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Spektakulärer Drogenprozess
Landgericht: Zwei Dealer aus dem Aischgrund verurteilt
Rechtsanwalt Sören Jungkunz aus Nürnberg sowie einer der Angeklagten aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Rechtsanwalt Sören Jungkunz aus Nürnberg sowie einer der Angeklagten aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt. // Udo Güldner
Höchstadt a. d. Aisch – Rückschläge, Perspektivlosigkeit und vor allem die Sucht prägten das Leben der beiden Angeklagten, das hat der Prozess am Landgericht Nürnberg gezeigt. Jetzt ist das Urteil gefallen.

Am Landgericht Nürnberg-Fürth ging ein spektakulärer Drogenprozess gegen zwei Dealer aus dem Aischgrund zu Ende. Immerhin war bei der Gruppierung, zu der ein halbes Dutzend junger Männer gehörte, von 207 Kilogramm Cannabis, 38 Kilogramm Amphetamin, eineinhalb Kilogramm Kokain, über tausend Ecstasy-Tabletten und 60 Flaschen THC-Sirup die Rede. Der 28-jährige Angeklagte bekam für seinen Anteil an den Taten vier Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe.

Der 25-jährige Angeklagte wurde zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Darin wurde eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten des Amtsgerichtes Erlangen eingepreist. Ein kleiner Rückblick: Mit seiner Drogensucht bringt der 25-jährige Angeklagte nicht nur sich in Gefahr. Das zeigt ein Verkehrsunfall zwischen Höchstadt und Aisch. Geschehen an einem Sonntagmittag im Februar 2024. Einen anderen Autofahrer verunsichert er durch zu nahes Auffahren und ungewöhnliche Manöver.

Dealer wegen Autounfall geschnappt

Schließlich gerät der Wagen des Angeklagten ins Bankett, prallt gegen einen Baum, überrollt einen Leitpfosten und kommt nach einer 180-Grad-Drehung auf der Straße zum Stehen. Während das Fahrzeug nur noch Schrottwert hat, bleiben beide Insassen wie durch ein Wunder unverletzt. Der Fahrer flüchtet in den Wald. Man kann ihn erst nach einer Fahndung stellen. Dabei wehrt er sich nach Kräften gegen die Festnahme und versucht dabei auch, eine der Polizistinnen zu schlagen.

Es stellt sich heraus, dass der Mann am Steuer noch in der Führerschein-Probezeit ist und eine ganze Menge an berauschenden Substanzen im Blut hat. Er hat die aufputschenden Mittel Speed und Crystal Meth sowie die „Downer“ Marihuana und den Tranquilizer Lorazepam genommen. Das Amtsgericht Erlangen verhängt eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten mit Bewährung, die nun am Landgericht Nürnberg-Fürth in das neue Urteil einbezogen wurde.

Im aktuellen Verfahren riet die Jugendgerichtshilfe, den 25-jährigen Angeklagten wegen umfangreichen Handels mit Betäubungsmitteln und Cannabis-Produkten nach Jugendstrafrecht zu verurteilen.

Sein bisheriges Leben ist durch Brüche und Rückschläge geprägt. Aggressives Auftreten in der Schule oder Schwänzen des Unterrichts führen dazu, dass er den Abschluss nicht schafft. Auch eine Ausbildung bringt er nicht zu Ende. Sein Leben ist bestimmt von Müßiggang, Partys mit Freunden und Drogenkonsum. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes am Landratsamt Erlangen-Höchstadt plädierte dafür, den 25-jährigen Angeklagten wegen „schädlicher Neigungen“ einzusperren. Mildere Mittel wie verschiedene Arreste hätten keine erzieherische Wirkung gezeigt.

Laufbahn von Drogenhändler aus Erlangen-Höchstadt zerbricht

Der 28-jährige Angeklagte hingegen wurde wegen ganz ähnlicher Delikte nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Zugleich ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Die Behandlung hinter den verschlossenen Türen eines Bezirkskrankenhauses dürfte eineinhalb Jahre dauern und soll ihm helfen, seine Suchterkrankung unter Kontrolle zu bekommen. Damit er künftig straffrei durchs Leben kommt. Schließlich nimmt er bislang Crystal Meth und Speed, Ecstasy und Kokain sowie das starke Schmerzmittel Tilidin und Marihuana. Das führte dazu, dass seine hoffnungsvolle berufliche Laufbahn zerbrach.

Drogenhändler aus Erlangen-Höchstadt macht Schulden

Mehrere Ausbildungen und Anstellungen scheitern letztlich daran, dass der Angeklagte den Anforderungen aufgrund ständigen Drogenkonsums nicht mehr gewachsen ist. Als er einmal nach acht Monaten hinter Gittern wieder auf freien Fuß kommt, dauert es nur zwei Stunden, bis er sich wieder Stoff besorgt hat.

Seine ganzen Ersparnisse und ein Auto, das ihm sein Großvater schenkt, tauscht er im Laufe der Zeit gegen Rauschgift ein. Mehr noch: Er leiht sich etwa 25.000 Euro bei Familienmitgliedern und Freunden, um weiter „high“ werden zu können. „Ich dachte immer, durch Drogenhandel wird man reich. Jetzt mache ich das schon einige Tage, aber einen reichen Drogenhändler habe ich noch nicht gesehen“, so das Fazit des Vorsitzenden Richters Michael Fischer. Das wird sich auch nicht ändern: Muss der Angeklagte doch rund 16.000 Euro an Drogenerlösen als Wertersatz an die Staatskasse zahlen – damit sich kriminelles Handeln nicht lohnt. Und die nicht ganz unerheblichen Kosten des Gerichtsverfahrens kommen obendrauf.

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