doch ohne die Daten der Nutzer können wir die App nicht anbieten und auch nicht weiterentwickeln“, sagt Manfred Rupp, Pressesprecher des VGN. „Sensible Kundendaten“ – wie etwa die Handynummer – seien von der Weitergabe ausgeschlossen.

Bereits 8000 Freiwillige

Trotz meiner Bedenken klicke ich auf „Weiter“. Das Interesse an der App siegt, mit dem Wissen im Hinterkopf, dass durch die Nutzung von Online-Shops und Fitness-Funktionen per Smartphone mein Datenschutz-Kind sowieso schon in den Brunnen gefallen ist.

Mir gleich tun es bereits rund 13.000 Egon-Nutzer. Das heißt, der VGN wird sein Ziel von 20.000 Probanden wohl in seiner Pilotphase erreichen.

Meine erste Fahrt mit Egon ist zugegebenermaßen bereits eine anspruchsvolle Prüfung für die neue App. Von einem Bus in den anderen, zur S-Bahn nach Nürnberg und von dort mit dem Regionalexpress Richtung Forchheim. Also vier Verkehrsmittel und drei Mal umsteigen, inklusive einer längeren Wartezeit am Nürnberger Hauptbahnhof.

Aller Anfang ist schwer

Der Start klappt gut. Egon erkennt die Bushaltestelle und nach dem Check-in – für diesen schiebe ich einen kleinen Balken mit der Aufschrift „kostenpflichtig!“ nach rechts ,– beginnt mein Standort-Punkt über die Stadtkarte zu wandern. Danach lasse ich die App im Hintergrund laufen und denke nicht weiter an mein mobiles Ticket.

Bis im Regionalexpress das wohl bekannte „Guten Tag, Ihre Fahrscheine bitte“, durch den Gang schallt. Also schnell her mit Egon, der dem Personal durch die Funktion „Ticket anzeigen“ die aktuelle Fahrt zum Scan präsentiert. Der Nutzer ist dafür verantwortlich, dass sein Internet funktioniert und der Akku durchhält, ansonsten sind 60 Euro Strafzahlung fällig.

Als ich die App öffne, fährt mir der Schreck durch die Glieder: Offensichtlich hat sich Egon bereits nach meinem Umstieg in die S-Bahn ausgeklinkt – in meiner Historie sind die Busfahrten gespeichert, doch seitdem bin ich ohne Ticket unterwegs. Wenige Sekunden bevor die Schaffnerin bei mir ist, checke ich mich wieder ein und harre dem Scannen.

Noch mal Glück gehabt

Denn dass meine Fahrt mitten auf einem Acker zwischen Baiersdorf und Kersbach begonnen hat, könnte der Technik vielleicht auffallen. Tut es aber nicht. Die Schaffnerin zieht weiter und da Egon Forchheim nach meinem Ausstieg nicht als Endhaltestelle erkennt, erzwinge ich das Ende der Aufzeichnung per Klick.

Das Fazit der Premiere: Statt einem Ticketpreis von 10,88 Euro wird Egon mir für diese Fahrt 1,50 Euro für den Bus berechnen. In das Feld für Rückmeldungen könnte ich jetzt schreiben, dass die Aufzeichnung nicht geklappt hat und ich zu wenig zahlen werde –, aber so schlecht ist mein Gewissen gegenüber dem VGN dann doch nicht.

Doch was wäre eigentlich passiert, wenn ich die missglückte Aufzeichnung nicht rechtzeitig bemerkt hätte? „In der Anfangszeit werden die Schaffner noch Nachsicht mit Egon-Nutzern haben, wenn etwas nicht funktioniert. Sie wissen ja, dass die App neu ist“, sagt Jens Lauterbach, der Egon im Technik-Team der Firma PB Consult Nürnberg an den Verkehrsraum des VGN angepasst hat. Sein Wort in des Schaffners Ohr.

Bis zum Rabatt dauert es nicht lange

Nach der ersten Fahrt ist mein Vertrauen in Egon nicht besonders groß, doch die App stimmt mich in den anschließenden Tagen um. Die Fahrten mit nur einem Umstieg – von der U-Bahn in den Regionalexpress – sind Egon offensichtlich lieber. Alle Haltestellen und Fahrtzeiten sind korrekt in meiner Historie gelistet, ich werde automatisch ausgecheckt und bereits nach der dritten Fahrt steht die schöne Zahl 50 in meiner Übersicht.

Denn Egon ist nicht nur eine App, er ist auch ein neuer Tarif. Er setzt sich anfangs aus einem Tagesgrundpreis von einem Euro und dem Kilometerpreis von 24 Cent zusammen.

Da meine Gesamtausgaben inzwischen aber mehr als zwölf Euro betragen, kosten mich sowohl der Grundpreis als auch die Kilometer in den kommenden drei Wochen die Hälfte. Falls ich die 72 Euro-Grenze überschreite, wird die Fahrt um 75 Prozent billiger. Wer die Maximalgrenze von 220 Euro erreicht, fährt anschließend kostenlos.

Abgerechnet wird bei Egon nicht mehr nach Haltestellen und Tarifzonen, sondern nach der Luftlinie, die das Handy durch die Standort-Freigabe berechnet.

Ab einem Fahrpreis von insgesamt zwölf Euro – also laut VGN nach durchschnittlich vier Fahrten – kosten die folgenden Fahrten die Hälfte.
Ab einem Fahrpreis von insgesamt zwölf Euro – also laut VGN nach durchschnittlich vier Fahrten – kosten die folgenden Fahrten die Hälfte. // VGN

Egon lohnt sich nicht für alle

Während eines Zeitraums von 31 Tagen addiert die App die Ausgaben und zieht den Rabatt ab. Nach diesen 31 Tagen wird die Summe vom Konto abgebucht und das Spiel beginnt von Neuem – meine 50 Prozent Rabatt gelten also nicht für immer, sondern bis Januar.

Ob sich der E-Tarif lohnt, hängt von den eigenen VGN-Fahrten ab. Laut dem Verkehrsbund lohnt sich Egon im Durchschnitt ab der vierten Fahrt. Die erste Fahrt ist durch den Tagesgrundpreis in jedem Fall teurer.

Wer allerdings für sein Monatsticket – das weiterhin verfügbar bleibt – weniger zahlt, als er nach 31 Tagen mit Egon ausgeben würde, hat keinen Vorteil durch den E-Tarif.

Wenn eines Tages das 49-Euro-Ticket kommen sollte, – wann auch immer das sein mag – lohnt sich Egon für die VGN-Nutzer, die monatlich unter 49 Euro für den ÖPNV ausgeben.

Mein Fazit: Egon ist für die Generation Smartphone eine komfortable App, die noch mehr überzeugen wird, wenn alle Fehler beseitigt sind. Und nach den ersten 31 Tagen werde ich den Taschenrechner rausholen.

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