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Bevölkerungs-Wachstum
Immer mehr Forchheimer: Fluch oder Segen für den Landkreis?
Wie sich die Kommunen im Landkreis Forchheim für das Einwohnerplus bereit machen wollen und warum nicht überall im Landkreis die Menschen immer älter werden.Forchheim & Fränkische Schweiz
Wie sich die Kommunen im Landkreis Forchheim für das Einwohnerplus bereit machen wollen und warum nicht überall im Landkreis die Menschen immer älter werden. // Josef Hofbauer/Archiv
Forchheim – Die Bevölkerungszahl im Landkreis Forchheim steigt an – ganz im Gegensatz zum Rest Oberfrankens. Was die Region so besonders macht und wie die Städte und Gemeinden den Zuwachs stemmen wollen.

Einhundertneunzehntausendneunhundert. Eine mächtige Zahl. Jede einzelne Ziffer davon steht für einen Menschen.

119.900. So viele werden im Jahr 2041 nach Berechnungen des Bayerischen Landesamtes für Statistik im Landkreis Forchheim wohnen. Gut 3000 mehr als heute. So stark wächst kein Landkreis in ganz Oberfranken.

2,7 Prozent mehr Menschen werden hier dann wohnen als noch Ende 2021. Bayernweit betrachtet mag das keine Besonderheit sein, die Freistaat-Bevölkerung insgesamt wächst.

2041 wird es 13,89 Millionen Bayern geben, das sind 714.000 Personen beziehungsweise 5,4 Prozent mehr als bisher. Im Vergleich zu anderen oberfränkischen Kreisen ist das aber schon eine Besonderheit.

Von Stadt und Landkreis Bamberg abgesehen schrumpfen überall die Einwohnerzahlen. Nirgends im Freistaat so stark wie in Kronach (-9,1 Prozent). Was aber macht die Forchheimer Region so besonders?

Zuzug entscheidet, natürliche Entwicklung bleibt negativ

Das Plus an Einwohnern speist sich hauptsächlich durch Zuzug und Zuwanderung. Sei es aus anderen Landkreisen, Bundesländern oder Staaten.

„Seit Jahren kompensiert der Zuzug das negative Saldo der natürlichen Bevölkerungsentwicklung in Bayern“, erklärt Manfred Miosga, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth. Die demografische Wucht trifft auch den Landkreis Forchheim.

„Traditionell gibt es große Unterschiede zwischen den Gebieten im westlichen und dem östlichen Oberfranken“, sagt Miosga. Der Landkreis Forchheim profitiere demnach vor allem von seiner günstigen Lage entlang der wirtschaftsstarken Regnitz-Achse.

Erlangen, Bamberg, Bayreuth und die Stadt Forchheim heißen die Magnete. Je attraktiver eine Region bei Themen wie Arbeitsplatz und Wohnortqualität abschneidet, desto mehr Menschen zieht es dorthin.

Das heiße aber laut Miosga auch, dass die Unterschiede innerhalb des Landkreises groß sind, was das Bevölkerungssaldo betrifft.

Zuzug und Zuwanderung gleichen auch im Landkreis Forchheim die negative natürliche Bevölkerungsentwicklung aus.Forchheim & Fränkische Schweiz
Zuzug und Zuwanderung gleichen auch im Landkreis Forchheim die negative natürliche Bevölkerungsentwicklung aus. // Illustration: Carolin Neundorfer; da_on, stock.adobe.com

Tatsächlich zeigt eine weitere, bereits vor drei Jahren vorgelegte Berechnung des Statistik-Amtes, dass innerhalb des Landkreises vor allem Hetzles und Hallerndorf sowie Forchheim an Bevölkerung zulegen werden.

Ganz anders Hiltpoltstein und Kirchehrenbach, dort werden in einigen Jahren wohl deutlich weniger Menschen leben als bisher.

Wachstum herausfordernd für Kommunen im Landkreis Forchheim

Was heißt das alles für die Kommunen? Beispiel Forchheim: Schon jetzt habe die Stadt laut Oberbürgermeister Uwe Kirschstein die Marke von 35.000 Einwohnern gerissen, früher als prognostiziert. Das freue ihn, mahne aber anstehende Hausaufgaben an.

Vor allem in puncto Kinderbetreuung, die laut Experte Miosga elementar sei, um junge Familien dauerhaft in einer Region halten zu können, hat die Königsstadt noch eines zu tun.

Nach wie vor gibt es weniger Plätze als Bedarfe dafür. Immerhin wurden bereits neue Kitas geschaffen, weitere kämen in Zukunft hinzu. Kirschstein: Man sei auf einem guten Weg.

Internet, ÖPNV, Nahversorgung müssen stimmen

Weitere Faktoren sind eine gute Infrastruktur (Breitband, ÖPNV, Nahversorgung) sowie der Wohnungsmarkt. Wenngleich die Stadt seit Jahren gegensteuert, ist der Wohnungsmarkt in Forchheim hart umkämpft.

Vor allem in Forchheim ist der Wohnungsmarkt umkämpft. Aber zunehmend auch auf dem Land.Forchheim & Fränkische Schweiz
Vor allem in Forchheim ist der Wohnungsmarkt umkämpft. Aber zunehmend auch auf dem Land. // Barbara Herbst

Und nicht nur dort: „Auch in kleineren Kommunen müssen wir Wohnungslücken schließen“, sagt die Vorsitzende des Bayerischen Gemeindetages im Landkreis Forchheim Christiane Meyer.

Gentrifizierung kein Metropolenproblem mehr

Wichtig sei es auch, die Einwohner nicht zugunsten der gerne gesehenen Schicht kaufkräftiger Zugezogener zu benachteiligen. Gentrifizierung findet längst nicht nur in Metropolen statt. Die Mieten steigen auch in der Fränkischen Schweiz seit Jahren an.

Ebermannstadts Bürgermeisterin und Vorsitzende des Bayerischem Gemeindetages im Landkreis Forchheim Christiane MeyerForchheim & Fränkische Schweiz
Ebermannstadts Bürgermeisterin und Vorsitzende des Bayerischem Gemeindetages im Landkreis Forchheim Christiane Meyer // Barbara Herbst

Auch auf dem Land müsse man  geförderten Wohnungsbau  und einen Wohn-Mix anbieten, sagt Meyer. Einige Kommunen, etwa Ebermannstadt, setzen hierfür unter anderem auf Einheimischenmodelle, wenn sie Bauplätze vergeben.

Hinzu kommt: Die Menschen im Landkreis werden, wohl abgesehen von der Kreisstadt, immer älter. Damit einher gehen neue Bedürfnisse für Wohnen, Versorgung, Mobilität.

„Das Ziel des Landkreises muss es sein, dass alle Orte von dem Wachstum profitieren“, sagt Meyer. Es dürfe zwischen den Kommunen kein Qualitäts-Gefälle geben.

„Wachstum alleine ist kein Ziel“

Dass die Forchheimer Region attraktiv für Zuzügler ist, dürfe man nicht als selbstverständlich annehmen, sagt Miosga. „Die Gemeinden müssen infrastrukturell nachziehen, den Menschen dauerhaft Gründe liefern, um herzukommen.“

Wachstum alleine sein kein erstrebenswertes Ziel, sagt der Bayreuther Professor für Stadt- und Regionalentwicklung Manfred Miosga.Forchheim & Fränkische Schweiz
Wachstum alleine sein kein erstrebenswertes Ziel, sagt der Bayreuther Professor für Stadt- und Regionalentwicklung Manfred Miosga. // Sony Adam/Archiv

Und er schiebt warnend hinterher: Zu stark sollte die Bevölkerung auch nicht wachsen, Wachstum für sich genommen sei kein erstrebenswertes Ziel.

„Es braucht attraktive ländliche Räume, um die stark wachsenden Städte zu entlasten“, so Miosga.

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