Das gab’s noch nie! Die Stadt Coburg verwehrte in diesem Jahr dem Coburger Convent (CC) die Nutzung des Rathauses und damit vor allem auch des Rathausbalkons. Von dort wird normalerweise am Ende des Fackelzugs und zugleich Höhepunkt der Feierstunde eine Rede gehalten.
Trick war schon lange geplant
Noch am vergangenen Freitag hatte CC-Pressesprecher Martin Vaupel die Bedeutung dieses Rathaus-Verbots versucht herunterzuspielen: Ob die Rede bei der Feierstunde am späten Abend des Pfingstmontags vom Balkon des Rathauses gehalten werde oder von einem Podium davor, sei „letztlich egal“, sagte er bei einem Pressegespräch. Dabei muss zu diesem Zeitpunkt längst fest gestanden haben, dass dieses Rathaus-Verbot mit einem raffinierten Trick nahezu umgangen werden kann.
Montagabend, kurz nach 23 Uhr: Plötzlich brandet lauter Jubel auf dem Marktplatz auf. Denn erst jetzt sehen und kapieren sowohl die CC-Mitglieder als auch die Zuschauer, was sich die Organisatoren haben einfallen lassen.
Beim vermeintlichen Redepodest, das unter dem Rathausbalkon aufgebaut wurde, handelte es sich in Wahrheit um eine Hebebühne! Sie war dekoriert mit einem Banner, das die die Aufschrift trug: „153. Pfingstkongress – Coburger Convent 2022 – Auf Anhieb Freunde treffen“.
Die Hebebühne wurde so weit nach oben gefahren, bis sie die Höhe des Rathausbalkons erreicht hatte. Sprich: Redner Alexander Kliesch von der präsidierenden Landsmannschaft Brandenburg hatte praktisch die gleiche Position wie seine Vorredner in den vergangenen Jahrzehnten.“
Fackelzug des Coburger Convents
„Der Coburger Convent hat sich verändert“
In seiner Rede ging Kliesch dann vor allem darauf ein, dass es mittlerweile viele CC-Mitglieder gebe, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Er begrüßte das ausdrücklich und sagte: „Deutschland ist internationaler und so auch vielfältiger geworden, und der Coburger Convent hat sich dementsprechend auch verändert und weiterentwickelt.“
Ebenso betonte der Redner, dass der Coburger Convent und seine Mitgliedsbünde „überparteilich“ seien. Selbstverständlich stehe es aber jedem einzelnen Verbandsbruder trotzdem frei, sich politisch zu engagieren – solange diese Betätigung mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung und den daraus resultierenden Normen vereinbar sei.
„CC-Bünde für alle Studenten attraktiv“
Dieses „Toleranz-Prinzip“, so Kliesch, sowie „der unbedingte Wille aller Brüder zu Freundschaft und
gegenseitiger Achtung und Hilfe“ würden die Mitgliedschaft in den Bünden des CC für alle Studenten attraktiv machen – und zwar für alle Studenten „gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion oder was auch immer die Menschen unterscheidet“.
Wunsch an die Stadt Coburg
So kam Kliesch zu dem Fazit: „Wir würden uns deshalb freuen, wenn unsere politische Neutralität, unsere Vielfältigkeit, unsere Weltoffenheit und unsere Integrationsleistung weiterhin von der Coburger Politik unterstützt würde. Eine Unterstützung, wie sie die Coburger Bevölkerung seit 150 Jahren und auch dieses Jahr zeigt und welche dazu führt, dass wir uns nicht nur dieses Jahr, sondern auch in Zukunft in Coburg willkommen fühlen dürfen.“
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