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Bei Notruf Rettung
Weite Wege für Retter im Kreis Forchheim: ein Problem?
Knapp 32 Einsätze pro Tag im Landkreis Forchheim:  Männer wie Rettungssanitäter Andreas Ehret vom ASB Gräfenberg bildet das Rückgrat der Notfallversorgung. Auch wenn die ländlichen Strukturen in der Region so manchen Anfahrtsweg verlängern, müsse ...Forchheim & Fränkische Schweiz
Knapp 32 Einsätze pro Tag im Landkreis Forchheim: Männer wie Rettungssanitäter Andreas Ehret vom ASB Gräfenberg bildet das Rückgrat der Notfallversorgung. Auch wenn die ländlichen Strukturen in der Region so manchen Anfahrtsweg verlängern, müsse niemand um seine Versorgung fürchten, sagen sie. // Stephan Großmann
Kirchehrenbach – Der Kreis Forchheim ist groß, die Wege für die Rettungswagen weit und die vorgeschriebenen Zeiten vom Notruf bis zum Einsatzort kurz. Schaffen es die Retter rechtzeitig?

Ein Verkehrsunfall, ein Schlaganfall im heimischen Wohnzimmer, eine Schnittverletzung beim Holzmachen – wer im Notfall medizinische Hilfe braucht, bekommt diese hierzulande in aller Regel auch.

Und doch förderte der Heimat-Monitor, die große FT-Leserbefragung, einige Wortmeldungen zutage, die von mangelhaft besetzten Rettungswachen sprechen und sich um eine adäquate Notfallversorgung in der Region sorgen. Einzelfälle, Regel oder falscher Alarm?

Weite Wege müssen Forchheims Retter im Landkreis zurücklegen.  Warum das die Versorgung nicht zwingend gefährden muss, wo aber neue Probleme lauern.Forchheim & Fränkische Schweiz
Weite Wege müssen Forchheims Retter im Landkreis zurücklegen. Warum das die Versorgung nicht zwingend gefährden muss, wo aber neue Probleme lauern. // News5/Merzbach

ILS Bamberg-Forchheim leitet die Notrufe weiter

Wer im Kreis Forchheim die Notrufnummer 112 wählt, landet bei der Integrierten Leitstelle (ILS) Bamberg-Forchheim. Sie koordiniert mehr als 300 Feuerwehren, Rettungsdienste, Bergwachten und Co. aus den Landkreisen Bamberg und Forchheim sowie der Stadt Bamberg.

Alleine in den 29 Forchheimer Landkreiskommunen hat es 2022 im Schnitt fast 32 Einsätze am Tag (Januar bis September 7765 Notfalleinsätze) gegeben, wie der ärztliche Leiter der ILS Dr. Jochen Peter mitteilt. Auffällig sei laut Peter eine deutliche Zunahme an Einsätzen, er zählt für die ersten drei Quartale 2022 fast ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor.

Vorgegebene Hilfsfrist beträgt zwölf Minuten

Dies schlage sich auch auf die sogenannte Hilfsfrist nieder. Zwölf Minuten. Solange bekommen die Retter Zeit zwischen dem Ausrücken und dem Eintreffen an der Einsatzstelle.

In etwas mehr als drei von vier Fällen (78,2 Prozent) ist im vorigen Jahr im Landkreis Forchheim eingehalten worden. In der Kreisstadt waren es sogar 93 Prozent. Existiert also ein Rettungsgefälle im Landkreis, ist die Sorge mancher Bewohner aus der Fränkischen Schweiz berechtigt, im Notfall nicht versorgt zu werden? Das wohl nicht.

Retter müssen weite Wege fahren im Landkreis Forchheim

Aber: Die Retter müssen rund um Forchheim eine große Fläche bedienen, dadurch steigen an sich schon die Anfahrtswege für die einzelnen Einsätze. Und: „Es ist nachvollziehbar, dass die Steigerung der Notfalleinsätze auch Auswirkungen auf die Hilfsfristen im Landkreis hat.

Jochen Peter, ärztlicher Leiter der Integrierten Leitstelle Bamberg-ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Jochen Peter, ärztlicher Leiter der Integrierten Leitstelle Bamberg-Forchheim // FT/ILS

Wenn der Rettungswagen im Einsatz ist, muss bei einem Folgeeinsatz ein Fahrzeug von einem weiter entfernten Standort alarmiert werden“, erklärt Jochen Peter. Hinzu kommt: Wenngleich die Klinik in Ebermannstadt nicht direkt in die Notfallversorgung eingebunden sei, versorge sie beinahe jeden achten Notfallpatienten.

„Sobald die bauliche Erweiterung des Klinikum Forchheim abgeschlossen ist, wird die komplette Notfallversorgung am Klinikum Forchheim stattfinden“, sagt Peter, möchte aber zugleich entwarnen: Die verlängerten Anfahrtswege aus der Fränkischen seien vertretbar, auch bleibe der Notarztstandort in Ebermannstadt zentraler Bestandteil des Rettungswesens. Und im Zweifel sei es besser, ein paar Extraminuten im Rettungswagen zu verbringen, dafür aber in der Bestversorgerklinik zu landen.

Steigende Notfallzahlen belasten Kliniken

Ein ganz anderes Problem sehen die Rettungsmannschaften, denn die steigende Zahl von Notfallereignisse machten auch den Kliniken zu schaffen, sagt Peter.„Auch die Notaufnahmen sehen ein deutlich gestiegenes Patientenaufkommen (Rettungsdienst, Einweisungen, fußläufig) und können hier zunehmend nicht mehr zeitnah Patienten vom Rettungsdienst übernehmen. Dies bedingt sehr lange Transportzeiten in wohnortferne Kliniken.“

11,67 Minuten brauchen die Retter (Median, ersten drei Quartale 2022) vom Notruf bis zum Eintreffen.Forchheim & Fränkische Schweiz
11,67 Minuten brauchen die Retter (Median, ersten drei Quartale 2022) vom Notruf bis zum Eintreffen. // Stephan Großmann

Werden die Wartezeiten auf den Rettungswagen steigen?

Schon jetzt pendelt sich das sogenannte Reaktionsintervall (Zeit vom Meldungseingang bis zum Eintreffen am Einsatzort) im ILS-Gebiet bei 11:40 Minuten ein, 2021 lag der Median noch bei 11:20 Minuten. Die Wartezeiten auf den Rettungsdienst könnten noch weiter ansteigen.

Je länger die Transportzeit in entferntere Kliniken, desto länger ist ein Rettungswagen nicht für Notfälle in der eigenen Region verfügbar. Dessen Einsätze müssten dann von weiter entfernten Rettungswagen abgedeckt werden. Einen akuten Versorgungsengpass fürchten aber weder Dr. Jochen Peter noch Experten der hiesigen Rettungsdienste.

Für die Patienten heißt das: bei Notruf Rettung!

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