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Dachstuhl brennt
Feuer in der Coburger Altstadt: Das weckt böse Erinnerungen
Coburg: Feuerwehreinsatz bei Brand in historischer Altstadt
Rauch dringt aus der Wohnung im vierten Stock. // Foto: Jonas Christmann
Coburg – In einem Mehrfamilienhaus in der Judengasse ist am Freitagmittag ein Feuer ausgebrochen. Zeugen und Passanten erinnern sich deshalb an einen verheerenden Großbrand vor 13 Jahren. Eindrücke vor Ort.

Der Ruß, der Qualm, der Brandgeruch, die Erinnerung. „Das war sehr schlimm. Das war kaum auszuhalten“, berichtet das Ehepaar Neumann aus Bertelsdorf. Eigentlich wollten die beiden am Freitag gegen 12 Uhr zur Sparkasse am Coburger Marktplatz gehen. Doch dann wurden sie Zeugen, wie ein Auto der Feuerwehr samt Drehleiter in die Judengasse eilte und wie sich dunkler Qualm ausbreitete. Laut der Polizei war dort ein Feuer im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses ausgebrochen. Der Brand entstand in der Wohnung einer Seniorin.

Dachstuhlbrand in der Coburger Judengasse

Feuerwehrleute brachen daraufhin eine Wohnungstür im obersten Stockwerk des Hauses auf und löschten das Feuer. Parallel evakuierten Beamte der Polizeiinspektion Coburg die benachbarten Anwesen. Sie konnten verhindern, dass die Flammen auf andere Wohnungen übergriffen, sagte später Sebastian Sorge von der Coburger Feuerwehr. Dem Pressesprecher zufolge waren 30 Feuerwehrleute im Einsatz. Der Verkauf landwirtschaftlicher Produkte am Marktplatz musste abgebrochen und das Gelände weiträumig abgesperrt werden.

Coburger Marktplatz gesperrt.
Die Polizei hat den Marktplatz abgesperrt. // Foto: Jonas Christmann

Judengasse: Brandursache weiterhin unklar

Laut einem Update der Polizei (14:40) erlitten drei Personen infolge des Brandes jeweils eine leichte Rauchgasvergiftung. Die Brandursache war bis zum Freitagabend noch unklar.

In dem Gebäude befinden sich in den unteren Geschossen gewerblich genutzte Räumlichkeiten, in denen es vor allem durch das Löschwasser zu Sachschäden kam. Wie Sebastian Sorge bestätigte, konnte der Brand vollständig gelöscht werden. Die Nachlöscharbeiten dauerten am frühen Freitagabend aber noch an. 

Erinnerungen an den Großbrand

Am Ende konnte also tief durchgeatmet werden. Denn grundsätzlich ist es ja so: Wenn es in der Coburger Altstadt brennt, schrillen bei der Feuerwehr – im wahrsten Sinne des Wortes – alle Alarmglocken. Denn speziell in den Gassen rund um den Marktplatz sind die Häuser sehr eng aneinander gebaut. Flammen können sich also in Windeseile auf Nachbargebäude ausbreiten.

Brand in der Herrngasse in Coburg 2012
Beim Brand in der Herrngasse beobachtete die Feuerwehr von der Morizkirche aus. // Michael Stelzner

Der Großbrand von Pfingsten 2012

So war es ja auch an Pfingsten 2012, als nachts im Gebäude Herrngasse 12 ein Feuer ausbrach. In der jüngeren Stadtgeschichte Coburgs gab es keinen schlimmeren Brand in der Altstadt als diesen. Dank des schnellen Einsatzes von mehr als 300 Feuerwehrleuten konnte zwar eine noch größere Katastrophe verhindert werden. Dennoch war am Ende ein massiver Schaden zu beklagen: Es gab 13 Verletzte sowie acht Gebäude, die zum Teil schwer beschädigt waren.

Auch das Ehepaar Neumann aus Bertelsdorf erzählt, dass sie am Freitag sofort an den schrecklichen Großbrand von 2012 in der Herrngasse denken mussten, als sie den Qualm rochen und sahen, wie Feuerwehr-Einsatzkräfte in die Judengasse eilten. Sie waren damals nicht in der Stadt, als es passierte. „Aber – das behält man im Hinterkopf.“

Brand in der Judengasse
Ein Feuerwehrmann steigt von einer Drehleiter auf ein Gebäudedach in der Judengasse. Dort hat es gebrannt. // Foto: Jonas Christmann

Direkt neben dem Ehepaar steht Susanne Schulz aus Untersiemau. Auch sie kam heute Mittag nicht mehr durch am Marktplatz, nachdem die Coburger Polizei alles abgeriegelt hatte. Und auch sie musste sofort an die Ereignisse von damals in der Herrngasse denken. Ein Freund ihres Sohnes habe damals in einem der Häuser gewohnt, erzählt sie. „Er musste damals ausziehen – vor lauter Ruß und Rauch.“ 

Eine Herrngasse 2.0 –  davor habe sich auch Sebastian Sorge von der Feuerwehr Coburg gefürchtet. „Zum Glück haben wir diese Gefahr gebannt.“ 

Millionenspende von Michael Stoschek und Christine Volkmann

Unvergessen im Zusammenhang mit dem 2012e Brand in der Herrngasse ist auch die spontane Hilfsaktion von Michael Stoschek und seiner Schwester Christine Volkmann: Die Löscharbeiten waren noch gar nicht beendet, da kündigten die beiden eine Spende in Höhe von fünf Millionen Euro an. Mit dem Geld sollte damals den Betroffenen geholfen worden.

Weil letztlich aber vieles von Versicherungen übernommen wurde, musste die Spende gar nicht in voller Höhe in Anspruch genommen werden. Das nicht benötigte Geld wurde daraufhin – auf Wunsch von Michael Stoschek – für die Sanierung vieler weiterer denkmalgeschützter Häuser in Coburg verwendet.

Auch in der Judengasse, wo nun am Freitag ein Feuer diese bösen Erinnerungen an Pfingsten 2012 wieder wach werden ließen.

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