Prozession mit Waffen
Fronleichnam: Brauch in Wallenfels löst Debatte aus
Kein Verzicht auf Waffen und Uniformen in Wallenfels.
Kein Verzicht auf Waffen und Uniformen in Wallenfels.
Foto: Maria Löffler
Wallenfels – Eine Prozession mit Soldaten und Gewehren angesichts des Ukraine-Kriegs: Muss das sein? Auf Facebook hatte das für eine hitzige Diskussion gesorgt.

Schweißperlen sammelten sich auf der Stirn von Dominik Stumpf, jüngstes Mitglied des Wallenfelser Stadtrats. Er schwenkte während der Fronleichnamsprozession die Fahne auf der Schwedenbrücke. Gefühlt ruhte deshalb auf seinen Schultern die Zukunft des Ortes.

Das muss man wahrscheinlich erklären, denn falls die Fahne sich bei all dem Geschwenke übers Brückengeländer verheddert, dann geht der Ort laut einer Legende schlechten Zeiten entgegen. Angeblich droht Wallenfels der Krieg, falls das geschieht. Ganz schön viel Verantwortung also für den jungen Stadtrat. Aufgeatmet, weil alles glattgegangen war, haben sicher auch seine beiden Furiere Oskar Mähringer und Moritz Müller, denen der Ernst der Lage schon vorher ins Gesicht geschrieben stand.

Dominik Stumpf schwenkte gekonnt die Schwedenfahne.
Dominik Stumpf schwenkte gekonnt die Schwedenfahne.
Foto: Maria Löffler

Doch das Schwenken der Schwedenfahne war nicht der eigentliche Aufreger der diesjährigen Prozession. Der spielte sich schon vorher in den sozialen Medien ab. Die Diskussion um „Alte Bräuche“ war entflammt. Laut Bürgermeister Jens Korn fragten sich sogar „eingefleischte Wallenfelser, ob man angesichts des Krieges in der Ukraine mit Uniformen, Gewehren, Säbeln und Böllerschüssen eine christliche Prozession begleiten kann.“

Diese Äußerung führte zu heftigen Diskussionen. Die überwiegende Mehrheit der Facebook-User zu unserem Beitrag ist allerdings der Meinung, dass man die Finger von alten Traditionen lassen solle. Wir haben die gefragt, die das zu entscheiden haben und bei der Kirche angefangen, genauer bei Pater Jan Poja von der Katholischen Pfarrei St. Thomas in Wallenfels.

„Verkleidete“ Teilnehmer

Für ihn waren alle Teilnehmer, egal in welcher Uniform, einfach Mitglieder seiner Pfarrgemeinde. Genau besehen, seien ja auch zum Beispiel die Messdiener verkleidet gewesen, oder die Kommunionkinder. Wörtlich sagte er: „Die Soldatenkameradschaft ist ein Teil der Prozession. Das war sie schon vor meiner Zeit hier in Wallenfels. Sie verschönert den Verlauf des Festes durch ihre Anwesenheit. Dafür, wie sie sich anziehen, fühle ich mich nicht so sehr zuständig.“ Und die Waffen, die Teil der Uniform seien, wären schließlich nur Requisiten und nicht für den Kriegseinsatz gedacht.

Und er gab zu bedenken, dass man bei Auslandseinsätzen der UNO, an denen ja auch deutsche Soldaten teilnehmen würden, stets auch den kirchlichen Segen erteilen würde. „Und niemand regt sich darüber auf“, stellte er fest.

Kein Militarismus

Laut Jens Korn seien schon im Vorfeld der Prozession Menschen auf ihn, die Kirche und die Soldatenkameradschaft zugegangen und hätten gefragt, ob Uniformen und Waffen nicht total aus der Zeit gefallen seien. Aber er stellte unmissverständlich klar: „Die Fronleichnamsprozession hat nichts mit Militarismus zu tun und schon gar nichts mit einer Waffenschau. Die Prozession ist getragen vom Wunsch nach Frieden.“

Aber natürlich sei die Diskussion darum völlig legitim, räumt er ein. „Diskutieren macht den Blick dafür frei, den Kern des Ganzen zu erkennen.“ Bei Traditionen ginge es nicht nur darum, die Asche zu bewahren, sondern vielmehr darum, das Feuer weiterzutragen.

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Befeuert hatte dieses Thema auch die Diskussion auf Facebook. „Lasst die Tradition in Ruhe. Finger weg vom Brauchtum“, lautete einer der vielen Kommentare, unterstrichen durch Ausrufezeichen.“ Der allgemeine Tenor ging genau in diese Richtung, mit unterschiedlichster Begründung. Wind aus entgegengesetzter Richtung war nur wenig zu spüren, aber mit dem ging man von heftig, über persönlich bis beleidigend um. Was schade sei, denn Demokratie sollte ja auch die Meinungsvielfalt schützen und bewahren, wie auch Bürgermeister Jens Korn deutlich machte.

Möchte man die Diskussion zusammenfassen, dann war die Mehrheit dafür, alles einfach so laufen zu lassen, wie es gerade ist.

Ein Zeichen des Friedens

Und zu dieser Aussage passt auch die des Hauptmanns und Vorsitzenden der Soldatenkameradschaft in Wallenfels, Christopher Zeuß. Schon im Vorfeld habe man sich natürlich Gedanken gemacht, ob man es in Anbetracht der aktuellen Situation, also dem Ukraine-Krieg, bei den Uniformen und Waffen belassen sollte. „Und wir kamen übereinstimmend zum Ergebnis, dass wir damit sogar ein Zeichen des Friedens setzen. Wir fühlen uns mit der Ukraine verbunden und wir sehen uns als Friedenskompanie.“ Und diese Entscheidung habe man natürlich in enger Abstimmung mit Stadt und Kirche getroffen.

Die Diskussion um dieses Thema in den sozialen Medien könne er so nicht nachvollziehen. „Diese Tradition ist schon hunderte von Jahren alt, man kann sie gar nicht so einfach auflösen, dann müsste man nämlich auch den Verein auflösen.“ Am Ende sah Zeuß sich bestätigt: „Der Tag hat uns recht gegeben. Wir hatten so viele Besucher, die nicht aus Wallenfels kamen und wir bekamen durchweg nur positive Rückmeldungen.“

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