Abgründe tun sich auf am Landgericht Nürnberg-Fürth: Ein Mann aus Heroldsberg hat seine dreijährige Patentochter sexuell missbraucht und vergewaltigt. Deshalb mussten er und ein Bekannter sich am Donnerstag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten.
Kind am Hintern gestreichelt
Der Kindergeburtstag ist beinahe vorüber. Einige Gäste kommen auf die Mutter des gerade vier Jahre alt gewordenen Mädchens zu. Zwei Männer haben sich während der Feier äußerst seltsam verhalten. Sie fotografieren mit ihren Smartphones, während die Kinder nackt im Pool plantschen. Einer streichelt das unbekleidete Geburtstagskind sogar am Hintern.
Vorliebe für Rollenspiele?
Die Mutter stellt die beiden Männer wenig später zur Rede. Einer ist ihr 30-jähriger Ex-Mann, mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hat, und gleichzeitig der Patenonkel des kleinen Mädchens. Er kümmert sich ab und an um die Kinder, sobald die Mutter einmal nicht kann. Der andere ist sein 27-jähriger Freund. Es gibt sogar die Vermutung, die beiden Männer mit der Vorliebe für Rollenspiele seien ein Pärchen.
Sexualstraftäter mit pädophilen Neigungen
Bei einer Aussprache lässt die Mutter heimlich ihr Smartphone mitlaufen und sammelt so wertvolle Beweise. Ähnlich klug verhält sie sich bei den Chat-Nachrichten des Patenonkels, die sich kurz nach dem Lesen von selbst löschen. Sie aber lichtet die getippte Kommunikation ab und übergibt alles den Ermittlern und dem Jugendamt. Damit kann sie zwei gefährlichen Sexualstraftätern mit pädophilen Neigungen das Handwerk legen. Erschreckend ist, dass der Patenonkel einst sogar eine Ausbildung zum Kinderpfleger begonnen, aber nicht zu Ende gebracht hat. Und dass er sexuelle Handlungen an kleinen Mädchen für völlig normal hält. „Er sagte zu mir, das sei doch nicht so schlimm. Ich solle kein Fass aufmachen“, so die Mutter im Zeugenstand.
Heroldsberg: Dreijährige Patentochter vergewaltigt
Mehr als ein Jahr über hat sich der teilweise schwere sexuelle Missbrauch von Kindern hingezogen. Einesteils in der Wohnung des Patenonkels in Heroldsberg, andernteils bei dem Mädchen zu Hause in Erlangen. Mehrere Vorfälle treten zutage. Die Details der schlimmen Übergriffe zweier erwachsener Männer auf ein dreijähriges Mädchen am Wickeltisch, im Kinderzimmer und in der Badewanne sollen hier zum Schutz des Opfers nicht geschildert werden. Nur soviel: Die dadurch entstandenen Verletzungen fallen einer Kinderärztin auf, die davon erst der Mutter und dann der Polizei berichtet. Dem Mädchen schärfen die Männer indes ein, nichts von den Vorkommnissen zu verraten. Das sei ihr Geheimnis. Aber das Trauma wütet weiter im Unterbewusstsein.
Kriminalpolizei Erlangen ermittelt
Schon früh ahnen die beiden Männer, dass die Kriminalpolizei Erlangen gegen sie ermittelt. Und weil sie vom Fach sind, nämlich gelernte Informatiker, nutzen sie die Zeit, ihre Datenträger zu bereinigen. Einer nutzt gleich mehrere Löschprogramme. Dennoch lassen sich nicht alle Beweise vernichten. Zu groß sind die Datenmengen von bis zu 31 Millionen Bildern.
Das meiste ist harmlos, es gibt aber auch strafbare Dinge. So finden sich beim Patenonkel und seinem Komplizen neben mehr als eintausend kinderpornografischen Bildern anderer Opfer auch Aufnahmen, die beide Täter vom dreijährigen Mädchen gemacht haben. Nackt und in eindeutiger Pose. Allerdings gibt es noch eine verschlüsselte Festplatte, die so gut gesichert ist, dass nicht einmal eine Spezialfirma aus Frankfurt am Main sie knacken und auslesen kann.
Halb-Bruder mit Suizidgedanken
Durch ihr rücksichtsloses Verhalten haben die beiden Männer schwere psychische Schäden angerichtet. Die Mutter erleidet einen Nervenzusammenbruch. Das kleine Mädchen zeigt Verhaltensauffälligkeiten, brüllt und weint bis zu einer halben Stunde am Stück. Sie leidet unter Schlafstörungen und Alpträumen, Panikattacken und Angststörungen. Auch Entwicklungsverzögerungen treten auf. Sie ist ein Fall für die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ihr nur wenige Jahre älterer Halb-Bruder hat einige der ungeheuerlichen Taten mitbekommen. Er macht sich Vorwürfe, dass er seiner Halbschwester nicht helfen konnte. Sogar von Suizidgedanken ist die Rede – bei einem siebenjährigen Jungen. Ihn quält die Frage: „Warum hat der Papa das gemacht“.
Das Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth
Während des Prozesses geben die beiden Männer alles zu. Es fallen Begriffe wie „schlimmer Kontrollverlust“, „großer Vertrauensbruch“ und „sexuelle Versuchung“. Am Ende verurteilt die Zweite Strafkammer den bislang unbescholtenen Patenonkel wegen sexuellen und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Herstellens kinderpornografischer Inhalte zu fünf Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe.
Dabei macht man ihm auch klar, dass er ohne erfolgreiche Therapie und einer weiteren ähnlichen Straftat mit der lebenslangen Sicherungsverwahrung rechnen muss. Sein ebenfalls nicht vorbestrafter Freund erhält eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit Bewährung. Er muss eine Verhaltenstherapie bei einer Ambulanz für Gewalt- und Sexualstraftäter machen und eine Geldauflage von 2.000 Euro an den Kinderschutzbund Erlangen zahlen.















