Sie fühlen sich absolut sicher. Schließlich haben sie auf ihrem Smartphone einen ganz besonderen Messenger. Nach außen hin ist er als Taschenrechner-App getarnt. Mit einem einfachen Knopfdruck kann man alle Chats und anderen Daten unwiederbringlich löschen. Selbst Experten glauben, dass man seine Verschlüsselung nicht knacken kann. Auch die Drogendealer aus dem Aischgrund vertrauen auf ihr Krypto-Handy. Im Schatten des digitalen Schutzschirms betreiben sie Geschäfte mit Amphetamin, Kokain und Ecstasy, vor allem aber mit Cannabis-Produkten wie Marihuana und THC-Sirup.
Prozess gegen Drogendealer aus Erlangen-Höchstadt beginnt
Damit kann man sich berauschende Cocktails, Smoothies oder Limonaden mischen. Über zwei Jahre hinweg versorgen die Rauschgift-Händler nicht nur Höchstadt an der Aisch und die nähere Umgebung. Ihre Ware findet auch Abnehmer in den angrenzenden Landkreisen. Das Material kommt kiloweise aus Frankfurt am Main und wird von einem Kurier etwa alle zwei Wochen geliefert. Dann landet der Stoff in einem der geheimen Verstecke, den sogenannten „Bunkern“. Das kann eine Garage sein, oder eine Scheune, oder aber auch ein Kellerraum. Mal in Höchstadt an der Aisch, dann wieder in Gremsdorf, aber auch in Lonnerstadt.
Dealer aus Erlangen-Höchstadt: enorme Summer im Spiel
Im Warenlager werden dann die Drogen auf ihre Qualität getestet, je nach Kunde portioniert und für den Weiterverkauf vorbereitet. Mitunter bringen die Verkäufer auch den Erlös der Drogendeals dort in Sicherheit. Es geht schließlich um enorme Summen. Den Umsatz beziffert die Staatsanwaltschaft bei der Verhandlung am Landgericht Nürnberg-Fürth auf fast 600.000 Euro. Insgesamt ist von 207 Kilogramm Cannabis, 38 Kilogramm Amphetamin, eineinhalb Kilogramm Kokain, über tausend Ecstasy-Tabletten und 60 Flaschen THC-Sirup die Rede.
Drogen aus Frankreich und Spanien
Zeitweise ist die Nachfrage der Kundschaft nach Marihuana so stark, dass die Quelle in Hessen soviel Gras gar nicht herbeischaffen kann. Zumal es ab und an Probleme mit dem „Knall-Faktor“ gibt. Die Wirkstoffmenge ist nicht groß genug. Deshalb beginnen die findigen Geschäftsleute damit, eine eigene Plantage in Burgebrach (Landkreis Bamberg) anzulegen. Zudem versucht ihr „Chef“ weitere Lieferschienen aufzutun. Dafür zieht er sogar nach Marbella um, um Kontakte in die dortige Drogenszene zu knüpfen. Tatsächlich strömen danach die Betäubungsmittel aus Spanien und Frankreich in den Aischgrund.
Und zwar über den Postweg an verschiedene Packstationen in Erlangen und Nürnberg. Das zeigen einige abgefangene Päckchen, die das Hauptzollamt Gießen aus dem Verkehr zieht. Das böse Erwachen für die Drogendealer aus dem Aischgrund kommt, als es französischen Ermittlern gelingt, den angeblich todsicheren Messenger zu hacken. Nun können die staatlichen Behörden den in Frankreich stationierten Server überwachen, alles mitlesen und vorsorglich abspeichern. Diese Daten werden nun fünf Jahre später den jungen Leuten auf der Anklagebank des Landgerichts Nürnberg-Fürth zum Verhängnis. Es sind die Handlanger des Haupttäters, die im Hintergrund dafür sorgen, dass das einträgliche Geschäft läuft. Drogen abholen, Geld einsammeln, Ware kommissionieren …
Hohe Freiheitsstrafen drohen für Dealer aus Erlangen-Höchstadt
Einmal müssen sie aber selbst die Sache in die Hand nehmen. Da sitzt ihr „Chef“ zwei Wochen in der Jugendarrestanstalt Nürnberg. Dafür dürfen sie einen Teil der Drogen für sich behalten und damit die eigene Sucht befriedigen oder auf eigene Faust veräußern.
Die Kriminalpolizei Erlangen hat in mühevoller Kleinarbeit insgesamt 120.000 Chat-Nachrichten gesichtet und ausgewertet. Zwei Mitarbeiter brauchen dafür ganze acht Monate. Nun aber kann man minuziös nachweisen, wer wann bei wem wie viel bestellt, geliefert, abgeholt und weitergegeben hat. Keine gute Ausgangssituation für die Angeklagten. Zumal der Bundesgerichtshof in Karlsruhe vor einigen Wochen entschieden hat, dass man die von ausländischen Polizei-Behörden gewonnenen Messenger-Daten als Beweismittel verwenden darf.
Deal mit Jugendkammer und Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth
Um Schlimmeres zu verhindern, bleibt den beiden 25- und 28-jährigen Angeklagten nur ein Deal mit der ersten Jugendkammer und der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth: ein vollständiges Geständnis gegen eine geringere Freiheitsstrafe. Für den 25-jährigen Angeklagten sind rund drei Jahre Jugendstrafe im Gespräch. Er ist zu den Tatzeitpunkten noch unter 21 Jahren und damit Heranwachsender. Für seinen 28-jährigen Komplizen sind es bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe. Zusätzlich könnten beide für bis zu zwei Jahre in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden. Aber nur falls der psychiatrische Sachverständige das aus medizinischen Gründen befürwortet. Der Prozess wird am 3. Juni fortgesetzt.











