Ein Verkehrsunfall, ein Schlaganfall im heimischen Wohnzimmer, eine Schnittverletzung beim Holzmachen – wer im Notfall medizinische Hilfe braucht, bekommt diese hierzulande in aller Regel auch.
Und doch förderte der Heimat-Monitor, die große FT-Leserbefragung, einige Wortmeldungen zutage, die von mangelhaft besetzten Rettungswachen sprechen und sich um eine adäquate Notfallversorgung in der Region sorgen. Einzelfälle, Regel oder falscher Alarm?
ILS Bamberg-Forchheim leitet die Notrufe weiter
Wer im Kreis Forchheim die Notrufnummer 112 wählt, landet bei der Integrierten Leitstelle (ILS) Bamberg-Forchheim. Sie koordiniert mehr als 300 Feuerwehren, Rettungsdienste, Bergwachten und Co. aus den Landkreisen Bamberg und Forchheim sowie der Stadt Bamberg.
Alleine in den 29 Forchheimer Landkreiskommunen hat es 2022 im Schnitt fast 32 Einsätze am Tag (Januar bis September 7765 Notfalleinsätze) gegeben, wie der ärztliche Leiter der ILS Dr. Jochen Peter mitteilt. Auffällig sei laut Peter eine deutliche Zunahme an Einsätzen, er zählt für die ersten drei Quartale 2022 fast ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor.
Vorgegebene Hilfsfrist beträgt zwölf Minuten
Dies schlage sich auch auf die sogenannte Hilfsfrist nieder. Zwölf Minuten. Solange bekommen die Retter Zeit zwischen dem Ausrücken und dem Eintreffen an der Einsatzstelle.
In etwas mehr als drei von vier Fällen (78,2 Prozent) ist im vorigen Jahr im Landkreis Forchheim eingehalten worden. In der Kreisstadt waren es sogar 93 Prozent. Existiert also ein Rettungsgefälle im Landkreis, ist die Sorge mancher Bewohner aus der Fränkischen Schweiz berechtigt, im Notfall nicht versorgt zu werden? Das wohl nicht.
Retter müssen weite Wege fahren im Landkreis Forchheim
Aber: Die Retter müssen rund um Forchheim eine große Fläche bedienen, dadurch steigen an sich schon die Anfahrtswege für die einzelnen Einsätze. Und: „Es ist nachvollziehbar, dass die Steigerung der Notfalleinsätze auch Auswirkungen auf die Hilfsfristen im Landkreis hat.
Wenn der Rettungswagen im Einsatz ist, muss bei einem Folgeeinsatz ein Fahrzeug von einem weiter entfernten Standort alarmiert werden“, erklärt Jochen Peter. Hinzu kommt: Wenngleich die Klinik in Ebermannstadt nicht direkt in die Notfallversorgung eingebunden sei, versorge sie beinahe jeden achten Notfallpatienten.
„Sobald die bauliche Erweiterung des Klinikum Forchheim abgeschlossen ist, wird die komplette Notfallversorgung am Klinikum Forchheim stattfinden“, sagt Peter, möchte aber zugleich entwarnen: Die verlängerten Anfahrtswege aus der Fränkischen seien vertretbar, auch bleibe der Notarztstandort in Ebermannstadt zentraler Bestandteil des Rettungswesens. Und im Zweifel sei es besser, ein paar Extraminuten im Rettungswagen zu verbringen, dafür aber in der Bestversorgerklinik zu landen.
Steigende Notfallzahlen belasten Kliniken
Ein ganz anderes Problem sehen die Rettungsmannschaften, denn die steigende Zahl von Notfallereignisse machten auch den Kliniken zu schaffen, sagt Peter.„Auch die Notaufnahmen sehen ein deutlich gestiegenes Patientenaufkommen (Rettungsdienst, Einweisungen, fußläufig) und können hier zunehmend nicht mehr zeitnah Patienten vom Rettungsdienst übernehmen. Dies bedingt sehr lange Transportzeiten in wohnortferne Kliniken.“
Werden die Wartezeiten auf den Rettungswagen steigen?
Schon jetzt pendelt sich das sogenannte Reaktionsintervall (Zeit vom Meldungseingang bis zum Eintreffen am Einsatzort) im ILS-Gebiet bei 11:40 Minuten ein, 2021 lag der Median noch bei 11:20 Minuten. Die Wartezeiten auf den Rettungsdienst könnten noch weiter ansteigen.
Je länger die Transportzeit in entferntere Kliniken, desto länger ist ein Rettungswagen nicht für Notfälle in der eigenen Region verfügbar. Dessen Einsätze müssten dann von weiter entfernten Rettungswagen abgedeckt werden. Einen akuten Versorgungsengpass fürchten aber weder Dr. Jochen Peter noch Experten der hiesigen Rettungsdienste.
Für die Patienten heißt das: bei Notruf Rettung!
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