Noch ist es ruhig auf den Straßen. Und im Netz. Dabei kündigt sich in nicht allzu ferner Zukunft bereits ein wegweisendes Ereignis für die Königsstadt Forchheim an. Am 8. März 2026 ist die Einwohnerschaft wie in ganz Bayern dazu aufgerufen, Sitze in den Polit-Gremien und Posten in der Rathaus-Chefetage zu vergeben. Vor allem in Forchheim dürfte diese Wahl so spannend wie lange nicht mehr werden. Ausgang: ungewiss. Und doch lässt sich schon jetzt einiges heraus deuten.
Forchheim: Fünf Männer und eine Frau wollen das Oberbürgermeister-Amt
Aktuell stehen sechs Namen auf der Liste derer, die sich das Amt des Oberbürgermeisters oder der Oberbürgermeisterin entweder weiterhin oder neu zutrauen würden: Amtsinhaber Uwe Kirschstein (SPD), Martina Hebendanz (CSU), Markus Dietz (Forchheimer Grüne Liste), Manfred Hümmer (Freie Wähler), Tino Reichardt (FDP) und Viktor Naumann (parteilos). Weitere könnten folgen, so hatte beispielsweise bereits die Partei Die Linke angekündigt, eventuell jemanden ins Rennen schicken zu wollen. Die AfD wiederum hatte mitgeteilt, nicht kandidieren zu wollen oder zu können.
OB-Wahl 2026 verspricht in Forchheim große Spannung
Allein die große Anzahl an Interessenten verspricht vorab mehr Spannung als es beispielsweise bei den vergangenen Wahlen im Jahr 2020 war. Damals setzte sich Uwe Kirschstein in der Stichwahl mit 55 Prozent gegen den CSU-Bewerber Udo Schönfelder durch. Diese erreichten die beiden Männer relativ deutlich gegen die dritte Kandidatin Annette Prechtel von der Forchheimer Grünen Liste.
Wenngleich sich die Positionen und Visionen damals zum Teil erheblich voneinander unterschieden hatten, gab es kaum einen harten Wahlkampf. Eher hatten die drei das Bild des gegenseitigen Schulterklopfens bemüht. Diese beinahe demonstrative Einigkeit mündete darin, dass seither alle drei als Bürgermeisterin und Bürgermeister die Geschicke der Stadt unter der Federführung von OB Kirschstein leiten.
Dementsprechend sind die ersten Jahre ab 2020 kaum von publik ausgetragenen Fehden innerhalb der Stadtpolitik bestimmt. Und das, obwohl die Corona-Pandemie und die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine auch den Menschen in Forchheim teils bis heute viel abverlangen – was indirekt auf die Entscheidungsträgerinnen und -träger zurückfällt.
Haushaltskrise lässt politischen Ton 2024 rauer werden
Rauer wird der Ton erst, als Forchheims Finanzwächter im Frühsommer 2024 vom hohen Ross gerissen werden, das sie in den vergangenen Jahren reiten durften. Dutzende Millionen Euro muss Forchheim an Gewerbesteuern zurückerstatten, die daraufhin ausgerufene so ungewohnte wie strenge Haushaltsdisziplin kappt schnell vorhandene Brücken und schafft neue Gräben zwischen den einzelnen Parteien und Fraktionen.
In diesen unruhigsten Fahrwassern der jüngeren Stadtgeschichte müssen nun langjährig Erfahrene und unbekannte Neulinge gleichermaßen versuchen, ihre Visionen gewinnbringend vorzutragen und gleichzeitig die unter Umständen langfristig verheerenden Folgen des städtischen Haushaltslochs so gering wie möglich zu halten. Teure Wahlgeschenke lassen sich mit leeren Kassen kaum versprechen; oder müssen noch aufwendiger verpackt werden als üblich.
Uwe Kirschstein (SPD): Wieder ein „notwendiger Wechsel“?
Keine leichte Aufgabe. Nicht für den seit 2016 amtierenden Uwe Kirschstein. Er selbst war damals angetreten, um in Forchheim den „notwendigen Wechsel“ nach 26 CSU-geführten Jahren (Franz Stumpf) anzuführen. Nun nach zehn Kirschstein-Jahren, von denen man viele objektiv als solide bis gelungen bezeichnen kann, läuft er selbst Gefahr, nach zehn Amtsjahren einem vielleicht notwendigen Wechsel zum Opfer zu fallen. Zumal er mehr sein Image als analytischer Verwaltungs-Chef denn als hemdsärmeliger Bürgermeister der Herzen pflegt.
Manfred Hümmer (Freie Wähler): Neue Wahl, neues Glück
Auch ist es keine leichte Aufgabe für seinen politisch wohl erfahrensten Herausforderer Manfred Hümmer. Er agiert für die Freien Wähler federführend nicht nur in Stadt, Kreis und Bezirk, sondern hat es in den vergangenen Jahrzehnten schon häufiger versucht, den OB-Sessel zu ergattern. Bislang jedoch erfolglos. Zwar zählt Hümmer zu den wohl fleißigsten und umtriebigsten Politikern Forchheims, der Sprung in die erste Aufmerksamkeitsliga der Wählerschaft gelang ihm (und seinen Freien Wählern insgesamt) jedoch bislang nicht.
Martina Hebendanz (CSU): Großer Name mit neuen Ambitionen
Dies dürfte mit größer werdendem Teilnehmerfeld nicht leichter werden. Beispiel CSU: Mit Martina Hebendanz haben die Christsozialen eine bestens vernetzte und charismatische Kandidatin aufgestellt. Sie ist bislang nicht nur die einzige Frau, sondern trägt in Forchheims Genusskreisen den wohl bedeutendsten Namen. Dass sie bis auf ihr Stadtratsmandat seit 2014 (und selbst dort) und seit 2020 im Kreistag bis zu ihrer Nominierung politisch kaum öffentlichkeitswirksam in Erscheinung getreten ist, muss ihr nicht zwingend zum Nachteil gereichen.
Markus Dietz (FGL): Newcomer mit Visionen
Nach der Verzichtserklärung Annette Prechtels, nicht erneut als OB-Kandidatin zur Verfügung zu stehen, musste die Forchheimer Grüne Liste (FGL) kreativ werden. Und mutig. Viele langjährige Erfahrene können oder wollen nicht kandidieren. So soll es mit dem neuen Co-Vorsitzenden Markus Dietz ein zwar visionärer und bemühter, aber in Forchheim noch kaum bekannter und kommunalpolitisch unerfahrener junger Mann richten.
Tino Reichardt (FDP): Opposition mit Außenseiterchance
Auch noch relativ unerfahren präsentiert sich Tino Reichardt, der seinen Hut für die FDP in den Ring geworfen hat. Reichardt sitzt seit 2020 im Stadtrat und fällt durch neue Ideen sowie rege und bisweilen forsche Gesprächsführung während der Sitzungen auf. Neutrale Beobachter räumen ihm allenfalls Außenseiterchancen ein.
Viktor Naumann (parteilos): Überraschende Wendung?
Eine vollkommen neue Tonalität bringt die überraschende Kandidatur des parteilosen Viktor Naumann in die OB-Wahl. Erstens reicht Naumanns Netzwerk weit über die Visitenkartensammlung eines städtischen Wirtschaftsförderers hinaus. Zweitens präsentiert er sich gut vorbereitet und könnte einer wechselwilligen Wählerschaft als unabhängiger Kandidat eine gute Alternative bieten.
Und: Noch ist nicht abzuschätzen, ob er seinem bisherigen Amts-Chef Kirschstein mit seiner eigenen Kandidatur schadet oder gar nutzt. Denn einerseits ließen sich seine Ambitionen so deuten, dass es mächtig knirscht zwischen OB und Wirtschaftsförderer, was nicht zuletzt in der aktuellen Finanzsituation ein fatales Signal wäre. Für Kirschstein und Naumann. Andererseits könnte Naumann Kirschsteins Herausforderer schwächen, weil er ihnen wichtige Stimmen abnehmen könnte.
Prognose für Wahlausgang ist beinahe unmöglich
Eine seriöse Prognose für einen Wahlsieg lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht abgeben. Wer es am 8. März 2026 in die Stichwahl schaffen wird, lässt sich aktuell allenfalls spekulieren. So ist weder ein Amtsinhaber Kirschstein sicher gesetzt, noch sind Polit-Newcomer wie Dietz oder Naumann abgehängt. Einzig dass es eine Stichwahl brauchen wird, gilt als sicher.
Beinahe spannender ist die Frage, welcher der Unterlegenen in der Stichwahl welchen Kandidaten oder Kandidatin unterstützen wird. Und ob und wie tief der Wahlkampf bestehende oder neue Gräben zwischen den Parteien reißen wird.
Denn wer auch immer ab dem kommenden Frühjahr das Oberbürgermeisteramt bekleiden wird, braucht Mehrheiten im Forchheimer Stadtrat. Bestenfalls stabile. Ohne lassen sich auch die besten Visionen nicht umsetzen – ganz egal, von wem.






















