Mindestens zwölf Drogendeals in Herzogenaurach, Fürth und Nürnberg soll ein Ehepaar aus Herzogenaurach zwischen Oktober 2023 und September 2024 durchgeführt haben. Nun müssen sich beide vor dem Landgericht in Nürnberg verantworten.
Wer von beiden welche Teile des Geschäfts übernommen hat, will die Anklage genau wissen. Das liegt vor allem daran, dass der Angeklagte Bastian S. (Name von der Redaktion geändert) seit Monaten von Gefängnis zu Gefängnis zieht, wie er selbst vor Gericht bestätigt. Spätestens seit seiner Inhaftierung soll seine Frau die Organisation der Deals übernommen haben. Bei diesen sei es vor allem um Cannabis-Produkte sowie Methamphetamin gegangen. Geschäfte mit mehr als acht Kilo Cannabis, einem halben Kilo Methamphetamin und 100 Gramm Kokain umfasst die Anklage laut einer Aufrechnung der Vorsitzenden Richterin insgesamt.
Drogendeals in Herzogenaurach, Fürth und Nürnberg
Übergaben habe seine Frau jedoch nie gemacht, das betont der Angeklagte. „Ich habe aus Dummheit meine Frau dazu benutzt, Geld anzunehmen“, sagt er. Sie habe ausschließlich Geld eingesammelt und Textnachrichten zwischen Käufern, Lieferanten und ihrem Mann hin- und hergeleitet. „Er hätte mich sonst terrorisiert“, sagt die 31-Jährige vor Gericht, als die Richterin fragt, warum sie sich darauf eingelassen habe.
Wie auch viele der Tatvorwürfe bestreitet Bastian S. diese Tatsache vor Gericht nicht – im Gegenteil. „Ich konnte sie ja nicht durchs Telefon schlagen, aber sonst hätte sie schon ein oder zwei Schellen bekommen“, sagt er beinahe stolz. „Ich bin der Mann, also hat sie zu tun, was ich sage.“ Das sei doch normal. Nicht nur einmal äußert er diese Meinung vor der größtenteils weiblich besetzten Kammer.
Ehepaar aus Herzogenaurach für Cannabishandel vor Gericht
Er sei ein sehr aggressiver Mensch, berichtet S. weiter. „Ich bin seit fünf Jahren eingesperrt“, erklärt er. Fragt man ihn, ist daran wohl vor allem das System schuld. „Ich kriege keine Arbeit, keine Ausbildung. Da wird in der Früh die Zelle aufgesperrt und nach drei Stunden wieder zugesperrt.“ Nach mehrmaligen Nachfragen der Richterin gibt er auch zu, selbst ein massives Drogenproblem zu haben. Seit er im April 2024 inhaftiert worden sei, habe er jeden Tag konsumiert. Hauptsächlich Spice, eine Droge, die auf synthetischen Cannabinoiden basiert. Aber auch „alles, was es gibt, Crystal, Koks, dies, das“, so der Angeklagte. Rund 700 Euro brauche er pro Woche, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren. „Mittlerweile hat das Spice aber eigentlich gar keine Wirkung mehr.“
Dass der Angeklagte eine aggressive Ader hat, lässt er das Gericht und die Zuschauer an diesem Tag auch live spüren. Als einer seiner Kunden, der momentan selbst im Gefängnis sitzt und als Hauptbelastungszeuge gegen den Angeklagten und auch seine Frau fungiert, als Zeuge aufgerufen wird, ist S. sichtlich angespannt. Hatte er zuvor noch immer wieder geweint und Blickkontakt zu seiner Frau gesucht, die diesem jedoch auswich, zischt er nun Drohungen in Richtung des Zeugen. Auch ein Drohbrief, den der Zeuge im Gefängnis bekommen hat, stammt aus der Feder von S., wie er offen zugibt. „Könnten Sie bitte mal aufhören, sich wie ein Rambo zu benehmen“, weist die Vorsitzende Richterin ihn schließlich zurecht.
Angeklagter bedroht Zeugen am Landgericht Nürnberg
Trotz der Drohungen bleibt der Zeuge beharrlich dabei: Auch die Angeklagte soll ihm mehrfach Drogen übergeben haben, nicht nur ihr Mann. Zwar habe er sie bei einer Lichtbildvorlage nicht erkannt. Auch seine Beschreibung der Frau, die er mindestens zehnmal gesehen haben will, reicht nicht weit über „eine schöne Frau mit gemachten Brüsten“ hinaus. Dennoch ist er sich sicher, mehrfach von ihr Rauschgift bezogen zu haben. Mindestens einmal habe er sogar Geld, das er dem Angeklagten schuldete, in den Briefkasten der Großmutter der Angeklagten werfen müssen.
Die Angeklagte, die zunächst kaum Fragen beantwortet, spricht erst ausführlich, als sie von der Richterin eine Einschätzung bekommt, welche Strafe ihr als Mittäterin blühen könnte: Rund fünf Jahre betrachtet die Kammer als realistisch. Auch sie bleibt im weiteren Verlauf bei der Version, laut der sie nur organisatorisch geholfen, aber nie Drogen übergeben habe. An ihre zwei Kinder, zu denen sie derzeit keinen Kontakt hat, dürfte sie dabei nicht gedacht haben, wie die Richterin feststellt. „Ich habe mich unter Druck setzen lassen“, sagt die Herzogenauracherin. „Ich weiß nicht, was dran ist, wenn jemand sagt, er schickt Leute in der Wohnung vorbei.“
Was an der Version der beiden Angeklagten dran ist, will die 21. Strafkammer in weiteren fünf Verhandlungstagen bis Mitte Juli herausfinden.












