Wer sich mit der hiesigen Biertradition nicht so gut auskennt – Zugezogene oder Touristen zum Beispiel – wird sich über den Online-Eintrag der Tourist-Information Forchheim unter dem Punkt „Kulinarik“ freuen.
Drei Brauereien gibt es demzufolge in der Stadt. Klingt nach der vielbesungenen oberfränkischen Biervielfalt. Großartig! Der geneigte Kenner jedoch stutzt und denkt: Da fehlt doch ein Name …
Greif, Hebendanz, Neder – aber kein Eichhorn mehr
Aufgeführt werden die Brauereien Greif, Hebendanz und Neder. Rausgeflogen ist die vormals kleinste Brauerei der Stadt, die seit 1783 ansässige Eichhorn Brauerei.
Sie wird offiziell nicht mehr als Forchheimer Braustätte gelistet. Als Grund nennt Forchheims Tourismus-Chef Nico Cieslar auf FT-Nachfrage, dass dort nur jene zu finden sind, die auch tatsächlich noch in Forchheim brauen.
„Klar finde ich es schade, dass eine Brauerei ihren Betrieb in Forchheim einstellt. Aber immerhin bleiben uns das Bier und die Marke erhalten“, sagt er.
Eichhorn wird in Schnaid gebraut
Nachdem im Frühjahr 2022 bekannt geworden war, dass sich Alt-Chef Konrad Greif zurückziehen will, war der Aufschrei groß.
Doch mit dem umtriebigen Brau-Unternehmer David Hertl aus Schlüsselfeld fand sich rasch ein Nachfolger (gemeinsam mit den Forchheimer Immobilienentwicklern Frank Päsler und Alexander Maier sowie dem Marketingexperten Stefan Willared), der sowohl einige traditionelle Eichhorn-Rezepte als auch den Namen der Brauerei beibehalten wollte.
Einzig die Braustätte in der Bamberger Straße in Forchheim konnte und wollte er nicht mehr nutzen. Zu viel hätte er investieren müssen, um sie auf modernen Stand zu bringen, außerdem gebe es große Pläne, den Gebäudekomplex zu einem Wohnquartiert umzubauen.
Deshalb zog Hertl mitsamt der Eichhorn’schen Rezeptur in seine ebenfalls im vorigen Frühjahr übernommene Anlage in Schnaid (frühere Braustätte der Brauerei Friedel).
Braumanufaktur Hertl: Eichhorn-Hell und Annafestbier
Dort entstehen seither neben zahlreichen Eigenkreationen seiner Braumanufaktur Hertl auch die in Forchheim geschätzten Sorten Eichhorn-Hell sowie das Annafestbier.
„Natürlich ist es auf der einen Seite schade. Aber ich kann mit dieser Entscheidung leben“, sagt David Hertl auf Anfrage darüber, dass sein Bier nun nicht mehr als Forchheimer Haustrunk zählt.
„Es stimmt ja, wir brauen nicht mehr hier.“ Auch hatte sich Hertl erst kürzlich auf einer groß angelegten Online-Auktion von einem Großteil des alten Eichhorn-Inventars getrennt.
Aber – und das ist nach wie vor die gute Nachricht – sowohl die Brauereigaststätte in der Bamberger Straße als auch der Eichhorn-Keller werden weiterhin betrieben wie gewohnt. Und es gebe weiterhin seine Flaschenbiere in ausgewählten Geschäften in Forchheim zu kaufen.
Walk of Beer: Brauerei Eichhorn bleibt dabei
Darüber hinaus bleibt Hertls Eichhorn Brauerei auch im 2018 in Forchheim eingeweihten „Walk of Beer“ vertreten.
„Nur eben nicht mehr als aktive Braustätte, sondern als historische“, sagt Nico Cieslar.
Der Stern auf dem Boden vor der Brauereigaststätte Eichhorn bleibt also bestehen und erzählt wie seine Pendants vor den Brauereien Neder, Hebendanz, Greif und am Fuße des Kellerwaldes via QR-Code Forchheims Besuchern Wissenswertes über die hiesige Biertradition.
Fazit: Eine Verschlechterung für das Image der Forchheimer Braukultur sieht Cieslar mit dem Wegfall des Namens Eichhorn nicht. „Es ist lobenswert, dass die Marke erhalten bleibt.“
Forchheims Brauereien im Spiegel der Geschichte
Geschichte 1850 noch gab es in Forchheim laut Informationen der Website www.walk-of-beer.de 38 Schankstätten und mehr als 20 Bierkeller. Die meisten Wirte produzierten ihr Bier in zwölf privaten und zwei Kommunbrauhäusern. Zu dieser Zeit hatte Forchheim 3.000 Einwohner. Heute existieren drei Brauereien und 23 Bierkeller.
Brauerei Hebendanz
Die Geschichte der Brauerei Hebendanz lässt sich bis 1579 zurückverfolgen. Die Familie Hebendanz war im „Steinernen Haus“ in der Hauptstraße 28 ansässig, gebraut wurde im Unteren Kommunbrauhaus. Seit 1882 wird im heutigen Anwesen der Brauerei gebraut.
Brauerei Neder
Die Brauerei gibt es seit 1554. Sie ist die älteste noch bestehende Brauerei in Forchheim. Die Gaststätte mit original Holzbohlen-Balkendecke aus dem 16. Jahrhundert hat 365 Tage im Jahr geöffnet.
Brauerei Greif
Die Brauerei Josef Greif wurde 1848 in der Sattlertorstraße 18 gegründet. Gebraut wurde zunächst im ehemaligen Kommunbrauhaus in der Wiesentstraße. 1952 wurde der Braubetrieb in die Serlbacher Str. 10 außerhalb des alten Stadtkerns verlegt.
Brauerei Eichhorn
Eichhorn-Bier gibt es noch, aber in der Brauerei Eichhorn in der Bamberger Straße 9 wird seit 2022 nicht mehr gebraut. Im Jahr 1783 wird erstmals an diesem Standort eine Brauerei erwähnt. Im Jahr 1935 hat Konrad Greif die Brauerei erworben und den Namen Eichhorn von der Gaststätte, die er vorher bereits geführt hatte, mitgebracht.
Seit Frühjahr 2022 wird Eichhorn-Bier von der familiengeführte Brauerei Hertl in Schnaid gebraut.
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