Update vom 28. März, 18.12 Uhr
Stadtrat und Kreistag machen Weg für Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz frei
Am 28. März haben Forchheims Stadträte und Kreisräte mit großer Mehrheit (Stadtrat gegen zwei Stimmen, Kreistag gegen sieben) für die Verlegung der 25 akutgeriatrischen Betten von Ebermannstadt nach Forchheim sowie eine Erhöhung der psychosomatischen Betten am Standort Ebermannstadt gestimmt.
Vorausgegangen waren teils emotionale Diskussionen innerhalb der beiden politischen Gremien Stadtrat und Kreistag. Bedenken angemeldet hat unter anderem Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer sowie die SPD-Fraktionen. CSU, Grüne, Junge Bürger und Freie Wähler sprachen sich hingegen dafür aus.
Mit diesem Beschluss im Rücken können Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) und Landrat Hermann Ulm (CSU) in der Gesellschafterversammlung des Klinikums nun aktiv werden und die neuen Belegungen bis Anfang April im Krankenhausplanungsausschusses des Bayerischen Landtags beantragen.
Der ursprüngliche Artikel vom 24. März
So wirkt sich die Klinik-Reform auf den Landkreis Forchheim aus
Wer krank ist oder einen schlimmen Unfall hatte, kennt meistens nur ein Ziel: schnell wieder gesund zu werden.
Nun zeigt sich das deutsche Gesundheits- und insbesondere das Krankenhaussystem nicht erst seit der Corona-Pandemie immens störanfällig.
Unzureichende Finanzierung, fehlendes Personal, strukturelle Probleme.
Krankenhausreform von Karl Lauterbach in Deutschland umstritten
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will in diesem Jahr noch den großen Wurf wagen und das System Krankenhaus „revolutionieren“ – um es zu retten.
Trotzdem war der Aufschrei groß, vor allem aus der Ampel-Opposition, als Lauterbachs erste Eckpunkte publik wurden.
Kurz zusammengefasst soll das Kliniknetz in Deutschland verschlankt, in drei Versorgungsstufen eingeordnet und entsprechend der Eingruppierung finanziert werden – von der Grundversorgung bis hin zu Maximalversorgern.
Fallkostenpauschalen sollen fast abgeschafft werden
Das große Ziel: Das vor 20 Jahren eingeführte Fallpauschalensystem abschaffen und Kliniken mehr als bisher für das bloße Vorhalten von Leistungen bezahlen – ähnlich einer Feuerwehr.
Bisher werden 80 Prozent der Klinikkosten über Fallpauschalen abgerechnet; künftig sollen es nur 40 Prozent sein.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Nicht wenige der fast 1900 Kliniken in Deutschland könnten zugunsten einer Stärkung der restlichen Häuser verschwinden.
Was kommt auf Forchheims Patienten zu? Klinik-Chef Sven Oelkers beruhigt
Was aber heißt für die Kliniken in Forchheim und Ebermannstadt? Die Signale aus der Klinik-Geschäftsleitung machen zumindest Mut.
Sven Oelkers: „Der ärztliche Standard bleibt in beiden Häusern auf einem sehr hohen Niveau genauso wie die Anzahl der Arbeitsplätze insgesamt erhalten bleiben.“
Ganz ohne Hausaufgaben gelänge das allerdings nicht. „Wir wollen jetzt die strukturellen Voraussetzungen schaffen, um langfristig unter den sich ständig wandelnden Rahmenbedingungen auf der sicheren Seite zu sein“, so Oelkers.
Der nächste Streich folgt sogleich: Lauterbach will bis Ende April einen neuen Vorschlag für seine Reform vorlegen.
Könnte das Klinikum Forchheim in Gefahr geraten?
In Stein gemeißelt ist die standortsichernde Eingruppierung in das angestrebte Level 2 also noch nicht. Das Versorgungsstufenmodell nach Leveln gibt Lauterbachs Plan zufolge künftig vor, welche Leistungen noch an einem Standort erbracht werden dürfen.
Rutschte das hiesige Klinikum auf Level 1, würden Leistungen wie die komplexe innere Medizin, Endoprothetik und selbst die Geburtshilfe im gesamten Landkreis nicht mehr angeboten werden dürfen.
Was halten Sie von diesem Thema? Sagen Sie es uns
Wie die Forchheimer Kliniken trotz Reform gerettet werden sollen
Um dies zu verhindern, gibt es folgenden Plan: Das Klinikum in Ebermannstadt soll als Fachklinik für Psychosomatik mit weiteren 30 stationären Betten ausgebaut werden.
Zudem wolle man sich in der Fränkischen Schweiz auf die alternde Gesellschaft spezialisieren; etwa durch den Umzug des Pflegezentrums ins Haus Feuerstein und eine Sanierung des Mittelbaus für geriatrische Reha in den nächsten fünf bis acht Jahren.
Forchheim: Neue Kardiologie soll 2024 einziehen
Gleichzeitig sollen laut Oelkers 25 Betten der Akut-Geriatrie von Ebermannstadt nach Forchheim verlagert werden. „Die Konzentration der Akut-Versorgung am Klinikum Forchheim mit seiner Notfallversorgung soll das angestrebte Level-2-Niveau langfristig sicherstellen.“
Denn ein Haus im zweiten Level muss unter anderem Anforderungen an die „Erweiterte Notfallversorgung“ zwingend erfüllen. Das sind zum Beispiel mindestens zehn Intensivbetten, eine erweiterte Anzahl an Fachabteilungen sowie ein Hubschrauberlandeplatz.
Wenngleich sich der Umzug der Akut-Geriatrie von Ebermannstadt nach Forchheim noch bis 2030 ziehen könnte, soll die Kardiologie bereits im kommenden Jahr in die neuen Räumlichkeiten in der Bayreuther Straße einziehen.
Kliniken Forchheim: Weniger Betten als bisher
Zwar werden dem Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz jetzt erst einmal 48 Planbetten weniger (262 statt wie bisher 310) zur Verfügung stehen.
Dank der geplanten Verlagerung der Abteilungen ist die Differenz aber kleiner als befürchtet. Der aktuellen Bedarfsfestellung des Bayerischen Gesundheitsministeriums würden sonst 90 Planbetten zum Opfer fallen.
„Der leichte Rückgang der Bettenanzahl ergibt sich insgesamt durch den allgemeinen Trend zur ambulanten Behandlung und stationären Verweildauerverkürzung auch aufgrund der medizinischen Fortschritte“, sagt Oelkers.
Fazit: Weder das Bettenmimus noch die Lauterbach-Reform seien Gründe zur Beunruhigung, ganz im Gegenteil.
Das sagt Forchheims Landrat Hermann Ulm zur Krankenhausreform
Landrat Hermann Ulm begrüßt die Novelle aus Berlin sogar ausdrücklich. „Der Anbau in Forchheim ist fast fertig, dies zusammen mit der Fusion unserer beiden Häuser schafft die perfekten Voraussetzungen und eine Chance, flexibel auf die Reform zu reagieren.“
Mehr noch, die Reform könne gar als eine Art Katalysator für das wirken, was Klinikleitung und Gesellschafter (Landkreis und Vereinigte Pfründnerstiftung) bereits seit Jahren vorbereiten.
Zu rosig malen will das Bild aber auch keiner. Zu unklar bleibt das, was da im Laufe des Jahres aus Berlin auf die Kliniken auf dem Lande zukommt.
So geht es nun weiter in Forchheim
Nicht auszumalen, was geschähe, würde Forchheim wider Erwarten doch nicht die angestrebte Level-2-Plakette erhalten. Müssten die beiden Einrichtungen im Landkreis dann wirklich Leistungen abgeben oder gar ganz schließen?
Unwahrscheinlich. Und doch: Ein klares „Nein“ zu dieser Frage rutscht Forchheims Klinik-Chef nicht über die Lippen.
Im nächsten Schritt werden sich nun Forchheims Kreis- und Stadträte am Dienstag zusammensetzen, und den Wunsch nach Bettenverlagerung voraussichtlich politisch fixieren. Danach liegt die Zukunft des Klinikums nur noch bedingt in hiesigen Händen.
Geheilt ist Patient Krankenhaus also noch lange nicht.
Lesen Sie auch:




















