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Baldiger Bau in Sicht?
Forchheims Megaprojekt: Das wird aus der Ostspange
Seit 42 Jahren wird bereits über die Ostspange diskutiert. Genauso lange wollen Gegner sie verhindern und verkehrsgeplagte Anwohner endlich haben. Eine schnelle Lösung scheint weiter nicht in Sicht.Forchheim & Fränkische Schweiz
Seit 42 Jahren wird bereits über die Ostspange diskutiert. Genauso lange wollen Gegner sie verhindern und verkehrsgeplagte Anwohner endlich haben. Eine schnelle Lösung scheint weiter nicht in Sicht. // Stephan Großmann
Forchheim – Lange ist es still geworden um die geplante Umfahrung im Forchheimer Süden. Kommt nun Bewegung in die Planung der Mega-Baustelle? Die Antwort erfreut wohl niemanden.

Genervt sind sie, hüben wie drüben.

Jene, welche die Blechlawine vor ihren Schlafzimmerfenstern nicht mehr ertragen wollen, die sich Tag und Nacht über die B 470 durch den Forchheimer Osten und Gosberg quält. Sie haben den Lärm satt, die Abgase, die Angst vor Unfällen.

In Gosberg leiden die Anwohner, ähnlich wie im Forchheimer Osten, unter den Zehntausenden Fahrzeugen Tag und Nacht.Forchheim & Fränkische Schweiz
In Gosberg leiden die Anwohner, ähnlich wie im Forchheimer Osten, unter den Zehntausenden Fahrzeugen Tag und Nacht. // Stephan Großmann

Die Ostspange muss endlich her, sagen sie. Genervt sind auch jene, die sich um ihr Wiesenttal sorgen. Um die Wässerwiesen, die Wiesenbrüter, den gesamten Naturraum.

Die Ostspange darf niemals kommen, sagen sie.

Entlang der jetzigen Verkehrsführung zwischen Forchheim-Süd und Reuth haben die Ostspangen-Gegner viele Plakate angebracht.Forchheim & Fränkische Schweiz
Entlang der jetzigen Verkehrsführung zwischen Forchheim-Süd und Reuth haben die Ostspangen-Gegner viele Plakate angebracht. // Stephan Großmann

Ruhe und Frieden contra Artenschutz, ausreichend Infrastruktur contra Naturerhalt – wer wird als strahlender Sieger vom Feld gehen?

Ostspange Forchheim steht im Bundesverkehrswegeplan 2030

Die aktuelle Antwort auf diese Frage wird beide Seiten nicht zufriedenstellen.

Das umgangssprachlich als Ostspange bezeichnete Vorhaben steht nach wie vor als „vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan 2030. Fest eingeplant von oberster Stelle aus, zumindest theoretisch lieber gestern als morgen umzusetzen. Die Gegner ächzen.

Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist die Ostspange als „vordringlicher Bedarf“ aufgeführt.Forchheim & Fränkische Schweiz
Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist die Ostspange als „vordringlicher Bedarf“ aufgeführt. // Foto: Stephan Großmann

Aber in diesem Plan des Berliner Verkehrsministeriums taucht die Forchheimer Südumfahrung bereits seit 1971 auf.

Während Burker und Buckenhofener seit Freigabe der Westumfahrung 2011 verkehrsberuhigter aufatmen können, tut sich auf im 6,9 Kilometer langen Ausweichroutenplan von Forchheim-Süd über Gosberg bis nach Reuth weiter nichts. Auch die Befürworter ächzen.

Staatliches Bauamt Bamberg: Vorzugsvarianten immer noch nicht klar

„Wir befinden uns in der Phase der Voruntersuchung, in der verschiedene Varianten betrachtet, bewertet und verglichen werden. Diese Phase schließt in der Regel mit der Wahl einer Vorzugsvariante ab, die im nächsten Schritt – im sogenannten Vorentwurf – im Detail ausgeplant wird“, teilt das für die Planungen zuständige Staatliche Bauamt in Bamberg auf FT-Anfrage mit.

Ein Blick in die Archive verrät, dass man zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich schon viel weiter sein wollte.

Die Baubehörde entschuldigt das so: „Die Ortsumfahrung befindet sich in einem sensiblen Naturraum. Daher ist der Untersuchungsraum für die naturschutzfachlichen Erhebungen groß.“

So könnte die Trasse verlaufen – abschließend geklärt ist dies aber noch nicht.Forchheim & Fränkische Schweiz
So könnte die Trasse verlaufen – abschließend geklärt ist dies aber noch nicht. // Grafik: Franziska Schäfer

Aktuell laufe also noch immer Schritt eins, die Planungsraumanalyse, welche die Anforderungen an die naturschutzfachlichen Erhebungen festlegen soll.

„Bürgerinitiative für eine Südumfahrung von Forchheim“ seit 1991 aktiv

Solch ein Tempo wünschen sich die verkehrsgeplagten Anwohner entlang der B 470 höchstens auf ihrer Straße.

„Die Notwendigkeit der Umgehung steht außer Frage“, sagt Johannes Heinlein, einer der Sprecher der „Bürgerinitiative für eine Südumfahrung von Forchheim“.

Die „Bürgerinitiative für eine Südumfahrung von Forchheim“ macht auch mit Plakaten auf ihr Leid aufmerksam.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die „Bürgerinitiative für eine Südumfahrung von Forchheim“ macht auch mit Plakaten auf ihr Leid aufmerksam. // Stephan Großmann

Klar hätte er alternativ gerne einfach weniger Verkehr; aber das sei unrealistisch, wie aktuellste Zählungen zeigen. Heinlein und seine Mitstreiter wären zu Kompromissen bereit, sagt er. Aber es solle endlich etwas passieren.

Bürgerinitiative pro Wiesenttal ohne Ostspange: „Ostspange nicht zukunftsfähig“

Auch für Lidwina Mack ist das Thema längst nicht abgehakt. Die geplante Ostspange sei für sie nicht mehr zukunftsfähig, sagt die Sprecherin der „Bürgerinitiative pro Wiesenttal ohne Ostspange (Biwo)“.

Lidwina Mack von der „Bürgerinitiative pro Wiesenttal ohne Ostspange“Forchheim & Fränkische Schweiz
Lidwina Mack von der „Bürgerinitiative pro Wiesenttal ohne Ostspange“ // FT/Mack

Die Fakten sprächen gegen einen Bau, auch weil der einen unwiederbringlicher Eingriff in das Untere Wiesenttal mit sich brächte und Lärm verursachte, der die Lebensqualität für Bewohner verringerte und ebenfalls für den Tourismus nicht förderlich wäre.

„Eine Notwendigkeit, wie sie uns seit Jahrzehnten vorgegaukelt wird, gibt es nicht mehr. Im Gegenteil, die Ostspange würde noch mehr Verkehr anziehen“, sagt Mack.

„Quatsch“, entgegnet Heinlein. „Neue Wege erzeugen nicht mehr Verkehr – gibt es aber mehr Verkehr, braucht es neue Wege.“

Was sagt Landrat Hermann Ulm zur Südumfahrung Forchheims?

Die Differenzen der beiden Lager scheinen unüberwindbar. Dabei müsste eigentlich gar nicht mehr von einem „Ob“ die Rede sein. Landrat Hermann Ulm: „Dass die Ostspange kommt, ist in demokratischen Prozessen entschieden worden“.

In allen Gremien, zum Beispiel Forchheims Stadtrat und im Kreistag, habe man das Bauvorhaben durch Mehrheitsbeschlüsse befürwortet. „Entscheidend ist nun aber das Wie“, sagt Ulm. Einen vierspurigen Ausbau etwa sehe er persönlich nicht als notwendig an.

Ob die Umfahrung kommt, bezweifeln viele nicht. Das Wie entscheide.Forchheim & Fränkische Schweiz
Ob die Umfahrung kommt, bezweifeln viele nicht. Das Wie entscheide. // Stephan Großmann

Härter geht Forchheims Grünen-Bundestagsabgeordnete Lisa Badum mit den Planungen ins Gericht. „Wir halten das Projekt für schädlich. Es wäre gut, wenn das auch die politischen Gremien vor Ort endlich einsehen.“

Statt der Ostspange schlägt sie Alternativen vor: Tempo 30 durch Gosberg zum Beispiel und eine bessere Taktung der Wiesenttalbahn.

Und vor allem jetzt, da der Freistaat den Schutz von Forchheims Wässerwiesen (die in diesem Jahr zum Weltkulturerbe erklärt werden könnten) weitere Jahre kostenintensiv fördern will, wäre eine Fortführung der Ostspangendiskussion kontraproduktiv, findet Badum.

Umweltminister Glauber lehnt Trasse ab

Rückendeckung bekommt sie von Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber: „Die geplante vierspurige Variante muss man ablehnen. Alle Alternativvorschläge der Gemeinden für einen klugen und nachhaltigen Umgang mit einer flächenschonenden Verkehrsentlastung der Zwangsstelle um Gosberg wurden durch das Bundesverkehrsministerium mangelhaft behandelt. Deshalb sehe ich für das Projekt in Bezug auf die Umweltverträglichkeit keine Realisierungschance“, teilt er auf Anfrage mit.

Seine Hauptsorge: der Erhalt der Wasserschutzgebiete Forchheims und Pinzbergs sowie das Naturschutzgebiet Ehrenbürg.

Doch lieber kleine Lösung für Gosberg?

Lidwina Mack von der Biwo bringt in diesem Zusammenhang noch einmal eine eigene Umgehungslösung für Gosberg ins Spiel. Denn gerade dort könnte der Verkehr mit noch mehr Pendlern und der Ansiedlung des Lidl-Marktes weiter zunehmen.

Diese sogenannte „kleine Lösung“ wurde aber schon vor Jahren politisch abgebügelt; dass sich dies einmal ändert, bleibt derzeit nicht zu erwarten.

Kosten für Ostspange im Süden Forchheims werden steigen

Mack bleibt bei ihrer Kritik, die Ostspange sei „eine völlig überzogen kostspielige Planung“. Bisher kalkuliert Berlin für die Vollendung der Südumfahrung mit 38,4 Millionen Euro.

Dabei wird es kaum bleiben, räumt die Sprecherin des Staatlichen Bauamts Sabrina Hörl ein: „Wir gehen davon aus, dass sich aufgrund kontinuierlicher Baupreissteigerung gemessen am Bezugsjahr der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans und mit zunehmender Planungstiefe die Kosten unweigerlich erhöhen werden“.

Ob die Ostspange wirklich einmal so aussieht, wie hier dargestellt, ist nicht sicher. Dass sie teurer werden wird als gedacht, schon.Forchheim & Fränkische Schweiz
Ob die Ostspange wirklich einmal so aussieht, wie hier dargestellt, ist nicht sicher. Dass sie teurer werden wird als gedacht, schon. // Fotomontage: Biwo

Trotz jüngster Koalitionskompromisse der Bundesregierung, schneller und mehr in den Straßenbau zu investieren, steht der Bau der Ostspange weiterhin auf mehr als wackeligen Füßen.

Große Freude dürfte diese Nachricht bei keinem der Diskutanten auslösen. Für die Trassengegner hängt die Umfahrung weiterhin als Damoklesschwert über „ihrem“ Wiesenttal. Für die Fans rückt „ihre“ Straße immer weiter in die Ferne.

Ostspange – eine kurze Chronologie

1971 (bis 1985) Die Gesamtumgehung für den Forchheimer Süden erscheint das erste Mal im Bundesverkehrswegeplan.

1992 Die Südumfahrung wurde als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft.

2003 Der Westteil der Umgehung wird als „vordringlich“ eingestuft, der Ostteil als „weiterer Bedarf“.

2011 Verkehrsgutachten für die Ostspange wird in Auftrag gegeben. Im Dezember wird die Westumgehung für Verkehr freigegeben.

2013 Im Januar wird eine Trassen-Kompromisslösung für die Ostspange gefunden. Sie umgeht Gosberg und trifft in Reuth zurück auf die B470.

2015 Prognose über die Verkehrsbelastung sowohl der Eisenbahnbrücke als auch der Bayreuther Straße wird erstellt: Entlastungswirkung von 65 Prozent in Aussicht gestellt.

2016 Der östliche Teil der Umgehung wird zum vordringlichen Bedarf und soll bis 2030 umgesetzt werden.

2018 Aktuelle Planungen werden den Kreisräten vorgestellt. Ob eine eine vierspurige Teilstrecke notwendig ist, steht zur Debatte.

Ein Scoping wird durchgeführt, das die Auswirkungen auf die Natur untersucht.

2020 Eine Umweltverträglichkeitsstudie wird gestartet.

2023 Nach wie vor werden verschiedene Varianten betrachtet. Eine Vorzugsvariante ab soll im nächsten Schritt im Detail ausgeplant werden.

Der konkrete Trassenverlauf bleibt nach wie vor offen; ob und wann gebaut werden kann, ebenfalls.

 

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