Wegen mehreren Drogendeals muss sich ein Ehepaar aus Herzogenaurach seit Ende Mai vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Dabei soll es größtenteils um Cannabis-Produkte, aber auch um Crystal und Kokain gegangen sein.
In rund zwölf Fällen soll das Paar laut Hochrechnungen der Richterin mit mehr als acht Kilo Cannabis, einem halben Kilo Methamphetamin und 100 Gramm Kokain gehandelt haben. Die Geschäfte fanden vor allem in Nürnberg, Fürth und Herzogenaurach statt.
Nachdem am ersten Verhandlungstag vor allem die beiden Angeklagten ihre Version geschildert hatten, laut der für die Deals vor allem Bastian S. (Name von der Redaktion geändert) verantwortlich gewesen sein und seine Frau nur gelegentlich Geld entgegengenommen haben soll, werden am zweiten Verhandlungstag mehrere Zeugen gehört.
So zum Beispiel einer der Geschäftspartner, der momentan selbst in Haft sitzt und in Fußfesseln in den Saal geführt wird. Über drei Jahre sitzt er wegen Besitz von Drogen und Beihilfe zum Handel momentan ab. Erkennen will er die beiden Angeklagten vor Gericht jedoch nicht, er habe lediglich als Kurier fungiert und seine Aufträge von einer weiteren unbekannten Person bekommen.
Internationales Drogennetzwerk? Paar aus Herzogenaurach involviert
Vor Gericht zeichnet sich das Bild eines Netzwerks ab. So soll Bastian S. zwar Drogendeals eingefädelt, selbst wiederum aber eher als Mittelsmann zu einem größeren Händler fungiert haben – „Der Große“, wie mehrere Zeugen ihn vor Gericht nennen. Er soll aus der Türkei agieren und auch mit Bastian S. zusammenarbeiten. Wie einer der Zeugen angibt, soll er in Deutschland nach einer Haftstrafe aus der Therapie geflohen sein und gesucht werden. Seine Identität konnte die Polizei auch während der ausführlichen Ermittlungen nicht klären.
Obwohl beide Angeklagte vor Gericht bei der Version bleiben, laut der Bastian S. hauptverantwortlich für die Deals sei, sieht einer der mit dem Fall betrauten Ermittler in der Ehefrau Luisa S. (Name von der Redaktion geändert) „eher eine Mittäterin“ als nur einer Beihelferin. Zwar habe Bastian S. Druck gemacht und klar „das Sagen gehabt“ und ab einer Hausdurchsuchung bei Luisa S. im März 2024 habe diese mit den Übergaben nichts mehr zu tun haben wollen. „Aber sie hat weiter die Kommunikation gemacht. Zumindest ab August kann man das ganz klar nachlesen“, erklärt der Ermittler und verweist auf die sichergestellten Chatverläufe. „Was mich gewundert hat“, so der Ermittler weiter, „war, dass die beiden Kinder in der Kommunikation zwischen den Angeklagten nie ein Thema waren“.
Herzogenauracherin wickelt Deals über Oma ab
Klar sei für den Ermittler auch, dass Luisa S. vom Drogenhandel ihres Mannes profitiert habe. Er habe den Eindruck gehabt, Bastian S. hätte sie „versorgt“ wissen wollen. In den Chats sei zu sehen gewesen, dass Bastian S. aggressiv gewesen sei, seine Frau wiederum wirke darin, als wäre sie es so gewöhnt. „Er hat sie auch öfter bedroht, weil er dachte, sie geht fremd“, so der Ermittler im Zeugenstand.
Vom schlechten Verhältnis zwischen den Eheleuten erzählt vor Gericht auch die Großmutter der Angeklagten. Gegen die 74-Jährige läuft derzeit ebenfalls ein Ermittlungsverfahren. Mindestens zweimal soll eine Geldübergabe über sie stattgefunden haben, das Geld soll dabei nach Absprache mit ihrer Enkelin in ihrem Briefkasten deponiert worden sein. Als die Zeugin den Saal betritt, fließen bei der Angeklagten, die ansonsten beinahe stoisch auf den Tisch vor sich blickt, die Tränen.
Großmutter vor Gericht: Enkelin von Ehemann bedroht
Zu den Vorwürfen des Drogenhandels gegen ihre Enkelin äußert die Zeugin sich vor Gericht nicht, beruft sich stattdessen auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Weil sie ein sehr gutes Verhältnis zu Luisa S. habe, wisse sie aber von den Eheproblemen. Zwar habe ihre Enkelin ihr keine Einzelheiten erzählt, aber sie habe gemerkt, dass diese die Drohungen ihres Mannes belasten würden. „Er war ja nicht da, aber der telefonische Druck muss immens gewesen sein“, berichtet die 74-Jährige. „Er hat wohl auch gesagt, er lässt sie umbringen.“ Wie genau ihre Enkelin auf die Drohungen reagiert habe, könne sie jedoch nicht sagen. Doch schon am ersten Prozesstag hatte Bastian S. selbst zugegeben, schnell aggressiv zu werden und seine Frau regelmäßig unter Druck zu setzen, damit sie seinen Anweisungen folgt.
Ans Licht gekommen waren die Deals des Ehepaars, weil einer der Mittelsmänner, der Drogen von Bastian S. bezogen hatte, im Februar 2024 von der Polizei durchsucht worden war. Dabei fanden die Beamten auch Chats und Screenshots auf dessen Handy, die auf das Ehepaar S. und weitere Geschäftspartner verwiesen. Zumindest Bastian S. weist bereits eine längere Liste an Vorstrafen auf und sitzt derzeit in Haft. In vier weiteren Verhandlungstagen will die 21. Strafkammer sich ein Bild zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft machen.












