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Amen und Helau
Fasching in der Kirche: Wolle mer se reilasse?!
Erstmals wird in der Coburger Morizkirche ein Faschingsgottesdienst gefeiert.
Erstmals wird in der Coburger Morizkirche ein Faschingsgottesdienst gefeiert. Termin: Freitag, 14. November, 18 Uhr. // Foto: Oliver Schmidt / Montage: Franziska Schäfer
Coburg – In der Morizkirche wird erstmals ein Faschingsgottesdienst gefeiert. Der Anstoß dazu kam von der Coburger Narrhalla. Pfarrerin Gabriele Töpfer erklärt, warum sie das für eine sehr schöne Idee hält.

Ein Faschingsgottesdienst? In der Kirche? Darf man das? Außerdem: Kann es wirklich Zufall sein, dass diese Idee ausgerechnet von einer Person kommt, die mit Nachnamen „Unglaub“ heißt?! Fragen über Fragen. Zumindest bei Außenstehenden vielleicht. Bei den Beteiligten hingegen herrscht Vorfreude pur. Denn am Freitag, 14. November, findet in der Morizkirche tatsächlich der „1. Coburger Faschingsgottesdienst“ statt. 

Es darf gelacht werden in der Kirche

„Der Gottesdienst soll Spaß machen, aber er soll auch würdig sein“, betont Stefan Unglaub, der Präsident der Coburger Narrhalla. Pfarrerin Gabriele Töpfer sieht das genauso: „Es wird fröhliche Momente in einem feierlichen Rahmen geben. Die Kirche wird nicht veralbert.“ Die Pfarrerin aus Dörfles-Esbach, deren Gemeinde – ebenso wie die Gemeinde St. Moriz – zur Pfarrei „Evangelisch unter der Veste“ gehört, wird den Faschingsgottesdienst leiten. Gabriele Töpfer wird auch eine Predigt halten und sich um die Fürbitten kümmern; und ganz bestimmt wird sie auch viel lachen. 

„Kölscher Abend“ in Coburg

Der Beginn des Gottesdiensts ist um 18 Uhr. Und das hat auch einen bestimmten Grund: Kurz vorher treffen sich an jenem 14. November bereits alle Faschingsvereine aus der Stadt und dem Landkreis Coburg, um gemeinsam „das Landratsamt zu stürmen“. Am Abend steht in der Coburger Innenstadt mit dem „Kölscher Abend“ in der Bar „Pure“ (Herrngasse) die erste Party der neuen Faschingssession an. Auf dem Weg vom Landratsamt ins „Pure“, so die Idee von Stefan Unglaub, soll aber noch einmal kurz innegehalten werden. In der Kirche. Ja, genau dort.

Coburger Narrhalla
Stefan Unglaub ist Präsident der Coburger Narrhalla. // Coburger Narrhalla

Der Fasching (oder auch Karneval genannt), habe seinen Ursprung nun einmal im christlichen Kalender, wie Stefan Unglaub sagt. Er diene als „ausgelassene Zeit des Feierns und der Narretei“ unmittelbar vor der 40-tägigen, österlichen Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt. Der Name „Karneval“ (von lateinisch carnelevare = Fleischwegnahme) weise ja auch darauf hin.

Faschingsgottesdienste haben Tradition

Hinzu kommt, dass die reiselustige Coburger Narrhalla schon viel in Sachen Fasching beziehungsweise Karneval herumgekommen ist. Dabei ist man auch immer wieder auf Faschingsgottesdienste gestoßen – besonders im Rheinland, aber ebenso im benachbarten Landkreis Kronach. Dort feiert der Cousin von Stefan Unglaub, Robert Unglaub, regelmäßig Faschingsgottesdienste mit der Faschingsgesellschaft Steinwiesen.

Beten für eine friedliche Faschingssession 

Gabriele Töpfer ist von der Idee der Coburger Narrhalla sehr angetan – obwohl sie selbst gar kein großer Faschingsfan ist, wie sie zugibt. Aber: „In der Kirche ist auch Raum für Leben und Fröhlichkeit!“ Gerade weil es in Gottesdiensten oft um schwierige Themen gehe, wie etwa die vielen Kriege in der Welt. Auch der Zeitpunkt des Faschingsgottesdienstes gefällt ihr: Dieses „Innehalten“, bevor es richtig mit der närrischen Zeit losgeht, könne zum Beispiel auch dafür genutzt werden, für eine friedliche Faschingssession zu beten.

Als sich vier evangelische Kirchengemeinden zu einer Pfarrei zusammengeschlossen haben, wurde auch ein gemeinsamer Name benötigt.  Die Wahl fiel auf „Evangelisch unter der Veste“. Dazu gehören die Coburger Gemeinden St. Moriz, Heilig-Kreuz und St. Matthäus sowie Dörfles-Esbach.
Zur Pfarrei „Evangelisch unter der Veste“ gehören die Coburger Kirchengemeinden St. Moriz, Heilig-Kreuz und St. Matthäus sowie die Kirchengemeinde Dörfles-Esbach. // Foto: Oliver Schmidt

Der Gottesdienst wird auf jeden Fall sehr musikalisch sein. So ist der Fanfarenzug der Coburger Narrhalla ebenso dabei wie „Günthers Musikexpress“. Zudem kann sich die Faschingsgemeinde überraschen lassen, was Stadtkontor Peter Stenglein auf der Orgel zaubert. Des Weiteren werden Liedblätter mit den Faschingsliedern ausgelegt, damit jeder mitsingen kann.

Mit diesem Plakat wird der Faschingsgottesdienst in der Coburger Morizkirche beworben.
Mit diesem Plakat wird der Faschingsgottesdienst in der Coburger Morizkirche beworben. // Grafik: KI

Psalm von Hans Dieter Hüsch

Was die Predigt betrifft, hat Gabriele Töpfer bereits eine Idee. Als Vorlage wird wohl ein Psalm von Hanns Dieter Hüsch dienen. Der Psalm beginnt mit den Worten: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit, mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Zärtlichkeit.“ 

An einer späteren Stelle heißt es: „Was macht, dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsinn hält? Weil mich mein Gott das Lachen lehrt wohl über alle Welt.“ 

„Ich liebe diesen Psalm“, sagt Gabriele Töpfer. Weil er eben auch zeige, dass Gott ein „Lebensbegleiter“ ist. In schweren wie in heiteren Stunden. 

Faschingsgottesdienst in der Morizkirche: Gerne auch in Verkleidung!

Was und wo? Faschingsgottesdienst in der Coburger Morizkirche

Wann? Freitag, 14. November – Beginn: 18 Uhr

Wer? Der Faschingsgottesdienst ist eine gemeinsame Veranstaltung der Pfarrei „Evangelisch unter der Veste“ und der Coburger Narrhalla in Zusammenarbeit mit den Coburger Faschingsvereinen aus Stadt und Landkreis Coburg

Wie? „Jeder aus Nah und Fern ist herzlich willkommen“, heißt es in einer Mitteilung der Narrhalla. Von Klein bis Groß, verkleidet oder nicht. Es ist keine Anmeldung erforderlich; der Eintritt ist natürlich frei.

 

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