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Prozess am Gericht in Erlangen
Frauenschläger misshandelt Freundin in Weisendorf brutal
Weil er seine Freundin brutal misshandelt hat, musste sich ein 27-Jähriger vor dem Amtsgericht Erlangen verantworten. Im Bild: Rechtsanwalt Marcus Fischer aus Erlangen, der Angeklagte und ein Vorführbeamter (von links).
Weil er seine Freundin brutal misshandelt hat, musste sich ein 27-Jähriger vor dem Amtsgericht Erlangen verantworten. Im Bild: Rechtsanwalt Marcus Fischer aus Erlangen, der Angeklagte und ein Vorführbeamter (von links). // Foto: Udo Güldner
Erlangen/Weisendorf – Brutale Tritte gegen Kopf und Bauch: Ein Mann hat seine Freundin in Weisendorf brutal misshandelt. Doch die Aussage des Opfers vor Gericht überrascht – und wird Konsequenzen haben.

Die ganze Woche über haben die vier Polen hart gearbeitet. Samstags sitzen sie gemeinsam in einer Wohnung in Weisendorf zusammen. Zwei Pärchen, die allesamt trinken. Erst Bier, später härtere Sachen, ohne dass man ihnen groß etwas anmerkt. Irgendwann jenseits der zwei Promille geraten die beiden Männer in Streit. Offenbar geht es darum, dass einer, nennen wir ihn Andrzej, den anderen verdächtigt, etwas mit seiner Lebensgefährtin zu haben. Jedenfalls eskaliert die Lage.

Freundin in Weisendorf brutal misshandelt: Mann vor Gericht

Der 27-jährige Andrzej schleudert zwei halbleere Glasflaschen in Richtung des anderen Pärchens. Die Wurfgeschosse treffen nicht, schlagen aber in der Wand hinter der Eckbank ein und zersplittern. Durch die vielen kleinen Scherben gibt es einige Schnittverletzungen im Gesicht. Und am Bein des „Nebenbuhlers“. Aus Angst flüchtet das Pärchen ins Badezimmer und schließt sich ein. Aber nicht ohne noch eine Drohung hinterhergerufen zu bekommen. Mit einem abgebrochenen Flaschenhals schreit Andrzej, er werde sie alle umbringen. 

Prozess am Amtsgericht Erlangen

Für seine untreue Lebensgefährtin, die versucht die Situation zu beruhigen, hat Andrzej noch viel Schlimmeres vorgesehen. Das erfuhr man während eines Prozesses am Amtsgericht Erlangen. Erst verpasst er ihr eine Ohrfeige, durch die sie rücklings gegen die Kücheninsel stürzt, stolpert und zu Boden fällt. Dann packt er sie an den Haaren.

Brutale Tritte gegen Kopf und Bauch

Schließlich folgen eine Reihe brutaler Tritte. Alle mit der Schuhspitze, und alle in Fußballer-Manier. Erst in den Bauch. Dann gegen den Kopf. Die Folge sind eine Gehirnerschütterung, eine gebrochene Nase, Blutergüsse an den Handgelenken und ein Büschel ausgerissener Haare.

Und schließlich tritt er ihr voller Verachtung und mit voller Wucht in den Genitalbereich. An den grauenerregenden Schmerzensschrei kann sich eine Zeugin bis heute erinnern. Die Lebensgefährtin habe sich danach minutenlang nicht bewegen können. Tatsächlich kommt es zu einer blutenden Risswunde an der Vulva. Ihrem Peiniger schreit sie an. „Du Depp, wegen Dir kriege ich keine Kinder mehr“. Später kommt sie nur mit großer Mühe in den Rettungswagen.

Lebensgefährtin verteidigt den Angeklagten

Im Zeugenstand versuchte die derart gedemütigte und verletzte Lebensgefährtin, den brutalen Frauenschläger aus der Schusslinie zu bringen. Mit Erinnerungslücken, Lügen und Beschwichtigungen. Sie kenne ihn schon ihr ganzes Leben. Sie liebe ihn. Man wolle demnächst heiraten. Er habe sie nur aus Versehen geschlagen. So schlimm seien die Schmerzen gar nicht gewesen.

Sie bestritt sogar den Nasenbeinbruch, obwohl die HNO-Fachärzte im Universitätsklinikum Erlangen alles wieder an seinen Platz schieben und mit einem Gips ruhigstellen hatten müssen.

Brief aus der JVA Nürnberg an die Eltern

Das Ganze sei eine jahrealte Verletzung, entstanden durch einen Unfall in Tschechien. Dort sei sie nachts betrunken die Treppe hinuntergefallen. Eine Zeugin hingegen berichtete, Andrzej habe seiner Lebensgefährtin erst vor wenigen Monaten schon einmal die Nase gebrochen. Dazu passt ein Brief Andrzejs, den er aus der JVA Nürnberg schmuggeln will.

Darin schreibt er seinen Eltern, er habe „schon wieder Scheiße gebaut“. Eigentlich hätte „der Wichser alles abkriegen“ sollen. Womit er den Landsmann meint, den er für den Liebhaber seiner Lebensgefährtin hält. Die Zeugin erzählte von weiteren Ohrfeigen auf der Terrasse und Beleidigungen in der Küche gegen die Lebensgefährtin durch den offenbar krankhaft eifersüchtigen Andrzej, die es nicht in die Anklageschrift geschafft hatten.

So urteilt das Schöffengericht am Amtsgericht Erlangen

Am Ende verurteilte das Schöffengericht Andrzej wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung sowie Bedrohung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit Bewährung. Es war eine knappe Entscheidung, die nur durch ein umfassendes Geständnis, keinerlei Vorstrafen, eine Entschuldigung und das fehlende Strafinteresse der Lebensgefährtin zustande kam. Hinzu kamen fast vier Monate in Untersuchungshaft.

Das hat die Staatsanwaltschaft gefordert

Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und drei Monate Gefängnis gefordert. Nach dem Urteil durfte Andrzej mit seinen extra angereisten Eltern zurück in sein polnisches Heimatdorf fahren. Für die Lebensgefährtin hat ihr Auftritt vor Gericht wohl noch ein Nachspiel. Sie wird mit Ermittlungen wegen uneidlicher Falschaussage und Prozessbetruges wegen der Beeinflussung einer Zeugin rechnen müssen. Die belastenden WhatsApp-Nachrichten sind noch auf dem Smartphone der Zeugin gespeichert. Diese erzählte, die Lebensgefährtin habe sie davon abhalten wollen, am Amtsgericht Erlangen auszusagen.

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