Kommentar
Medien müssen berichten – auch über Tragödien
FT-Redakteurin Andrea Beck hatte am Dreikönigstag Feiertagsdienst, als die Agenturen ein mutmaßliches Familienunglück in Weisendorf meldeten.
FT-Redakteurin Andrea Beck war am Dreikönigstag in der Redaktion, als dort am Morgen die ersten Nachrichten über ein mutmaßliches Familienunglück in Weisendorf eingingen.
Jürgen Oriold
Andrea Beck von Andrea Beck Fränkischer Tag
Weisendorf – Die Berichte über das Familiendrama in Weisendorf gehen manchen Lesern zu weit. Andere wollen mehr Details. Wir Redakteure wägen ab - mit Sorgfalt.

Eines gleich vorweg: Auch wir Journalisten haben Mitgefühl. Tatsächlich ist die Fähigkeit, sich in Menschen hineinzuversetzen, Voraussetzung für den Beruf. Wie sonst könnten Redakteure die Stimmung ihrer Gegenüber – zum Beispiel in Reportagen – beschreiben?

Diese Empathie hat zur Folge, dass Redaktionen die Berichterstattung über sensible Themen als Gang entlang ihrer ethischen Grenzen bewerten, der mehrfach diskutiert wird. Sensible Themen wie etwa der Tod eines 14-jährigen Mädchens, dessen Bruder als Täter verdächtigt wird.

Lokalzeitungen, wie der FT, dessen Leser in der betroffenen Gemeinde wohnen, der vielleicht von Angehörigen des Opfers gelesen wird, müssen die Grenzen ihrer Berichterstattung sehr sorgfältig setzen. Müssen sensibler vorgehen, als ihre Kollegen in München oder Dresden. Denn ihre Leser belastet die öffentliche Berichterstattung über diese Tragödie.

Eine Frage des Gewissens

Dennoch liegt es in der Hand der Medien, ob sie kurz nach der Tat private Fotos der betroffenen Familie abdrucken oder nicht. Denn sie sind nur ihrem Gewissen verpflichtet. Um eine Unterdrückung der Medien wie durch das NS-Regime für alle Zeiten zu verhindern, ist die Pressefreiheit als Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes besonders stark geschützt.

Teil des Gesetzes ist die Pflicht der Medien, über Ereignisse „öffentlichen Interesses“ zu berichten. Diese Pflicht wiegt schwerer als das deutsche Datenschutzgesetz, dessen Vorgaben die Medien einhalten können, aber nicht müssen.

Der Pressekodex setzt Grenzen

Doch Journalisten setzen sich ihre Grenzen selbst – durch ihr Gewissen und den Pressekodex. Der FT achtet diese Grenzen. Wir hetzen nicht und fällen keine Urteile. Doch wo die Informationspflicht beginnt und wo sie endet, bewertet jeder Leser anders. Wir wägen deshalb sorgfältig ab, wann und über was wir berichten. Der Tod eines Mädchens ist ein Gang entlang der ethischen Grenzen.

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