Sie glauben sich in ihren intimsten Momenten völlig unbeobachtet. Doch sie werden heimlich gefilmt. Von ihrem eigenen Stiefvater, einem 44-jährigen Mann aus Erlangen. Er hat zwei Miniatur-Kameras versteckt, die immer dann aufnehmen, sobald jemand den Raum betritt. Das kann dann seine Lebensgefährtin sein oder ein völlig ahnungsloser Besucher, der das Badezimmer benutzt. Den Spanner interessieren aber weniger erwachsene Frauen oder ältere Männer. Er möchte mit seiner Spy-Cam aufreizende Aufnahmen junger Körper unter der Dusche oder im Kinderzimmer. Von ihnen fühlt er sich sexuell angezogen.
Erlangen: Mann filmt Stieftöchter in der Dusche und beim Sex
Deshalb speichert der Voyeur insgesamt 117 Nackt-Videos der gerade erst 13-jährigen Stieftochter, darunter beispielsweise ein zehnminütiges Video beim Duschen. Die gut getarnte Kamera filmt dabei aus einer aufgehängten Arbeitshose heraus. Und er erfreut sich an 538 kurzen Filmchen der ebenfalls nackten 17-jährigen Stieftochter.
Hinzu kommen weitere 149 Videos, auf denen man sexuelle Handlungen des minderjährigen Mädchens sieht. Meist ist sie alleine im Kinderzimmer, mitunter ist aber auch ihr Freund bei ihr. Die Kamera hat alles im Blick. Fast zwei Jahre lang geht das so. Die kinder- und jugendpornografischen Inhalte landen dabei auf zwei als Powerbanks getarnten Kameras mit Speicherchip. Es sind unfassbare 256 Stunden Material. Darunter auch ganz alltägliche Momente, wie seine Stieftöchter fernsehen oder an der Spielekonsole daddeln. Die Kamera nimmt ja ständig auf.
Kinderpornografie aus dem Internet: 21.000 Fotografien und fast 500 Videos
Daneben sammelt der Mann auch unfassbar viele andere Dateien aus dem Internet und diversen Tauschbörsen. Mehr als 21.000 Fotografien und fast 500 Videos listet ein Gutachten auf. Mal dauert die Missbrauchs-Szene nur wenige Sekunden, mal muss das Kind mehr als eineinhalb Stunden leiden. Mal sind es Posing-Bilder mit Kindern in sexuell eindeutigen Positionen, mal sind es schlimme Dinge, an denen erwachsene Männer beteiligt sind.
Eine speziell damit beauftragte IT-Firma braucht viele Monate, um all die Festplatten, Smartphones und den Computer zu sichten, auszuwerten und jeden verdächtigen Inhalt zu klassifizieren. Denn für jedes einzelne Bild und jeden Film muss zweifelsfrei festgestellt werden, ob es sich im Kinder- (U14) oder um Jugendpornografie (U18) handelt. Da sind die ebenfalls aufscheinenden Aufnahmen vom Sex mit Tieren und von sadistischen Praktiken viel leichter einzuordnen.
US-amerikanische Ermittler melden sich
Seine krankhafte Freude am Anblick nackter Kinder und Jugendlicher kommt erst ans Licht, als sich US-amerikanische Ermittler melden. Sie haben ein einzelnes Foto gefunden, das der Mann bei Instagram veröffentlicht hat. Dadurch wird eine Kettenreaktion ausgelöst. Der Hinweis erreicht über das Bundes- und das Landeskriminalamt die Kripo Erlangen.
Hausdurchsuchung in Erlangen
Und bei einer Hausdurchsuchung können die oben erwähnten Datenträger beschlagnahmt werden. Da glaubt der Mann noch, den Ermittlern etwas von einem gehackten Account erzählen zu können. Allerdings taucht er später selbst als Darsteller auf. Wenn auch unfreiwillig und nur für wenige Sekunden, immer dann, wenn er die versteckte Kamera deponiert – oder wenn er alleine im Kinderzimmer ist und vor dem Bett seiner Stieftochter masturbiert.
Das eigentlich Erstaunliche an dem Fall ist allerdings, dass der Mann noch immer mit der Lebensgefährtin und den beiden nunmehr 22- und 17-jährigen Stieftöchtern unter einem Dach lebt. Mehr noch: Sie will ihn nicht bestraft sehen. Denn hinter Gittern kann er nicht monatlich fast 3.500 Euro verdienen, und davon die Nebenkosten und die Hälfte von Zins und Tilgung der kreditfinanzierten gemeinsamen Eigentumswohnung übernehmen.
Stieftöchter sind in psychologischer Behandlung
Man habe sich nach einem ersten Schock ausgesprochen, erfuhr man im Gerichtssaal. Und man habe ihm eine Chance gegeben. Man erfuhr aber auch, dass sich inzwischen alle Familienmitglieder in psychiatrischer, psychologischer oder psychotherapeutischer Behandlung befinden. Depression, Panikstörung, Änderung der Geschlechtsidentität... Und dass man in der Wohnung Sicherheitsmaßnahmen ergriffen habe: Schlüssellöcher zukleben, Kinderzimmer zusperren, keinerlei Kleidung im Badezimmer herumliegen lassen...
Urteil am Amtsgericht Erlangen
Am Ende verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht Erlangen den bislang nicht vorbestraften und geständigen Mann zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe mit Bewährung. Es ging um den Besitz und die Herstellung kinder- und jugendpornografischer Inhalte, sowie die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen.
„Ein Verfahren in solch einem Ausmaß und Umfang hatten wir noch nicht“, sagt die Vorsitzende Richterin Karin Frank-Dauphin. Der Mann muss sich einer Langzeittherapie in der Fachambulanz für Sexualstraftäter in Nürnberg stellen.
Damit setzt er eine dreijährige sexualmedizinische Behandlung im Nervenklinikum Bamberg fort. Er bekommt einen Bewährungshelfer zur Seite. Und er hat eine Geldauflage von 7.000 Euro an den Kinderschutzbund Erlangen zu zahlen. Das dicke finanzielle Ende kommt aber erst noch: Denn er muss auch die Gerichtskosten begleichen, in denen sich die Rechnung der IT-Spezialisten befindet. In vergleichbaren Fällen waren das auch schon einmal mehr als 20.000 Euro.












