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Klimaschutz?
100 Bäume sollen für eine Alterlanger Brücke fallen
Der Stahl der Main-Donau-Kanal-Brücke zwischen Alterlangen und Dechsendorf wird langsam rissig. Immerhin ist die Brücke bereits 55 Jahre alt. Jetzt soll ihre Nachfolgerin vier Meter weiter südlich gebaut werden, damit Fahrer keine Umleitung nehmen...
Der Stahl der Main-Donau-Kanal-Brücke zwischen Alterlangen und Dechsendorf wird langsam rissig. Immerhin ist die Brücke bereits 55 Jahre alt. Jetzt soll ihre Nachfolgerin vier Meter weiter südlich gebaut werden, damit Fahrer keine Umleitung nehmen müssen. // Nora Elhaus
Erlangen – Dutzende Bäume des Alterlanger Bannwalds sollen für eine neue Brücke über den Kanal gefällt werden. Im Erlanger Ausschuss kam es deswegen zum Streit.

Die Brücke im Westen Erlangens, über die die Autofahrer auf der vierspurigen Staatsstraße 2240 zwischen Alterlangen und Dechsendorf den Main-Donau-Kanal überqueren, ist alt (Baujahr 1968), rissig und muss ersetzt werden.

Das steht seit zwölf Jahren fest. Die Planungen des Neubaus liegen durch die Staatsstraße in der Hand des Staatlichen Bauamts Nürnberg, unter Aufsicht der Regierung Mittelfranken, das 2020 schließlich mit den Planungen begann.

Dazu kommt eine neue Auffahrt

Das Amt plant nicht nur den Neubau der Brücke. Sie soll außerdem vier Meter Richtung Süden verlegt werden. Somit muss der Verlauf der Staatsstraße auf beiden Seiten angepasst werden. Die Straße soll zusätzlich eine neue Südauffahrt ab der Straße Am Europakanal bekommen.

Das Staatliche Bauamt plant eine breitere Auffahrt, die weiter nach links verlegt wird und einen langen Beschleunigungsstreifen Richtung Alterlangen bekommt, so dass die Fahrer nicht mehr an der Südauffahrt stoppen müssen.

Auf diesem Foto der vierspurigen Staatsstraße 2240 ist am rechten Rand die Kanalbrücke in Richtung Alterlangen zu sehen, die neu gebaut wird. Die Südauffahrt zur St 2240 soll nach Westen versetzt  werden. Um die dafür nötige Abholzung zu verhinder...
Auf diesem Foto der vierspurigen Staatsstraße 2240 ist am rechten Rand die Kanalbrücke in Richtung Alterlangen zu sehen, die neu gebaut wird. Die Südauffahrt zur St 2240 soll nach Westen versetzt werden. Um die dafür nötige Abholzung zu verhindern, schlägt die Klimaliste den Bau eines Kreisverkehrs (schwarz) vor, durch den die Südauffahrt überflüssig wäre. // Klimaliste Erlangen

Die Begründungen des Bauamts: Durch das Versetzen der Brücke bleibt der Verkehrsfluss erhalten.

Und die Auffahrt wird versetzt und ausgebaut, da „die Staatsstraße im Ausbauabschnitt eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen der Autobahn A 3 westlich von Dechsendorf und der A 73 in Erlangen hat. Dementsprechend weist die Straße eine überdurchschnittliche Verkehrsbelastung aus. Der Ausbauabschnitt ist gekennzeichnet durch eine gestreckte Linienführung und großzügig bemessene Querschnitte, die ein komfortables und sicheres Fahren möglich machen“, schreibt das Staatliche Bauamt.

Das Projekt wird den Freistaat nach bisherigen Schätzungen rund 28,4 Millionen Euro kosten und rund zwei Jahre dauern. Ab wann die Bauarbeiten beginnen, ist noch nicht klar.

Holzfällen im Bannwald ist verboten

Vor allem für die Grünen, die Klimaliste und die ÖDP in Erlangen haben die Planungen des Brücken-, Straßen- und Auffahrt-Neubaus mehrere Haken.

Denn die Staatsstraße liegt in einem Landschaftsschutzgebiet, umringt vom Bannwald „Mönau“ und mitten im Wasserschutzgebiet Erlangen West. Entlang der Strecke müssten wohl mehr als hundert Bäume gefällt werden.

Außerdem würde die Staatsstraße 25 Meter näher an des Erlanger Wohngebiet rechts der Brücke heranrücken und die Lärmbelastung der Anwohner verstärken. Die Bäume sollen an anderer Stelle durch Aufforstung ersetzt werden. Das reicht Klimaliste und Grünen nicht.

Sie versuchen aktuell das Staatliche Bauamt zum Umdenken zu bewegen.

Das Bild zeigt die Staatsstraße Richtung Weißendorf. Die Abfahrt links zum Europakanal soll verbreitert und in Richtung Weißendorf verlegt werden.
Das Bild zeigt die Staatsstraße Richtung Weißendorf. Die Abfahrt links zum Europakanal soll verbreitert und in Richtung Weißendorf verlegt werden. // Nora Elhaus

Heiße Diskussion im Ausschuss

Da die Stadt Erlangen von dem Neubau betroffen ist, schreibt sie im Zuge der Planungen eine Stellungnahme an das Staatliche Bauamt, die der Erlanger Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Planung in einer Sitzung verändern und – falls die Mitglieder Kritik an den Planungen haben – um Anträge zur Änderung der Baupläne erweitern kann.

Zum Schluss wird die Stellungnahme vom Ausschuss beschlossen, der Stadtrat ist nicht zuständig.

Im Dezember sorgte das Thema Main-Donau-Kanal-Brücke für laute Diskussionen in der Sitzung. Martin Hundhausen von der Klimaliste stellte den Antrag, die Planungen abzulehnen und beim Bauamt auf eine geringere Abholzung von Flächen zu pochen.

Rainer Hartmann von den Grünen beantragte eine weitere Nutzung der bestehenden Südauffahrt, statt diese neu zu bauen.

Beide Anträge wurden mehrheitlich abgelehnt. Am Ende stimmte der Ausschuss durch die Stimmen von CSU und SPD (9 zu 5 Stimmen) den Planungen des Staatlichen Bauamts plus einigen geringfügigen Änderungen zu.

Ein Kreisverkehr statt eine neue Südauffahrt

Ein Unding findet Nora Elhaus, Sprecherin der Klimaliste Erlangen. „Sowohl die Versetzung der Brücke, als auch die neue Auffahrt sind überflüssige Maßnahmen. Sie missachten alle Versprechen der Stadt, sich für den Klimaschutz einzusetzen“, sagt Elhaus.

Die Klimaliste schlägt stattdessen einen Kreisverkehr an der nördlichen Auffahrt vom Am Europakanal vor. Er mache die Südauffahrt überflüssig und spare Kosten.

Zu spät auf der Tagesordnung

Birgit Marenbach von den Grünen wirft der Erlanger Verwaltung vor, das Thema Brücke so spät auf die Tagesordnung des Ausschusses gesetzt zu haben, dass die Mitglieder keine Zeit für Anträge mehr hatten.

Laut der Stadt Erlangen ist die Tagesordnung fristgerecht veröffentlich worden.

„Jetzt hat sich herausgestellt, dass der Kreisverkehr wahrscheinlich eine Mehrheit im Ausschuss hätte“, so Marenbach. Ihre Partei werde es mit Schreiben an das Bauamt versuchen.

CSU drängt auf die Umsetzung des Brückenbaus

Laut Christian Lehrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU Erlangen, hält das das Projekt unnötig auf: „Wir hängen mit unseren Brücken hinterher und müssen jetzt in die Umsetzung gehen. Das war auch die Aussage des Staatlichen Bauamts und hat die CSU dazu bewogen, für die Stellungnahme zu stimmen.“

Es hätte bereits vor der Sitzung des Ausschuss viele Möglichkeiten gegeben, die Planungen zu korrigieren. „Kein Erlanger Stadtrat ordnet gerne Baumfällungen an, doch manchmal geht es nicht anders. Als Ersatz werden mehr Bäume gepflanzt, als gefällt wurden.“

Die Planung eines Kreisverkehrs bedeute den Rückschritt in eine viel frühere Phase der Projekts. „Dafür ist zu spät“, sagt Lehrmann.

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