Weihnachtshilfe
Warum psychisch Kranke oft Geldsorgen haben
Andreas werkelt in der Tagesstätte der Diakonie Bad Kissingen.
Andreas werkelt in der Tagesstätte der Diakonie Bad Kissingen.
Ellen Mützel
von Ellen Mützel Saale-Zeitung
Bad Kissingen – Andreas und Jessica haben paranoide Schizophrenie seit ihrer Jugend. Die Krankheit hindert sie, zu arbeiten. So hilft Ihre Spende den Betroffenen.

Andreas und Jessica teilen ein ähnliches Schicksal: Sie machten ihre Ausbildung, wollten in den Beruf starten, aber irgendwas stimmte nicht. Dann kam die Diagnose – sie haben paranoide Schizophrenie. Die Symptome: Ihr Kopf spielt ihnen Streiche, sie haben Wahnvorstellungen und hören Stimmen. Gelandet sind beide letztlich beim Sozialpsychiatrischen Dienst (SPDI) der Diakonie Bad Kissingen.

„Mit 18 Jahren wurde ich krank, das war 2005“, erinnert sich Andreas. Versuche, zu arbeiten, seien schief gegangen: „Es waren zu viele Stimmen, zu viel Druck im Kopf, das habe ich dann einfach nicht mehr ausgehalten.“ Dazu kommt die Erschöpfung, die damit einhergeht.

Arbeiten nicht möglich

Etwas später hatte Andreas es noch mal probiert, diesmal bei der Lebenshilfe in Nüdlingen. „Da habe ich ein Jahr gearbeitet, dann ging es mir aber nicht gut und ich bin nach Werneck gegangen, um Abstand zu gewinnen.“ Irgendwann, Jahre nach seiner Diagnose, habe er dann Rente bekommen.

Ähnlich ging es Jessica, die nie in ihrem erlernten Beruf arbeiten konnte. Auch sie lebt von einer kleinen Rente mit Aufstockung. Denn wer so früh erkrankt, hat kaum die Möglichkeit, eine angemessene Rente zu erhalten. Zu ihrem psychischen Leiden gesellen sich also finanzielle Probleme.

Bett und Kleidung durch Spenden

So freuen sich beide über die Spenden, die die Diakonie über die Weihnachtshilfe erhält. Andreas finanzierte die Diakonie damit ein neues Bett, Jessica brauchte Kleidung und durfte mit einem Budget einkaufen gehen.

Beide freuen sich, mit dem Rest der Gruppe auf den Weihnachtsmarkt nach Bamberg zu fahren. Das sei fast allen nur möglich, weil es über die Spenden bezuschusst wurde, berichtet Jürgen Wolfer, Leiter der Tagesstätte des SPDI. So kostet die Fahrt nur fünf statt 30 Euro. „Das ist für viele ein Wocheneinkauf“, bemerkt Daniela Nickola, die sich um die Beratungsstelle und das Betreute Wohnen kümmert.

SPDI: Tagesstätte, Beratungsstelle und Betreutes Wohnen

Neben Jessica und Andreas sind noch viele weitere chronisch psychisch Kranke in der Tagesstätte. Die Einrichtung hilft, einen Tagesrhythmus beizubehalten und Kontakte zu anderen zu knüpfen.

Einer der ersten Kontakte mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst ist Daniela Nickola in der Beratungsstelle. Dort rufen Menschen an, die in einer Krise stecken, die Freude am Leben verloren haben, aber auch Angehörige.

Im betreuten Wohnen kommen Nickola und ihr Team zu den Menschen nach Hause und unterstützen sie im Alltag.

Wie das vergangen Jahr für die Menschen war, die Wolfer und Nickola betreuen, sei unterschiedlich. Vor allem bei den Menschen in der Tagesstätte schlugen die gestiegenen Preise durch: „Viele haben nur eine kleine Rente oder bekommen Wohngeld“, erklärt Wolfer. Doch auch in der Beratungsstelle häuften sich die Probleme, weil Menschen durch gestiegene Kosten in Existenzängste und Lebenskrisen gerieten.

Tagelang nur Brot, um zu sparen

Die Geldsorgen zeigten sich laut Nickola seit der ersten Minute. „Es gibt Menschen, die keine Butter mehr kaufen, ich hab Klienten, die gar nicht mehr kochen, wo es tagelang Brot gibt, weil es einfach das Günstigste ist.“

Auch hier helfen die Spenden: „Wir geben damit Lebensmittelmarken aus. Aber es sind auch andere Anschaffungen, die wir unterstützen: Einen Kühlschrank, einen Teppich, ein defektes WC, den TÜV“, zählt Wolfer auf.

Nickola würde gerne die Stimme für die psychisch Kranken erheben „Sie haben die Spenden verdient. Viele sind in der Situation unverschuldet und würden sich das auch anders wünschen.“ Wolfer ergänzt, man merke, dass die Lobby für die psychisch Kranken schlecht ist. „Die Menschen werden krank aus irgendeinem Grund und leiden unter denselben Problemen, wie andere auch.“

 

Spendenkonten der Weihnachtsaktion der Saale-Zeitung

  • Caritas: DE80 7935 1010 0000 0019 41
  • Kidro: DE05 7935 1010 0000 0335 55
  • Solwodi: DE73 7906 5028 0005 7260 50
  • Diakonie: DE48 7935 0101 0000 0025 35

Verwendungszweck: Weihnachtshilfe Saale-Zeitung

 

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