Idee
Was es mit den Eschenauer Obstbäumen auf sich hat
Ein Exemplar der Pastorenbirne: Vor 120 Jahren standen in Unterfranken noch rund 600 Obstbäume auf einem Quadratkilometer Fläche. Von dieser Kultur ist vieles inzwischen verloren gegangen.
Ein Exemplar der Pastorenbirne: Vor 120 Jahren standen in Unterfranken noch rund 600 Obstbäume auf einem Quadratkilometer Fläche. Von dieser Kultur ist vieles inzwischen verloren gegangen.
Foto: Wolfgang Aull
Eschenau bei Haßfurt – Bei der Renovierung der Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Eschenau trägt der Jubiläumsbrand der Pastorenbirne zur Finanzierung bei.

Eschenau Die Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Eschenau wird saniert. Damit möchte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Eschenau den Verfall des Gotteshauses, welches vor zwei Jahren sein 300. Jubiläum hatte, stoppen. Daniel Herterich, Vorstandsmitglied und Vertrauensmann der Kirchengemeinde, hat eigenhändig einen Jubiläumsschnaps gebrannt, dessen Erlös in die Finanzierung des Vorhabens fließt.

Die herrliche Lage des Hügels am Fuß des Steigerwaldes übt für viele Besucher noch heute eine magische Anziehungskraft aus. Das denkmalgeschützte Ensemble, bestehend aus der Kirche, dem Friedhof, dem alten Schulhaus und dem Brunnenhäuschen, bildet ein harmonisches Gesamtbild.

In der Kirche finden regelmäßig Gottesdienste statt. Rege Nachfrage besteht auch für Trauungen, Taufen und Trauerfeiern.

Historisches Foto vom Kirchberg bei Eschenau
Historisches Foto vom Kirchberg bei Eschenau
Foto: Archiv Daniel Herterich

Wenn nicht jetzt, wann dann? Diese einfache Frage treibt den Kirchenvorstand Eschenau seit drei Jahren an, die Sanierung des Kirchengebäudes in die Wege zu leiten. Denn die Anziehungskraft des Ensembles ist ungebrochen, und das Interesse der Kirchengemeinde, es zu erhalten, steht nicht zur Diskussion. Denn mit jedem Jahr, jedem Monat setzt sich der Zerfall der Substanz fort und treibt die potenziellen Sanierungskosten in die Höhe.

Die Notwendigkeit ist dokumentiert, ein Architekturbüro hat das Gebäude unter die Lupe genommen und einen Kostenvoranschlag erstellt. Bewusst hat sich der Kirchenvorstand entschieden, die Arbeiten auf die Sanierung zu beschränken und nicht auf Verschönerungen wie Innenanstrich auszuweiten. Denn es sollten aus dieser Maßnahme möglichst keine Schulden resultieren.

Und wichtig sind dem Kirchenvorstand im Rahmen der Sanierung auch weitere Aspekte nachhaltigen Handelns: Die Mauersegler sollen in dem Gebäude auch nach der Sanierung ein Zuhause finden, weiterhin sind Fledermäuse nach wie vor willkommen.

Der Jubiläumsbrand aus der Pastorenbirne geht nun in den Verkauf

Es ergab sich, dass die Pastorenbirne, die in der Eschenauer Flur noch einige Male zu finden ist, im Jubiläumsjahr 2020 eine außerordentliche Ernte einbrachte, was Daniel Herterich, der in seiner Obstbrennerei schon einige Prämierungen eingefahren hat, dazu bewogen hat, einen Jubiläumsbrand herzustellen, der nun in den Verkauf geht – limitiert auf 67 Flaschen zu je 0,35 Litern, mit eigener Losnummer und zwei Etikettenmotiven zur Wahl. Der Schnaps ist erhältlich in Daniel Herterichs Brennerei in Eschenau, Gangolfsbergstraße 9.

Stattlich, robust, ertragreich

Die Pastorenbirne wurde, wie erzählt wird, von einem französischen Pfarrer bei einem Spaziergang durch den Wald gefunden und bereits 1760 in Mittelfrankreich kultiviert. Sie fand überregionale Verbreitung in Ländern wie Frankreich, Deutschland und Österreich. 1907 hat sie der Landesverband Bayerischer Obstbauvereine als eine von sechs Birnensorten in das bayerische Landessortiment aufgenommen. Der Baum ist vom Standort her anspruchslos, trägt sehr gut, und die Früchte eigenen sich zum Lagern und zum Trocknen. In der Eschenauer Flur stehen noch vereinzelt prächtige Exemplare.

Die feierliche Einweihung der Dreifaltigkeitskirche in Eschenau 1720 fiel in eine Zeitepoche, in der sich der Obstanbau in Bayern zu einer Blütezeit hin entwickelte. Das bedeutete, dass auch Pfarrer in ihre Sonntagspredigten Anweisungen zur Feldbestellung, Baumpflege und Obsternte mit einbauen mussten, wie aus der „Kulturgeschichte des Obstbaus“ zu erfahren ist.

 

Ein spätes Kind der Reformation

1530 fand die Reformation Einzug in Eschenau und war nach 1630 durch die Vertreibung des evangelischen Pfarrers wieder auf dem Rückzug – jedoch ohne Erfolg: Vom evangelischen Glauben ließen die Bewohner von Eschenau nicht mehr los. Selbst als 1650 im Zuge der Gegenreformation sowohl der evangelische Gottesdienst als auch das Glaubensbekenntnis untersagt wurden, war die Überzeugung der Reformierten nicht zu Fall zu bringen. Hausbibeln und Gebetsbücher halfen über die pfarrerlose Zeit hinweg, und endlich, 1701, durfte wieder ein Gottesdienst gefeiert werden.

In diese Aufbruchsstimmung hinein wurde das Kirchengebäude errichtet und am 30. November 1720 feierlich eingeweiht, wenngleich das Gotteshaus zu diesem Zeitpunkt weder über Türen noch Fenster verfügte.

Pfarrerin Doris Otminghaus und Vertrauensmann Daniel Herterich stellen den „Jubiläumsbrand Pastorenbirne“ vor. Im Hintergrund ist die eingerüstete Bergkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit zu sehen.
Pfarrerin Doris Otminghaus und Vertrauensmann Daniel Herterich stellen den „Jubiläumsbrand Pastorenbirne“ vor. Im Hintergrund ist die eingerüstete Bergkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit zu sehen.
Foto: Wolfgang Aull

Die letzte große Gebäudesanierung erfolgte von 1963 bis 1967. Der Dachstuhl wurde erneuert, der Kirchturm ebenfalls, das Buntglasfenster fiel den Sanierungsarbeiten zum Opfer, das alte Tonnengewölbe, bis dato geprägt von einem blauen Sternenhimmel, wurde durch ein neues, hell gestrichenes Gewölbe ersetzt. Die letzten Jahrzehnte haben an dem Gebäude genagt, die weitere Sanierung ist erforderlich: Das Dach hat undichte Stellen, die Ostwand hat stark gelitten, der Holzfußboden ist stellenweise verrottet.

 

Zeitzeugin fränkischer Obstbaumkultur

Als die Dreifaltigkeitskirche in Eschenau 1720 eingeweiht wurde, waren Obstbäume wie die Pastorenbirne sehr geschätzt. Und diese Bedeutung der Obstbäume zog sich über Jahrhunderte hinweg. So ergab die offizielle Obstbaumzählung vom 1. Dezember 1900: In Unterfranken standen 5.030.722 Apfel-, Birn-, Pflaumen- und Kirschbäume. Dies entspricht 598,8 Obstbäumen je Quadratkilometer. Doch im Rahmen des Wirtschaftswunders Mitte des 20. Jahrhunderts kam die Kehrtwende: Der „Emser Beschluss des Bundesernährungsministeriums am 15. Oktober 1953“ besagt: „... für Hoch- und Halbstämme wird kein Platz mehr sein. Streuanbau, Straßenanbau und Mischkultur sind zu verwerfen.“

 

Es gab sogar Rodungsprämien

Und von der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wurden bis 1974 Rodungsprämien für jeden Hochstammobstbaum bezahlt. Dadurch erlebten die Streuobstwiesen einen Rückgang von circa 65 bis 80 Prozent.

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