Auch wenn der Lebensmitteleinkauf mit der aktuell wieder gestiegenen Teuerungsrate keinen Spaß macht. Noch weniger Freude macht er, wenn es in der Nähe gar keinen großen Supermarkt gibt. Wie in Forchheims direkter Innenstadt, wo die Schließung des Rewe-Marktes am Paradeplatz im Sommer 2021 bis heute eine große Lücke hinterlassen hatte. Nun kommt wieder positiver Schwung in die Debatte um eine mögliche Nachfolge.
Alter Rewe bleibt Problemgebäude am Paradeplatz
Gegensätzlich zum schmuckgewordenen Paradeplatz und der neu gestalteten und wiedereröffneten Alten Wache präsentiert sich die Hausnummer Paradeplatz 13 als wenig herausgeputzter halber Leerstand. Viel ist in den vergangenen Jahren über eine Neunutzung des ehemaligen Rewe-Marktes diskutiert worden; eine öffentlichkeitswirksame Lösung steht bislang jedoch aus.
Aktuell brilliert die nicht mehr ganz so strahlende Fassade nur durch die leeren, mit Folien verhangenen Schaufenster und die übriggebliebenen Halterungen für die Werbetafeln. Doch es gibt (wieder) Hoffnung. Wie Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) während der beiden Bürgerversammlungen in der Innenstadt sowie im Stadtteil Forchheim-Nord anklingen ließ, habe man einen konkreten Nachnutzer in Gedanken.
Bislang lediglich Gerüchte über mögliche Nachfolge
Bislang verwies das Stadtoberhaupt lediglich darauf, dass man „im Hintergrund“ agiere und Gespräche führe. Konkrete Interessenten wurden nie genannt; weder von ihm und seiner Verwaltung noch der Eigentümerin des markanten Gebäudes am Paradeplatz, die Pensionskasse für die Deutsche Wirtschaft in Duisburg. Mal waberte ein Discounter durch die Gerüchteküche, dann ein Billigladen, dann wieder etwas ganz anderes.
Inklusive Supermarkt-Kette Cap im Gespräch für Forchheim
Laut Kirschstein sei man aktuell konkret mit der Supermarktkette Cap im Gespräch. Die Cap-Märkte konzentrieren sich auf die Inklusion von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz und sollen einen ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung schaffen. Bis zu 50 Prozent der Mitarbeitenden dieser Märkte sind Menschen mit Handicap.
Seit 2005 kooperieren die Franchise-Unternehmen mit Sitz in Stuttgart mit Edeka Südwest, inzwischen gibt es mehr als 100 Cap-Filialen im Bundesgebiet, in denen laut Unternehmensangaben etwa 1555 Menschen arbeiten (davon rund 850 Mitarbeiter mit Behinderung). Die Märkte arbeiten nicht gewinnorientiert und anders als etwa bei den Werkstätten für Menschen mit Behinderung erhalten die Mitarbeitenden regulären Lohn; immerhin angelehnt an den Tarifvertrag des Einzelhandels.
Gespräche mit möglichen Betreibern erst am Anfang
Dieses Konzept könne sich Kirschstein auch für Forchheim vorstellen. Allerdings müsse er einschränkend hinzufügen, so Kirschstein während der Bürgerversammlung, dass derzeit lediglich erste Gespräche laufen würden. Eine Hürde: Weder Edeka noch die Stadt Forchheim würden einen Cap-Markt selbst betreiben. In der Regel kümmern sich Wohlfahrtsverbände vor Ort darum, etwa Werkstätten für behinderte Menschen oder spezielle Integrationsbetriebe.
Lebenshilfe Forchheim winkt ab – aus finanziellen Grünen
Erster Anlaufpunkt ist die Lebenshilfe Forchheim. Die würde aber abwinken, so Kirschstein. Peter Pfann, geschäftsführender Vorstand der Lebenshilfe Forchheim, bestätigt die Absage zwar. Aber: „Die Stadt ist bereits vor einigen Jahren mit dieser Idee auf uns zugekommen. Damals hatten wir aus finanziellen Gründen ablehnen müssen. Selbst die für uns wichtige Null mit diesem Konzept zu erreichen, sehen wir leider nicht“, so Pfann.
Aktuell habe ihn keine weitere Anfrage aus der Stadtverwaltung erreicht. Aber, fügt Pfann hinzu, seine Antwort würde genauso ausfallen wie noch vor einigen Jahren. Glücklicherweise gibt es in Forchheim weitere Organisationen, die für eine solche Idee infrage kämen.
Die nächsten Cap-Märkte in der Nähe sind im Hofer Land, im Landkreis Ansbach sowie in Schweinfurt zu finden. Und bald auch in Forchheim?
Springt der ASB Forchheim in die Bresche?
Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) zum Beispiel, der selbst Angebote für Menschen mit Behinderung vorhält, etwa das Wohnheim „Haus am Gründelbach“. Forchheims ASB-Geschäftsführer Sebastian Beetz bestätigt gegenüber fraenkischertag.de, dass es derzeit Gespräche mit OB Kirschstein gebe. Die seien aber noch nicht konkret gediehen.
Dass sich Kirschsteins Idee eher noch im Status einer Vision denn eines Vorhabens befindet, belegt ein Anruf bei Thomas Heckmann, Vorstand gdw sued, der Dachorganisation der Cap-Märkte in Stuttgart. Er wisse noch nichts von dem Vorhaben, in Forchheim einen seiner Märkte einzurichten. Aber, so sagt er, sobald man einen konkreten Vorschlag habe, sei er immer offen.
Bis zu einer möglichen Eröffnung dürfte es noch dauern
Thomas Heckmann würde es freuen, Uwe Kirschstein würde es freuen, den potenziellen Angestellten mit und ohne Behinderung würde es freuen. Und den Menschen in der Innenstadt, die endlich wieder größere Auswahl für ihren Lebensmitteleinkauf hätten.
Doch auch wenn die Paradeplatzbaustelle, die bislang stets als Hemmschuh für eine Rewe-Nachfolge gehandelt worden ist, bereits seit fast einem Jahr schon Geschichte ist. So schnell werden die Schaufensterverhüllungen in der Hausnummer 13 wohl nicht verschwinden.

















