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Krise in Coburg
Wie geht’s weiter mit dem Samba-Festival?
Samba-Festival CoburgSamba-City Coburg: Aufbau beginnt
Immer am zweiten Wochenende im Juli wird Coburg zu „Samba-City“. // Daniel Vogl
Coburg – Die Kosten „explodiert“ und die Reserven nach zwei Corona-Jahren „aufgezehrt“: Die Veranstalter des Festivals räumen ein, dass die Insolvenz gedroht hat. Mit Hilfe der Stadt und einem „angepassten Konzept“ geht es nun aber weiter.

Beim Samba-Festival geht es in Coburg immer heiß her. Noch heißer waren in diesem Jahr allerdings die drei Wochen nach dem Festival. Denn in dieser Zeit kämpfte die Sambaco GmbH als Veranstalter ums Überleben. „Es drohte tatsächlich eine Insolvenz“, heißt es in einer Pressemitteilung, die von Sambaco am Montag verschickt wurde. Außerdem wird in der Pressemitteilung „dem Stadtrat und der Stadtspitze“ gedankt. Denn am Freitag vergangener Woche war Sambaco sozusagen von höchster Stelle gerettet worden: Der Feriensenat, der während der Sommerpause den Stadtrat vertritt, bewilligte einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 100.000 Euro an Sambaco.

„Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen“, sagte Sambaco-Geschäftsführer Rolf Beyersdorf am Montag dem Tageblatt. Dank der kurzfristigen Hilfe der Stadt könne nun wieder zuversichtlich nach vorne geschaut und das 2024er Festival geplant werden.

Weniger Gruppen, weniger Top-Stars?

In der besagten Pressemitteilung ist die Rede davon, dass das Konzept den Festivals den „neuen Voraussetzungen angepasst“ werden müsse. Aber was heißt das konkret? Wird das Festival kleiner? Werden vielleicht weniger Top-Stars aus Brasilien geholt? „Nein“, sagt Rolf Beyersdorf, „wir wollen das Festival nicht verringern, sondern verändern.“ Natürlich könnten auch bei den teilnehmenden Gruppen Kosten eingespart werden. Im Vergleich zur Zeit vor Corona hätte es hier aber ohnehin schon eine Reduzierung gegeben: Kamen früher immer 100 Gruppen zum Festival, so waren es heuer nur knapp 70.

Dazu muss man wissen: Diese Gruppen treten zwar ohne Gage auf, aber Sambaco übernimmt die Verpflegung der Gruppen während des Samba-Wochenendes. 30 Gruppen weniger kann also bedeuten, dass für bis zu 600 Menschen weniger ein Frühstück sowie weitere Snacks am Mittag und Abend bezahlt werden müssen.

Seit 1992 wird immer am zweiten Wochenende im Juli  in Coburg das Samba-Festival gefeiert.
Die besten Veranstaltungen vom 11. bis 13. Juli im Überblick. // David Ebener

Was das Budget für die weitaus kostspieligen Top-Stars aus Brasilien betrifft, sagt Rolf Beyersdorf, dass es zuletzt sogar niedriger gewesen sei als noch 2016 oder 2017. „Oft verpflichten wir bestimmte Künstler nur noch dann, wenn sie ohnehin gerade auf Europa-Tour sind.“

Aber wo gibt es Einsparpotenzial? Unter anderem in der Logistik. Rolf Beyersdorf verweist darauf, dass es bereits beim 2023er Festival weniger Einlässe zum Festivalgelände gab. Dadurch wurde weniger Kassenpersonal benötigt.

Was ansonsten noch möglich ist, werde in den nächsten Monaten – auch in Rücksprache mit der Stadt – besprochen.

Das Coburger Samba-Festival ist inzwischen das größte Samba-Festival außerhalb von Brasilien.
Das Coburger Samba-Festival ist inzwischen das größte Samba-Festival außerhalb von Brasilien. // Archiv / Albert Höchstädter

Darüber, dass eine Rettung von Sambaco gelungen ist, freut sich allen voran auch Horst Graf. „Ich bin froh, dass sich die Politiker so entschieden haben und Sambaco unter die Arme greifen“, sagte der Betriebsleiter von Coburg Marketing dem Tageblatt. Denn: „Das Samba-Festival hat eine unendliche Strahlkraft! Es ist eines unserer Aushängeschilder.“ Wenn er auf Messen unterwegs sei, so Horst Graf, werde Coburg sehr oft gleichgesetzt mit Samba – „oder mit einer großen Versicherung.“

„Samba-City am Leben erhalten“

Die Probleme, mit denen sich Sambaco konfrontiert sieht, kann Horst Graf durchaus nachvollziehen: stagnierende Einnahmen bei stark steigenden Kosten. In der Pressemitteilung von Sambaco ist gar von „explodierenden Kosten“ die Rede. Die GmbH sei deshalb unmittelbar nach dem 2023er Festival in eine „finanzielle Schieflage“ geraten. Deshalb sei „schneller Handlungsbedarf“ nötig gewesen, um das Samba-Festival und somit auch Coburg als „Samba-City“ am Leben zu erhalten.

Sämtliche Rücklagen, die Sambaco hatte, wurden laut Pressemitteilung während der Corona-Pandemie „aufgezehrt“. Mehr noch: Man habe noch zusätzlich Überbrückungskredite aufnehmen müssen, „um das Festival über diese schwere Zeit zu retten“. Somit habe sich die Ausgangslage bereits im Herbst 2022 als „äußerst schwierig“ dargestellt: „Uns war bewusst, dass die aktuellen Kosten nicht mehr mit den Kosten wie vor der Pandemie vergleichbar sind.“

Sponsoring nicht unumstritten

Zum einen habe man daraufhin versucht, die Ausgaben „so zu reduzieren, wie es nur irgendwie möglich war“. Zum anderen sei man schon seit Anfang November 2022 mit der Stadt Coburg „im Gespräch“ gewesen. In der Pressemitteilung heißt es dazu: „Nach jahrzehntelanger guter Zusammenarbeit war unser erster Ansprechpartner also die Stadt Coburg.“ Außer der jetzt gewährten Finanzspritze in Höhe von 100.000 Euro zahlt die Stadt Coburg ja auch einen hohen fünfstelligen Betrag als Sponsoring pro Festival. Aber auch dieses Sponsoring ist im politischen Raum nicht ganz unumstritten – so, wie jetzt auch der 100.000.-Euro-Beschluss im Feriensenat nicht einstimmig gefallen ist.

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