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Rathaus-Archäologen
Grabungen dauern länger, ergeben aber Sensationelles
Alle Hände voll zu tun haben die Archäologen wie hier beim Vermessen und Zeichnen der Profile in der Registratur des Forchheimer Rathauses. Die Befunde können sich laut den Forschern sehen lassen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Alle Hände voll zu tun haben die Archäologen wie hier beim Vermessen und Zeichnen der Profile in der Registratur des Forchheimer Rathauses. Die Befunde können sich laut den Forschern sehen lassen. // Claus Vetterling, ReVe - Büro für Archäologie Bamberg
Forchheim – Das Forchheimer Rathaus gilt als bedeutendste Stadtkerngrabung in Oberfranken. Was die Forscher unter den jahrhundertealten Gemäuern gefunden haben und warum jetzt die Arbeit erst richtig anfängt.

Claus Vetterlings Stimme neigt nicht zum Überschlagen. Und doch ist seine Begeisterung über die Ausgrabungen in der Baustelle des Forchheimer Rathauses kaum zu überhören.

Es sind nicht nur die Größe und der Umfang der Arbeiten, die den Bamberger Archäologen freuen, auch sind es die vielen Funde und Erkenntnisse, die sein Wissenschaftler und das Landesamt für Denkmalpflege daraus ableiten können.

Bedeutendste Stadtkerngrabung in Oberfranken

„Eine bedeutendere Stadtkerngrabung haben wir in Oberfranken so noch nicht gesehen“, sagt Vetterling. Dank der gründlichen Arbeit der Archäologen auf knapp 650 Quadratmetern lässt sich viel über die Lebensumstände der Menschen rund um das Rathaus ableiten.

Betreuung der Baggerarbeiten im Zwischenbau
Betreuung der Baggerarbeiten im Zwischenbau // FOTOGALERIE Claus Vetterling, ReVe - Büro für Archäologie Bamberg
Vermessung und Dokumentation der Befunde in der Registratur
Vermessung und Dokumentation der Befunde in der Registratur // FOTOGALERIE Claus Vetterling, ReVe - Büro für Archäologie Bamberg
Vermessen und Zeichnen der Profile in der Registratur
Vermessen und Zeichnen der Profile in der Registratur // FOTOGALERIE Claus Vetterling, ReVe - Büro für Archäologie Bamberg
Zeichnen der Brunnen- und Latrinenschächte im Zwischenbau
Zeichnen der Brunnen- und Latrinenschächte im Zwischenbau // FOTOGALERIE Claus Vetterling, ReVe - Büro für Archäologie Bamberg
Ausgrabung im Zwischenbau unter der barocken Holztreppe
Ausgrabung im Zwischenbau unter der barocken Holztreppe // FOTOGALERIE Alexandra Meschke, ReVe - Büro für Archäologie Bamberg
Spielzeugreiter aus Keramik, glasiert, 14./15. Jahrhundert
Spielzeugreiter aus Keramik, glasiert, 14./15. Jahrhundert // FOTOGALERIE Verena Stürner, ReVe - Büro für Archäologie Bamberg
Archäologische Grabungen Rathaus ForchheimArchäologische Grabungen Rathaus Forchheim
 // FOTOGALERIE Verena Stürner, ReVe - Büro für Archäologie Bamberg
Silberstift, Zeichengriffel, mittelalterlich
Silberstift, Zeichengriffel, mittelalterlich // FOTOGALERIE Verena Stürner, ReVe - Büro für Archäologie Bamberg

Knapp 100.000 Einzelfunde im Rathaus Forchheim

In den vergangenen Monaten hat das Team um Grabungsleiter Gunnar Gründer mehr als 100 Zeichnungen in Metergröße angefertigt, 2500 Befunde freigelegt, 50.000 Fotos geschossen und bis zu 100.000 Einzelfunde verzeichnet.

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Die ältesten Stücke seien auf das fünfte und sechste Jahrhundert datiert, was auf eine Besiedelung auf das Frühmittelalter schließen lässt. Die spannendsten Stücke waren Aufschüttungen von menschlichen Knochen im Magistratsbau und ein Silberstift, den bekannte Künstler jener Zeit wie Albrecht Dürer für ihre Werke benutzt hatten.

Auch die vielen Glasfunde zeugen vom damaligen Leben der Forchheimer. Am Bau selbst können die Forscher eine jahrhundertealte Baugeschichte ablesen. So fungierte das Rathaus nach dem Ende der Pfalz im 12. bzw. 13. Jahrhundert als Kaufhaus.

Wohl erst im neuen Jahr 2023 fertig

Immer wieder habe es Verzögerungen gegeben, auch seien die Arbeiten der Archäologen teurer gekommen als geplant. So sei es immer schwierig, in einem Einzeldenkmal dieser Bedeutung zu graben, es gebe statische Herausforderungen und es seien Abstimmungen mit den Rohbauarbeitern nötig. Dies erhöhe Aufwand und Kosten.

Die gute Nachricht: Es seien laut Vetterling nur noch wenige Stellen übrig, die untersucht werden müssten. Aber, die schlechte Nachricht: Wieder gibt es Verzug: Statt wie geplant bis Weihnachten fertig zu werden, planen die Wissenschaftler mit dem Januar 2023.

„Die Ergebnisse müssen wir nun noch nachbearbeiten, was viel Zeit in Anspruch nehmen dürfte“, sagt Vetterling. Wenn alles abgeschlossen ist, wolle man dieses durch die Grabungen sichtbare „bedeutende Fenster in die Vergangenheit“ den Bürgern Forchheims im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung zur Verfügung stellen.

 

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