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Viel Kritik
Händler und Wirte im Kreis Erlangen-Höchstadt im freien Fall
Ein wohl bekanntes Bild in den Ortszentren von Mittelfranken – und der Handelsverband Bayern gibt keine Entwarnung.
Ein wohl bekanntes Bild in den Ortszentren von Mittelfranken – und der Handelsverband Bayern gibt keine Entwarnung. // Georg Wendt/dpa
LKR Erlangen-Höchstadt – Bäckereien schließen, Lokalbesitzer geben auf und die Ortszentren in Erlangen-Höchstadt werden immer leerer. Zum Unmut der Teilnehmer unserer Leserumfrage "Heimat-Monitor".

Das Restaurant Rudel’s Cabire in Weisendorf, die Bäckerei Bachmann in Höchstadt und die Metzgerei Fleischmann haben eines gemein: Ihre Betreiber zogen im Laufe der vergangenen zehn Monate die Türen endgültig hinter sich zu.

Angesichts der steigenden Energie- und Einkaufspreise bei gleichzeitig sinkender Kundenzahl gaben sie auf – schweren Herzens.

„Zehn Liter Speiseöl kosten zurzeit 52 Euro, früher waren es zwölf“, sagte die Restaurantchefin Ulrike Rudel dem FT, als sie Ende Januar das Aus des Cabires verkündete.

Das große Sterben

Der gefühlte Niedergang zweier Branchen – der vor allem die ländlichen Ortszentren leert – hat einen Namen bekommen: Das große Sterben. Das Laden- und das Wirtshaussterben im Kreis Erlangen-Höchstadt macht den Teilnehmern unseres Heimat-Monitors Sorgen, das zeigen ihre Kommentare.

„Der Weisendorfer Ortskern verkommt, es gibt keine einzelnen Läden mehr."

(Freie Nennung aus unserer Leserumfrage Heimat-Monitor)

Auswirkung von Corona noch unklar

Und die Zahlen des Hotel- und Gaststättenverbands Bayern (Dehoga) und des Handelsverbands Bayern zeigen, dass die Sorgen berechtigt sind.

Laut Dehoga haben zwischen 2017 und 2020 fast 5000 der bayerischen gastgewerblichen Betriebe hingeworfen. Die Zahl sank um zwölf Prozent auf rund 36.700.

Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf das Gewerbe hatte, steht statistisch noch gar nicht fest.

„Nachmittags kann man in Höchstadt nicht mal einen Kuchen essen.“

(Freie Nennung aus unserer Leserumfrage Heimat-Monitor)

Der Handelsverband hat aktuelle Zahlen: Er erwartet, dass in diesem Jahr rund 1200 Läden in Bayern (von insgesamt 58.000) – rund 200 davon in Mittelfranken – ihre Türen schließen.

Die Betreiber hofften nach der Pandemie auf das Wiedererwachen der Branche. „Und dann kam der Krieg, zusammen mit den steigenden Energiepreisen und der Inflation“, sagt Handelsverbandssprecher Bernd Ohlmann.

„Jetzt halten die Kunden ihr Geld zusammen und das spüren sogar die Lebensmittelhändler.“

Qualität und Vielfalt

Im Heimat-Monitor haben die Teilnehmer die Qualität und Vielfalt der Gastronomie und den Einzel- und Lebensmittelhandel in ihren Gemeinden bewertet. Die Teilnehmer aus Herzogenaurach (6,0) und Adelsdorf (5,8) geben der Gastro-Vielfalt in ihren Orten die besten Noten. Besonders viel Luft nach oben gibt es laut Monitor in Gremsdorf (3,27) und Mühlhausen (3,5).

Die Durchschnittsnote von 4,36 in allen FT-Regionen macht die Vielfalt der Gastronomie zu einer der am schlechtesten bewerteten Fragen des ganzen Heimat-Monitors. Das Einzelhandelsangebot bewerten unsere Teilnehmer aus Höchstadt (7,04) am besten. Die Vestenbergsgreuther hätten dagegen gern mehr Auswahl (1,54) – auch in Sachen Lebensmittelangebot (1,85). Ein extremer Unterschied zu Orten wie Höchstadt (8,77) und Hemhofen (8,6).

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